ÖKUMENE: Gerechtigkeit ist anspruchsvoll

Die drei Kirchen von Uzwil feierten am Sonntag gemeinsam einen Familiengottesdienst mit anschliessendem Pasta-Essen im Gemeindesaal.

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Pfarrer Marc Ditthardt beteiligt die Kinder an der Frage, was Gerechtigkeit ist. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Pfarrer Marc Ditthardt beteiligt die Kinder an der Frage, was Gerechtigkeit ist. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Christen der Katholischen Pfarreien Niederuzwil und Henau, der Evangelisch-reformierten und der Evangelisch-methodistischen Kirche Niederuzwil fanden sich am Sonntag zu einer grossen Tischgemeinschaft zusammen. Gleichzeitig solidarisierten sie sich mittels der Kollekte und dem Erlös der Konsumation mit 600 Bauern in Brasilien. Die Einnahmen gehen an das Fastenopfer-Projekt «Brasilien – Mehr Nahrung und Gerechtigkeit für alle».

Um die Gerechtigkeit und die Schwierigkeit, Gerechtigkeit zu definieren und zu verstehen drehte sich der Gottesdienst. «Ungerechtigkeit löst Wut aus und in der Wut liegt die Kraft, etwas zu verändern», sagte Pfarreileiter Klaus Gremminger einführend. Es sei wichtig, die Gleichgültigkeit zu überwinden, sich berühren zu lassen und auch wütend oder traurig zu werden. Pfarrer Marc Ditthardt beteiligte die Kinder bei der Frage, was Gerechtigkeit ist. Zuerst galt es, die durcheinander geratenen Buchstaben zum Wort «Gerechtigkeit» zusammenzusetzen. Dann stellte Ditthardt Fragen, ob dies oder jenes gerecht sei. Die Kinder hatten eine klare, kompromisslose Meinung und bewiesen ihren Gerechtigkeitssinn. Für die Erwachsenen wären die Fragen anspruchsvoller zu beantworten gewesen. Ist es gerecht, dass der Vater für seine Arbeit einen Lohn bekommt und die Mutter für ihre Arbeit zu Hause nicht? Ist es gerecht, dass einer an einem Ort 300 Franken die Stunde verdient und ein anderer einen ganzen Monat dafür arbeiten muss? «Gerechtigkeit ist anspruchsvoll», war denn auch die Erkenntnis.

Der evangelisch-methodistische Pfarrer Rolf Wyder ging in der Predigt dem Begriff Gerechtigkeit nach, zog das Erste Testament heran, wo bereits Sozialkritik geübt wird, und stützte sich für eine Übersetzung ins Heute auf das zuvor gelesene Evangelium ab, in dem es etwa heisst: «Helft, wo ihr könnt, und verschliesst eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen.» Ungerechtigkeit beginne zum Beispiel dort, wo über Abwesende geredet werde oder wo gemobbt werde, sagt Rolf Wyder. Es sei wichtig, sich für die Gerechtigkeit einzusetzen und zu handeln, damit die Gemeinschaft lebendig bleibe.

Die Jugendmusik Uzwil gestaltete den Gottesdienst mu­sikalisch mit, und Hanspeter ­Nadler begleitete die Lieder am E-Piano. Eine lebendige Gemeinschaft gab es am anschliessenden Pasta-Zmittag. Die Kinder durften ausserdem im Untergeschoss basteln.

Cecilia Hess-Lombriser

redaktion@wilerzeitung.ch