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OBERUZWIL: Nach Einbruch in Bijouterie: «Pfosten halten Einbrecher nicht ab»

Die Bijouterie Schär will sich mit Pfosten vor dem Eingang gegen Rammbock-Einbrecher schützen. Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst weiss von viel effektiveren Massnahmen.
Angelina Donati
Sicherheitspoller sind für Einbrecher kein Hindernis, wie dieses Beispiel zeigt. Mit einer Gerüststange überwinden sie den Abstand bis zur Tür. (Bild: Int. Juwelier-Warndienst)

Sicherheitspoller sind für Einbrecher kein Hindernis, wie dieses Beispiel zeigt. Mit einer Gerüststange überwinden sie den Abstand bis zur Tür. (Bild: Int. Juwelier-Warndienst)

Für den Experten aus Deutschland ist «vollkommen unverständlich», weshalb ein Versicherer immer noch auf Pfosten und Pollern vor der Eingangstüre als Schutz setzt. «Pfosten halten Einbrecher nicht ab», sagt Martin Winckel vom Internationalen Juwelier-Warndienst. Seit 40 Jahren setzt er sich für die Prävention von Kriminaltaten in der Schmuck- und Uhrenbranche ein. Der Warndienst habe im Laufe der Jahre der Polizei in vielen Fällen entscheidende Hinweise zur Aufklärung von Straftaten geben können.

Martin Winckel, Int.Juwelier-Warndienst (Bild: pd)

Martin Winckel, Int.Juwelier-Warndienst (Bild: pd)

Natürlich ist Winckel auch der «PKW-Blitz-Einbruch», wie er ihn nennt, vom vergangenen Samstag in der Bijouterie Schär in Oberuzwil nicht entgangen. Dass die Uhren- und Schmuckwertstatt nun mit Pfosten vor dem Eingang ausgestattet werden soll, findet Martin Winckel, der selber ein Juweliergeschäft besitzt, nicht die beste Lösung. «Es gibt genug Beispiele, wo trotz Schutz mit Sicherheitspollern Einbrüche möglich waren. Diese verursachten ausserdem zum Teil einen sehr hohen Schaden.» Diese Massnahme habe nur kurze Zeit tatsächlich gewirkt, bis die Täter auch dagegen ein Mittel gefunden hatten. «Heute verwenden sie einfach einen Holzbalken, eine Gerüststange oder einen Müllcontainer, um den Abstand bis zur Tür zu überwinden. Diese Begehungsweise ist schon seit mehr als zehn Jahren bekannt.»

Den Eingang will die Bijouterie Schär in Oberuzwil mit Sicherheitspfosten aufrüsten. (Bild: Angelina Donati)

Den Eingang will die Bijouterie Schär in Oberuzwil mit Sicherheitspfosten aufrüsten. (Bild: Angelina Donati)

Nachts die Ware im Tresor aufbewahren

Dann doch lieber in eine noch sichere Eingangskonstruktion aus Stahl und Sicherheitslaminatglas investieren. Damit Täter überhaupt erst gar nicht einbrechen, sei eine effektive Methode, ihnen den Anreiz zu nehmen. «Nachts sollte man möglichst wenig Gegenstände in den Schaufenstern und Innenvitrinen präsentieren, und sie im Tresor aufbewahren», empfiehlt er. Das Ein- und Ausräumen in den Tresor generiere zwar einen Mehraufwand, sei aber auch versicherungstechnisch interessant. Eine offene Aufbewahrung generiere die höchste Versicherungssumme.

«Täter wissen genau, wonach sie suchen. Sie stehlen auf Bestellung. Bereits im Vorfeld ist abgemacht, wie sie die Ware absetzen können.» Eine solche Tat sei minutiös geplant. Um die örtliche Polizei auf eine falsche Fährte zu locken, sei es bei den Profis gang und gäbe, dass sie die Ordnungshüter kurz vor dem Einbruch kontaktieren: «Sie melden einen Verkehrsunfall oder Trunkenheit am Steuer», erzählt Winckel. «Das ist längst nichts Besonderes mehr.»

Selbst wenn sich die Täter Zutritt in einen Laden mit leerem Schaufenstern verschaffen sollten, würden sie ratlos vor dem Tresor zurückbleiben. «Sie können ihn weder knacken noch abtransportieren», sagt Winckel. Wer auf einen elektronischen Bilderrahmen im Schaufenster setzte, schaffe so auch einen attraktiven Mehrwert für potenzielle Kunden. Das Schaufenster-Shopping in der Nacht habe heutzutage aber ohnehin merklich abgenommen, weiss Martin Winckel.

Den Tätern die Sicht verschleiern

Als die effektivste aller Massnahmen bezeichnet der Experte einen Sicherheitsnebel. Sobald der Alarm ausgelöst wird, verbreitet sich im Ladenlokal innert Sekunden ein dichter Nebel. «Die Sicht wird völlig versperrt, was äusserst unangenehm ist.» Ganz nach dem Motto «was man nicht sieht, kann man nicht stehlen», suchen die Täter das Weite. Wie Videos eindrücklich zeigen, müssen sich die Einbrecher zudem beeilen, um rechzeitig nach draussen zu gelangen. «Der Nebel ist geruchslos und rückstandsfrei», erläutert Winckel. «Und bedeutend günstiger als andere Sicherheitsmassnahmen.» Damit Anwohner der oberen Stockwerke beim Erblicken des Rauches nicht in Panik geraten, werde der Sicherheitsnebel auch mit Pfefferminzgeschmack hergestellt. «So wissen sie, dass es sich um die Schutzmassnahme des Juweliergeschäftes handelt und nicht etwa um ein ausgebrochenes Feuer.»

Brutalität hat zugenommen

Bei all diesen Schutzmassnahmen dürfe aber eines nicht ausser Acht gelassen werden: «Je besser ein Geschäft geschützt ist, desto gefährlicher wird es für den Schlüsselträger.» Natürlich gebe es aber auch für den Menschen haufenweise Schutzmassnahmen. «Die Schmuckbranche war schon immer die Gefährlichste. Denn es geht um Gegenstände, die einen hohen Wert haben, aber klein sind, und sich deshalb leicht transportieren lassen.»

Die Zahl der Einbrüche gehe zwar zurück, zugenommen habe hingegen die Brutalität. Laut Winckel ist diese Entwicklung nicht auf die verbesserte Sicherung der Ladenlokale zurückzuführen. «Das hat einzig damit zu tun, woher die Täter stammen», erklärt er. In Ländern, wo Eltern Gewalt an ihren Kindern ausübten und auch unter den Jugendlichen stets Machtkämpfe untereinander ausgetragen wurden, gelte eben auch heute noch «der Stärkere ist der König». Vereinzelt sei es schon vorgekommen, dass Juweliere, die mit einer Waffe bedroht wurden, den Täter erschossen haben. Eine Massnahme, die ebenfalls eine effektive Wirkung hat: «Für lange Zeit passierten dort und in der Umgebung keine weiteren Einbrüche und Überfälle mehr.»

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