Offene Toilettentüren gegen das Norovirus

In drei losen Beiträgen berichtet der Degersheimer Reisejournalist Michael Hug von seiner Transatlantikfahrt über die Weihnachtstage. Die Fahrt auf der «QM2» führte von Southampton nach New York. Internet ist wichtig.

Michael Hug
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Schlechtes Wetter: Nur wenige wagen sich zur körperlichen Ertüchtigung aufs gesperrte Deck. (Bild: Michael Hug)

Schlechtes Wetter: Nur wenige wagen sich zur körperlichen Ertüchtigung aufs gesperrte Deck. (Bild: Michael Hug)

In drei losen Beiträgen berichtet der Degersheimer Reisejournalist Michael Hug von seiner Transatlantikfahrt über die Weihnachtstage. Die Fahrt auf der «QM2» führte von Southampton nach New York.

Internet ist wichtig. Nicht für jeden Passagier vielleicht, doch das Bedürfnis steigt auch auf Kreuzfahrten. Dem kommt die Besitzerin der «Queen Mary 2», die englische Reederei Cunard, nach und hat darum das ganze Schiff mit einem WLAN ausgerüstet. Die Verbindung zum Internet stellen Satelliten her. Die Minute im Netz kostet 0.75$, ein 4-Stunden-Paket 89.95$. Die Verbindungsqualität ist miserabel und das Guthaben ist ratzfatz aufgebraucht. Aber schlecht ist besser als gar nichts. Gratis ist das Handynetz, das für SMS recht gut funktioniert.

Europa weg vom Radar

Steuerbordseits (also rechts) der «QM2» zieht der Bishop Rock vorbei, das letzte Stück Felsen von England und damit ist Europa weg von Fenster und Radar. Der diensthabende Offizier auf der Brücke programmiert den Autopiloten auf Kurs 270° und das bleibt eine ganze Weile so. Unter dem Schiff zieht schon bald der Mittelatlantische Rücken durch und vielleicht auch das sagenhafte Land «Atlantis». Davon spürt man freilich nichts. Windstärken bis 7 Beaufort, Regen, Nebel, heftiger Seegang, Sicht null, und das fast die ganzen sieben Tage. Der Kapitän lässt die Aussenbereiche der oberen Decks wegen des Windes sperren. Die Joggenden hält das vom täglichen Freigang nicht ab. Zimperlichere Passagiere keuchen derweil im Fitnesscenter oder lassen sich im Spa pflegen. Höheren Künsten Zugeneigte entspannen sich in der Bibliothek.

Kapitän Kevin Oprey informiert täglich punkt zwölf Uhr über die Audioanlage. Unter uns liegt das Neufundländische Becken, nordwestlich in einiger Entfernung seit 100 Jahren die «Titanic». Nebst den Durchsagen des Käpt'n gibt es unter den 42 TV-Kanälen auch welche, die nicht nur alle zwei Stunden den selben Film wiederholen oder über Börsengänge und Morde informieren, sondern über die Route der «QM2». Natürlich in der Bordsprache Englisch. Dafür, dass Deutschsprechende das wichtigste nicht verpassen, ist die Hamburgerin Berenike Kovermann zuständig.

Die Vorführung des Weltalls

Zu verpassen gibt es einiges: Das Weltall im «Planetarium», den Bridgekurs, das Premier-League-Spiel Newcastle United vs. Sunderland, die Führung durch die Hauptküche, das Treffen der Alleinreisenden, den Gottesdienst, das Casting für die Talentshow, die Versteigerung der Seekarte dieser Reise und vor allem die Zeitumstellungen. Fünf Mal wird die Uhr in der Nacht zurückgestellt. Nur zwei Lärmquellen stören die Erholung: Das Geschwätz der «Waschweiber» in der «Laundrette», dem kostenlosen Waschsalon und das Schletzen der mit Türschliessern ausgestatteten Kabinentüren.

Offene Toilettentüren

Keinen Mucks machen die Toilettentüren. Sämtliche WC-Türen in den öffentlichen Bereichen sind nämlich offen, und das hat seinen Grund: Norovirus. Es ist, gemessen am Vermeidungs- und Informationsaufwand, die wohl zweitgrösste Gefahr auf einem Schiff nach dem Feuer. Bereits auf der zweiten Seite im Bordinformationsbuch wird darauf hingewiesen, dass man Türfallen und Handläufe meiden und das tägliche Geschäft auf der Toilette seiner Kabine verrichten sollte. Wenn dann doch unten oder oben etwas heraus will, sollte man nicht zum Schiffsdoktor rennen, sondern aus der eigenen Kabine die Telefonnummer 999 wählen.