Odyssee am Automaten

Notabene

Simon Dudle
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Mal wieder gingen beim Detailhändler des Vertrauens die Lichter früher aus als in der Redaktionsstube. Mal wieder hat nicht einmal mehr der Bahnhofkiosk offen. Als letzte Rettung bleibt der Selecta-Automat. Ein Bifi-Würstchen in einem mässig attraktiven Teigmantel muss es richten. Gesund ist das nicht und die nächste Standpauke der Ernährungsberaterin auf sicher. Alles eine Frage der Planung, schon klar. Die Antwort (um nicht zu sagen Ausrede) wird abermals sein, dass sich die Ereignisse bei der Tageszeitung auch mal anders entwickeln als morgens geplant.

Am Automaten gehen die Probleme erst richtig los. Der 50-Räppler wird nicht angenommen, warum auch immer. Das Problem besteht doch schon seit Jahrzehnten. Auch die Versuche Nummer zwei und drei sind nicht von Erfolg gekrönt. Grossmutters Tipps müssen helfen: Münze an der Jacke reiben und erneut probieren. Das Vorhaben scheitert ebenfalls.

Zum Glück hat sich im Verlauf der Woche einiges an Münz angesammelt. Doch ohalätz: Auch das zweite «Füfzgerli» schippert unten unverrichteter Dinge wieder raus. Also müssen es zwei «Zwanzgerli» und ein «Zehnerli» richten. Die 20-Rappen-Stücke scheinen genehm, beim Zehner braucht es noch ein weiteres Stück. Endlich: Die 4.50 Franken sind nach einer gefühlten Ewigkeit beisammen.

Die Nummer 44 für das Bifi-Würstchen ist gedrückt, und die nächste Ernüchterung Sekunden später Tatsache. Die Spirale dreht sich, ohne dass das Würstchen fällt. Einige Millimeter fehlen. Mit einem Kraftakt soll der Znacht zu Fall gebracht werden. Doch das Würstchen ist erstaunlich standfest.

Der Zug ist mittlerweile weg, die guten Laune des Feierabends auch. Zurück bleibt neben dem Hunger die Stimme der Ernährungsberaterin, die halt doch recht gehabt hat: Eine vorausschauende Planung hätte nicht nur für ein zumindest halbwegs ausgewogenes Abendmahl gesorgt, sondern auch einige kritische Blicke erspart.

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch