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OBERUZWIL: Wenig Hoffnung auf Stabilität in Syrien

Bei der Donnerstags-Gesellschaft referierte der deutsche Orientalist und Historiker Matthias Hofmann über die aktuellen Vorgänge in der arabischen Welt. Hofmann ist «interkultureller Berater» der Bundeswehr.
Annelies Seelhofer-Brunner

Den Arabern hatte man nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches im Jahr 1922 ­einen eigenen Staat versprochen. Doch Gruppierungen mit wirtschaftlichen und politischen Interessen aus England und Frankreich setzten sich mit dem Sykes-Picot-Abkommen über dieses Versprechen hinweg. Willkürlich gezogene Staatsgrenzen ohne Rücksicht auf die Befindlichkeit der Bevölkerung sind seither ständig Anlass für Konflikte. 2010 begann in Tunesien der «Arabische Frühling» mit der Selbstverbrennung eines Händlers. Mit diesen Ausführungen über die geschichtlichen Hintergründe legte Matthias Hofmann die Basis für sein Referat.

«Ein Staat braucht eine Identität», stellte er fest. Dazu gehörten eine gemeinsame Sprache, eine einende Religion sowie eine Schule für alle; dazu eine funktionierende Verwaltung und ein gut ausgebildetes Militär. Moscheen seien in vielen arabischen Ländern mit diktatorischem Regime die einzigen Orte, wo politische Vorgänge diskutiert werden könnten.

«Es gibt nicht nur Gut und Böse»

Matthias Hofmann betonte, dass es in einem Krieg keine einfache Einteilung in Gute oder Böse gebe. Alle Kriegsparteien hätten Waffen – und alle Gruppierungen begingen Verbrechen. Der Westen habe arabischen Herrschern lange Zeit hofiert, diese Potentaten dann aber aus geänderter Einschätzung ihres Nutzens fallen lassen. Assad, sagte Hofmann, sei in Syrien noch immer an der Macht, weil er für viele ein Garant für den Ist-Zustand sei, sogar für Israel, da es die Rebellen weniger gut einschätzen könne. Jahrzehntelang wurden, so Hofmann, südlich der Sahara Bodenschätze ausgebeutet, in die Heimatländer der Kolonialisten überführt und veredelt, ohne Arbeitsplätze in Afrika zu schaffen, was dort zu Arbeitslosigkeit und Elend führte. Gaddafi diente Europa lange Jahre als Bollwerk gegen Wirtschaftsflüchtlinge aus diesen Ländern. Im Gegenzug hoffte er auf Investitionen in Libyen. Niemand weiss, wie viele Menschen in all den Jahren in der Sahara umgekommen oder durch Schlepper zu Sklavenarbeit oder Prostitution gezwungen worden sind. Mit der Türkei gibt es ebenfalls ein Flüchtlingsabkommen, welches allerdings wankt. Solange in den Kriegsgebieten keine Aussicht auf Besserung zu sehen ist, wird auch der Flüchtlingsstrom nicht abbrechen.

Vergleichbar mit den Tuareg

Hofmann hat wenig Hoffnung für Syrien nach dem Bürgerkrieg. Gewinnt Assad, werden die Rebellen verfolgt und die Diktatur noch strikter werden, sind es die Rebellen, so müssen die Eliten um ihr Leben fürchten. Grosse Verlierer werden die Kurden sein, wie das die Tuareg in den Randzonen südlich der Sahara bereits erleben mussten.

Annelies Seelhofer-Brunner

redaktion@wilerzeitung.ch

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