Oberuzwil und Zuzwil wollen, was Uzwil seit einem Jahr hat: Schulergänzende Tagesstrukturen

Die Vielfalt der Familienformen führt dazu, dass die Nachfrage nach ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangeboten steigt.

Tobias Söldi
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Während Kinder in Tagesstrukturen gefördert werden, können die Eltern ihre Erwerbstätigkeit aufrechterhalten.

Während Kinder in Tagesstrukturen gefördert werden, können die Eltern ihre Erwerbstätigkeit aufrechterhalten.

Bild: Andrea Stalder

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist eine grosse Herausforderung – besonders, wenn das Kind der Kita entwachsen ist und ins schulpflichtige Alter kommt, besonders, wenn beide Elternteile arbeiten. «Gerade in letzterem Fall ist es schwierig, die Betreuung der Kinder sicherzustellen, vor allem am Nachmittag nach der Schule oder während der Ferien», bestätigt Franziska Gschwend vom Dienst für Recht und Personal des kantonalen Bildungsdepartementes.

Abhilfe schaffen schulergänzende Tagesstrukturen für Kindergarten- und Schulkinder, wie sie eine Motion der Grünen und SP im Kantonsrat kürzlich flächendeckend einforderte. Auch aus Sicht der Wirtschaft ist ein solches Angebot attraktiv: «Diese ist daran interessiert, dass gut ausgebildete Frauen und Männer im Arbeitsleben bleiben», erklärt Gschwend. Nicht zuletzt stellen Tagesstrukturen für Familien ein starkes Argument für eine Gemeinde als Wohnort dar.

Motion im Kantonsrat

Der Kantonsrat hat an der Session der vergangenen Woche die Motion «Flächendeckende Betreuungsangebote für Kinder im Volksschulalter» in geändertem Wortlaut gutgeheissen. Die Motion von SP und Grünen fordert, dass die schulergänzende Betreuung für Kinder ab dem Kindergartenalter im ganzen Kanton St. Gallen flächendeckend eingeführt werden soll. Die Schulträger sollen verpflichtet werden, eine schulergänzende Kinderbetreuung bedarfsgerecht anzubieten. Die Regierung muss dazu einen Gesetzesentwurf ausarbeiten. Die Motion wurde mit 70 zu 41 Stimmen bei zwei Enthaltungen gutgeheissen. (pd)

Neues Betreuungsangebot in Oberuzwil und Zuzwil

Auch in der Region Wil wächst die Vielfalt der Familienformen. Das zeigt sich daran, dass gleich zwei Gemeinden – Oberuzwil und Zuzwil – noch in diesem Jahr schulergänzende Tagesstrukturen anbieten wollen. Eine entsprechende Bedürfnisabklärung hat in beiden Gemeinden zum selben Resultat geführt: Das Interesse ist vorhanden, es wird sogar eine wachsende Nachfrage erwartet.

So plant Oberuzwil ab Oktober in der Primarschulanlage Breite ein Betreuungsangebot zwischen 7 und 18 Uhr während fünf Tagen die Woche und einem Teil der Sommerferien. Dieselben Eckdaten finden sich in Zuzwil: Hier will die Gemeinde nach den Sommerferien im Schulhaus Wiesengrund mit einem Betreuungsangebot zu denselben Zeiten starten.

Beide Gemeinden informieren ihre Bewohnerinnen und Bewohner in den nächsten Wochen über die geplanten Tagesstrukturen. Ob die Vorhaben dann wirklich umgesetzt werden oder nicht, entscheiden die Bürger der beiden Gemeinden an der jeweiligen Bürgerversammlung, wenn sie über die Kredite befinden.

Besonders gefragt: Die Betreuung am Nachmittag

Etwas weiter ist man in Uzwil. Mit denselben Herausforderungen konfrontiert, entschied die Gemeinde 2018, das schulergänzende Betreuungsangebot auszubauen. «Im Wissen um die unterschiedlichen Lebenssituationen von Eltern und Familien braucht es diese Vielfalt an Möglichkeiten», begründete die Gemeinde damals – im Wissen auch darum, dass andere Gemeinden der Region, etwa Flawil oder Wil, auf ein stärker ausgebautes Angebot zurückgreifen können. Der Plan: Morgen-, Mittags- und Nachmittagsbetreuung in Niederuzwil und in Uzwil sowie das Weiterführen der drei Mittagstisch-Angebote an den beiden erwähnten Standorten und in Henau. Am 11. Februar 2019 fiel der Startschuss.

Ein Jahr später fällt das erste Urteil je nach Standort und Angebot unterschiedlich aus, wie Patrick Hilb, der verantwortliche Schulleiter, auf Nachfrage darlegt. Er sagt:

«Für das nachmittägliche Betreuungsangebot in Uzwil gibt es nur vereinzelte Anfragen.»

In Niederuzwil hingegen erhalte man viele Anmeldungen für die Nachmittagsbetreuung, der Standort sei stark gewachsen. So werden dort jeweils zwischen 6 bis 13 Kinder gehütet. Über die Gründe für diese Schwankungen kann Hilb nur Mutmassungen anstellen. An allen drei Standorten weniger stark nachgefragt seien die Betreuung zwischen 6.30 und 8 Uhr und während der Ferien. Der Mittagstisch, der bereits seit zehn Jahren existiert, behauptet sich nach wie vor: in Niederuzwil besuchen ihn 15 bis 24 Kinder, in Uzwil 7 bis 14 und in Henau 4 bis 12.

Ein neues Angebot braucht seine Zeit

Hilb ist trotz dieser Zahlen zuversichtlich, dass sich das schulergänzende Betreuungsangebot längerfristig etablieren wird. «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage wächst, weil wir sehen, dass der Bedarf von Seiten der Eltern da ist und sie froh um das Angebot sind», sagt Hilb. Ein neues Angebot brauche aber seine Zeit, bis es bekannt sei. Viel laufe auch über Mund-zu- Mund-Propaganda.

«Es ist nicht unser Ziel, möglichst viele Kinder zu betreuen, sondern eine gute Betreuung für diejenigen anzubieten, die sie brauchen.»

Das Pilotprojekt ist wie jenes in Zuzwil auf drei Jahre ausgelegt, danach wird es ausgewertet. Das Oberuzwiler Projekt läuft vorerst bis Ende 2021.

Hinweis: Infoabend in Oberuzwil am Donnerstag, 27. Februar, 19.30 Uhr, Singsaal Oberstufenzentrum; in Zuzwil am Dienstag, 3. März, 19.30 Uhr, Aula Züberwangen.

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