OBERUZWIL: Unvergesslich, unüberhörbar

Mit dem Mani-Matter-Abend holte die Donnerstagsgesellschaft eine Perle auf die Bühne.
Wilfried Meichtry hat Mani Matters Biographie erforscht, in Oberuzwil an der Gitarre begleitet von Lukas Gerber. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Wilfried Meichtry hat Mani Matters Biographie erforscht, in Oberuzwil an der Gitarre begleitet von Lukas Gerber. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Die Veranstaltungen der Donnerstagsgesellschaft garantieren immer hochstehende Unterhaltung. Trotzdem darf der Abend über Mani Matter als Perle bezeichnet werden, die in ihrer schlichten Schönheit berührte. Verantwortlich dafür waren der Walliser Historiker Wilfried Meichtry, der Matters Biografie akribisch erforscht und in einem Buch erzählerisch verarbeitet hat, sowie der Chansonnier Lukas Gerber. Seine Stimme ist etwas feiner als jene von Matter, in der Ausdrucksweise aber zum Verwechseln ähnlich. «Mani Matters Lieder sind uns allen bekannt und sie tönen noch immer aus den Schulzimmern», sagte Ueli Gubler bei der Begrüssung.

Von der Presse als «Verslischmied» betitelt

Entsprechend genossen die Zuhörer die gesungene Erzählung von der Willhelm Tell-Aufführung im «Leuä z’Nottiswil». Mani Matter, von der Presse damals als «Verslischmied, der die heile Welt besinge» betitelt, habe eigentlich etwas anderes bezwecken wollen: die Leute zum Nachdenken anregen. Meichtry erwähnte die Selbstzweifel und Krisen, mit denen sich Matter zeit seines kurzen Lebens konfrontiert sah. «Wer eine Biografie schreibt, muss ins Elternhaus», sagte der Historiker und las aus einem Aufsatz, in dem sich der 16-jährige Mani vorstellt. Die humorvolle Beschreibung seiner selbst zeigt schon damals die Sprachfertigkeit und den Wortwitz. «In der Kürze liegt des Witzes Würze» – die Aussage des Jünglings ist später auch bei seinen Liedern zum Tragen gekommen. Die Lust am Nonsens, am Spiel mit der Sprache, ist von den Matters Eltern geweckt worden. Der Vater, belesener und humorvoller Jurist, brachte seinen zwei Kindern mit Wortspielen das Konjugieren bei. Mani Matter zitierte mit seinem Vater Gedichte um die Wette. Die beiden pflegten ein herzliches Verhältnis. Die Mutter verstarb während seiner Gymnasialzeit. Damals fand er Gefallen an den Versen von Georges Brassens und begann, selber Lieder zu schreiben. Sein erstes Werk war «Einisch nach emne grosse Gwitter».

Mani Matter, Rechtskonsulent der Stadt Bern, Lehrbeauftragter an der Uni und dreifacher Vater, bewältigte gegen 100 Auftritte pro Jahr. Wichtig waren ihm auch Gespräche, das Philosophieren, die Theologie, das Denken und die Politik.

Kritik an den «satten» Bürgern

Meichtry sagte, dass Matter die Sattheit der Bürger kritisiert und das im Lied «vom Dynamit» ausgedrückt habe. Mani Matter sei «Anti-Establishment» gewesen, der die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft habe übernehmen wollen. Für 1973 hatte er eine Tournee mit gesellschaftskritischen Liedern geplant. Bei einem Autounfall vom 24. November 1972 verstarb Mani Matter, erst 36 Jahre alt. Seine Lieder bleiben zeitlos. Dank Meichtrys Biografie werden Matters Anliegen unüberhörbar.

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch

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