ÖLPRODUZENT: Jungbauer setzt auf Mohn

Beat Moser gewinnt auf seinem Hof Widenbrunnen in Niederhelfenschwil nicht nur Milch und Obst, sondern auch Öl. Das ein Hektar grosse Mohnfeld des Landwirts sorgt dieser Tage für ein prächtiges Farbenspiel.

Vroni Krucker
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Landwirt Beat Moser in seinem Hof Widenbrunnen.

Landwirt Beat Moser in seinem Hof Widenbrunnen.

Vroni Krucker

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Vor der Kulisse des Alpsteins steht der Betrieb von Beat Moser. Seine Hauptzweige sind Milchwirtschaft und Obstbau. Auffällig: Neben dem Ökonomiegebäude strecken unzählige Mohn­blüten ihre violetten Köpfe der Sonne entgegen, schliessen sie aber früh am Nachmittag wieder.

Mohnöl ist in der Schweiz wenig bekannt. Im Fürstenland wird es seit 2006 wieder angebaut. Das Speiseöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren. Geeignet ist Mohnöl für die kalte Küche, lässt sich aber auch als Marinadenöl für Fleisch verwenden. Der Geschmack hängt von der Sorte ab und reicht von mild bis nussig.

Der Mohnanbau stellt die Praxis vor Herausforderungen. Die Maschinen für die Saat, Unkrautbekämpfung sowie die Ernte müssen dem Mohn angepasst werden. Zurzeit sind in der Schweiz keine Mohnherbizide zugelassen, weshalb der Anbau nur auf Parzellen mit geringem Unkrautdruck empfohlen wird. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Kultur, ist für den innovativen Landwirt aber interessant.

Ein Hektar Mohnsamen ergibt 300 Liter Öl

Ausgebildete Mohnpflanzen werden ungefähr einen Meter hoch. Pro Pflanze entwickeln sich ein bis zwei Blüten. Die reifen Samen fallen auf den Kapselboden und sind in der Kapsel gut geschützt. Die Mohnsamen werden kalt gepresst und enthalten bis zu 50 Prozent Öl. Von einer Hektar können ungefähr 300 Liter Öl gewonnen werden. Der Anbau wird in Zusammenarbeit mit der st. gallischen Saatzuchtgenossenschaft getätigt. Sie vereint 70 Bauernfamilien und weitere bäuerliche Produzenten aus der Region und hat sich auf den Anbau von Nischenkulturen, deren Veredlung und Vermarktung spezialisiert. Dazu gehören: einheimische kaltgepresste Öle aus Raps, Leinen, Mohn, Trauben und Walnuss, blaufleischige Kartoffeln, Pro-Specie-Rara-Kartoffelsorten, Grassamenvermehrung und Gartendünger aus Trockenmist.

Die vielfältigen Auszeichnungen wie Agropreis, DFG-Rapsölmedaille, Culinarium-Trophy und Medaille d’Or Concours Suisse des produits du terrroir zeugen von der Innovationskraft, der hohen Qualität und der Nachhaltigkeit der Projekte und Produkte. Die Genossenschaft verarbeitet den Mohn im Landwirtschaftlichen Zentrum in Flawil. Hans Moser, der Vater von Beat, war lange im Vorstand und ist Neuem gegenüber offen.

Ein Beruf als Berufung

Seit dem 1. Januar gehört der Hof dem Jungbauern Beat, wobei seine Eltern Martha und Hans weiter intensiv mitarbeiten. Für den Landwirt ist sein Beruf eine Berufung, eine befriedigende Tätigkeit, für die er die langen Arbeitszeiten und Negatives in Kauf nimmt. Er lässt sich auch auf die Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen ein. «Die Arbeit ist abwechslungsreich und spannend», sagt Beat Moser. Sind es zwischen Frühjahr und Herbst vor allem die Tiere, das Heuen und Emden und die Pflege des Bodens und der Bäume, so kommt im Winter die Waldarbeit zum Zug und es gibt ein bisschen mehr Freizeit.