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OBERUZWIL: Kinder fluten Baustelle

Vandalen waren es nicht, die gestern die Baugrube auf der Schulanlage Breiti unter Wasser gesetzt haben. Schüler haben, unter künstlerischer Anleitung und mit Folie, eine Lagunenstadt auf Zeit geschaffen.
Andrea Häusler
Der St. Galler Künstler Roman Rutishauser begleitet die Schülerinnen und Schüler musikalisch in die Baugrube, die symbolisch zur Lagunenstadt Venedig gewandelt wird. (Bild: Andrea Häusler)

Der St. Galler Künstler Roman Rutishauser begleitet die Schülerinnen und Schüler musikalisch in die Baugrube, die symbolisch zur Lagunenstadt Venedig gewandelt wird. (Bild: Andrea Häusler)

Die Idee ist verrückt. Oder eben genial. Zweifelsfrei aber so unkonventionell, dass sie selbst den kritischsten Skeptiker staunen lässt. Die Inspiration zum halbstündigen Schülerprojekt fand Roman Rutishauser spontan an der Baukomissionssitzung vom Mittwoch. Der St. Galler Künstler, Musiker und Pädagoge ist, als «Artist in Construction», mit der Umsetzung des Raumschaffungsprojekts beauftragt, welches den Fortschritt der Bauarbeiten auf der Schulanlage Breite begleitet. Denn der Anbau soll nicht nur als Gebäude eine Form annehmen, sondern gleichzeitig in allen Beteiligten – vorab den Lernenden und Lehrpersonen – eine persönliche, innere Raumentwicklung anregen.

«Ein Bauvorhaben und das Leben mit und auf einer Baustelle bringen nicht nur Herausforderungen, sondern auch faszinierende Chancen für alle Beteiligten, das Denken, Lernen und Wahrnehmen zu erweitern», begründet Gallus Rieger, Leiter Volksschule, den Sinn und Wert des Begleitkonzepts. Angeregt durch den äusseren Baufortschritt soll die Sensibilität für «innere Baustellen» geweckt werden. Die Aktion «Oberuzwil-Venedig» ist eine von mehreren, die Roman Rutishauser bis zur Eröffnung des Neubaus im Sommer 2019 planen und durchführen wird.

Reissende Meereswogen an der «Hauptprobe»

Wie auf Stelzen erhebt sich der unterhöhlte und unterfangene Altbau aus der Baugrube. Im lehmigen Boden haben sich vereinzelte Wasserlachen gebildet. «Die Situation hat mich an Venedig, an die ins Meer gebauten Häuser erinnert und mir aufgezeigt, dass ein Fundament auch anders interpretiert werden kann», sagt Roman Rutishauser. Auf der Baustelle stehen jetzt, um neun Uhr, die Maschinen still: Znüni-Pause. Umso lebhafter geht es zwischen dem Baucontainer und dem für die Bauzeit fix positionierten alten Piano zu. Malerplastikfolien werden verteilt und sorgsam ausgebreitet. Zunächst will der «Event» geprobt werden. Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse von Jolanda Covini und die Fünftklässler von Simone Barner heben die raschelnde Folie auf, spannen und bewegen sie auf und ab. «Spürt ihr die Wogen des Meeres, seht ihr das Licht, das sich im ‹Wasser› spiegelt?» Die Gesichter der Kinder sind angespannt: kein Geschwätz, kein Gelächter. Dann reisst der Plastik ein. Erst an einer, dann an mehreren Stellen. Gefühlvoller soll das «Wasser» in Bewegung versetzt werden, fordert Rutishauser. Für die Kinder eine Herausforderung.

Dann wird es ernst. Schräge Klavierklänge begleitet die gestiefelte Kindergruppe hinunter in die Baugrube. Was auf dem Pausenplatz geübt worden war, wird jetzt in Szene gesetzt. Zwischen Betonstützen, Erdhaufen und Baumaschinen bewegen sich, gehalten von Kinderhänden, wellenartig die Plastikfolien. Dann ändert die Musik: Antonio Vivaldis «Vier Jahreszeiten» beschallen das Bauareal. Im Takt wogt weiss das «Meer».

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