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OBERUZWIL: Paradies zwischen Christbäumen

Seit Peter Trunz vom Jägerhof in seinen Christbaumkulturen nur noch ganz wenig Chemie einsetzt und den Unterwuchs nicht mehr mäht, gedeiht zwischen den Tännchen eine erstaunliche Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren.
Urs Bänziger
Vor lauter Blumen und Kräutern kaum zu sehen: Peter Trunz zeigt eines der Tännchen, welche er vor zwei Jahren gesetzt hat. (Bild: Urs Bänziger)

Vor lauter Blumen und Kräutern kaum zu sehen: Peter Trunz zeigt eines der Tännchen, welche er vor zwei Jahren gesetzt hat. (Bild: Urs Bänziger)

OBERUZWIL. Die Mohnblumen an der Strasse zwischen Oberuzwil und Schwarzenbach sind eine Augenweide. Doch beim genauen Hinschauen entpuppt sich das Mohnfeld als eine Christbaumkultur. Unter der Blumenpracht gedeihen auf einer Fläche von rund anderthalb Hektaren junge Tannenbäume. Der Unterwuchs ist so hoch, dass er die Tännchen überdeckt. Auch Peter Trunz vom Jägerhof freut sich über den Anblick. «Meine Christbaumkulturen sind ein kleines Naturparadies», sagt der Landwirt und Gartenbauer stolz.

Pflege zu aufwendig

Früher hat ihn ein solch wilder Unterwuchs gestört. «Da bei unseren Christbaumkulturen die Topographie wegen der vielen Böschungen eine grosse Rolle spielt, hatten wir Herbizid gespritzt oder von Hand gemäht.» Mit sechs Hektaren Weihnachtsbäumen sei aber die Arbeit nicht zu bewältigen gewesen. «Herbizid spritzen wollte ich nicht mehr», sagt Trunz. So hat er sich entschieden, die Wiesen zwischen den Tannenbäumen wachsen, verblühen und verdorren zu lassen. «Nur sehr unliebsame Unkräuter wie Brombeeren, stark wuchernde Gräser, Klebern und Winden werden in unseren Kulturen noch gezielt mit Herbizid oder Einzelstockbehandlung bekämpft.» Am Anfang habe es ihn Überwindung gekostet, alles einfach so wachsen zu lassen, sagt der Jägerhof-Landwirt. Als er jedoch sah, welche Artenvielfalt sich in seinen Christbaumkulturen entwickelte, wich die Skepsis der Überzeugung. «Die Weihnachtsbaumflächen bieten extrem viel Lebensraum für Pflanzen und Tiere.»

100 verschiedene Pflanzenarten

Das Ökoberatungsbüro Zingg hat die Artenvielfalt in den Christbaumkulturen der Familie Trunz erfasst. «Biologe Andy Wyss hat annähernd hundert verschiedene und zum Teil sehr seltene Pflanzenarten festgestellt. Auch die Tierwelt fühlt sich in unseren Kulturen sehr wohl, hat der Biologe doch 27 Vogelarten, 16 verschiedene Schmetterlinge, diverse Heuschrecken- und Libellenarten sowie viele verschiedene Insekten gezählt», sagt Trunz. «Diese Vielfalt ist ganz offensichtlich auf unsere spezielle Bewirtschaftungsweise zurückzuführen.»

Im Herbst und im Winter laufen Peter Trunz und seine Mitarbeiter durch die Weihnachtsbaumfelder und trampeln mit ihren Füssen den Unterwuchs zu Boden. «Im Juni und Juli, wenn alles blüht, haben die Bienen, Vögel und Insekten reichlich Nahrung. Sterben die Pflanzen dann gegen den Spätsommer ab, so liefern sie unseren Tannenbäumen reichlich Energie. Mit dem Runtertrampeln werden die Christbäume frei und fit gemacht für die nächste Saison. Und auch für mich und meine Mitarbeiter ist das Trampeln Fitnessprogramm», sagt Trunz mit einem Lächeln.

Unterschlupf und Nistplatz

Die zu Boden getrampelten Pflanzen bilden eine Art Mulchschicht, in der nicht nur die Tannenbäumchen gedeihen, sondern Tiere auch einen Unterschlupf oder Nistplatz finden. Beim Rundgang durch die Kulturen zeigt der Landwirt auf einen schlafenden Igel, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, obwohl die Menschen ihm sehr nahe kommen. In einem anderen Feld haben Dachse ihren Bau angelegt. Für den Jägerhof sind die Christbaumkulturen seit 20 Jahren ein wichtiger Betriebszweig. «Ich bin froh, einen Weg gefunden zu haben, um mit wenig Arbeitsaufwand und sehr wenig Chemie naturnah Weihnachtsbäume zu produzieren», sagt Peter Trunz.

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