OBERUZWIL: Krieg – ein Milliardengeschäft

Nahost-Experte Erich Gysling gewährte am ersten ökumenischen Bildungsabend in Oberuzwil Einblick in die Gedankenwelt der Menschen in den islamischen Ländern, sprach über Kriege und den Einfluss des Westens.

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Der aus den Medien bekannte Journalist Erich Gysling gab anhand verschiedener Grafiken einen spannenden Einblick in die Gedankenwelt in den islamischen Ländern mit besonderer Gewichtung des Nahen Ostens. «Ist die islamische Religion gewalttätig?» Diese Frage treibt viele Menschen um, genauso wie die nach der Kompatibilität von Islam und Demokratie. Bei Juden und Christen soll laut dem Koran nicht missioniert werden. Und doch hat der Islam einen globalen Anspruch. Der Dialog mit Moslems verläuft deshalb meist asymmetrisch, auch weil für sie der Koran vollständig als heilig überliefert gilt.

Darin gibt es, dies ging aus dem Referat Gyslings hervor, unzählige Widersprüche, die zu Zwisten unter den Geistlichen führen.

Vertrauen in die Regierungen verloren

Vom 6. bis zum 13. Jahrhundert gab es in der islamischen Welt eine rege Diskussionskultur. Doch dann wurde es der Geistlichkeit zu bunt. «Das Tor zur Diskussion ist geschlossen», verkündeten sie in einer Fatwa. Seither hat es einen Stillstand gegeben. Der Arabische Frühling brachte Hoffnung, diese hat sich jedoch wieder zerschlagen und vieles ist schlimmer geworden als zuvor. Der Bruderzwist zwischen Sunniten und Schiiten ist jedoch vor allem politisch motiviert, denn ihre Religion ist fast deckungsgleich. Viele Menschen haben das Vertrauen in ihre Regierungen verloren. Im Irak wurden circa zwei Millionen Menschen nach dem Sturz von Saddam Hussein aus den Ämtern entfernt und sie verarmten. In diese Lücke traten, so Erich Gysling, sehr geschickt Fundamentalisten wie Al-Kaida, der IS oder –in Ägypten – die Muslimbrüder. Und weil der IS jetzt immer mehr an Land verliert, hat er seinen Kampf gegen die Ungläubigen auf die ganze Welt ausgedehnt.

70 Prozent der Iranerinnen studieren

Im Syrienkrieg wird besonders deutlich, dass im Hintergrund die Weltmächte USA, China und oft auch Russland mitmischen. Würde der Westen nicht in grossem Stil Waffen in diese Gegend verkaufen, wäre nach Gysling der Krieg bestimmt bald zu Ende. Doch eben noch hat Donald Trump mit den Saudis ein 110-Miliarden-Geschäft über drei Jahre abgeschlossen. Und sogar die schweizerische Ruag baut in der Region eine Waffenschmiede auf. Die Opposition ihrerseits ist zerstritten, grossenteils erzkonservativ und deshalb zu einem gemeinsamen Nenner unfähig. Deshalb bleibt Assad das kleinere Übel. Die Flüchtlingstragödie hat riesige Ausmasse angenommen. In den umliegenden Ländern sind viele hunderttausend Flüchtlinge untergekommen, in den Westen gelangen verhältnismässig wenige.

Etwas hoffnungsvoll stimmt Gysling, dass sich die Bildung in vielen Ländern stark verbessert hat. Im Iran etwa sind heute 70 Prozent der Frauen an den Universitäten. Doch leider wird noch immer vor allem Auswendiglernen und nicht selbständiges Denken forciert. Deshalb sind diese Staaten heute auch in der technischen Entwicklung im Rückstand.

Annelies Seelhofer

redaktion@wilerzeitung.ch