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OBERUZWIL: Jugendliche im Platanenhof als Schläger abgestempelt - Sozialpädagogin kämpft gegen Vorurteile

Gegenüber den Jugendlichen im kantonalen Jugendheim Platanenhof bestehen seit jeher Vorurteile. Genau diese wollte die angehende Sozialpädagogin Corinne Keller in ihrer Abschlussarbeit abbauen. Vom Ergebnis ist sie überrascht.
Angelina Donati
Wirkt wie ein Gefängnis, ist aber ein Jugendheim: Der Platanenhof in Oberuzwil. (Bild: Urs Bucher)

Wirkt wie ein Gefängnis, ist aber ein Jugendheim: Der Platanenhof in Oberuzwil. (Bild: Urs Bucher)

Mit dem Kantonalen Jugendheim Platanenhof in Oberuzwil sind Unsicherheiten und Misstrauen verbunden. Die Jugendlichen werden argwöhnisch beäugt. Das weiss Corinne Keller aus Gesprächen mit Anwohnern nur zu gut. Die 37-Jährige ist in Uzwil aufgewachsen, wohnt heute in Oberuzwil und absolviert im Platanenhof eine Ausbildung zur Sozialpädagogin. "Dass hier mehrheitlich zivilrechtlich eingewiesene Jugendliche leben, wissen viele nicht." Ein guter Grund für die angehende Sozialpädagogin, um den Vorurteilen, die gegenüber den Jugendlichen bestehen, aktiv entgegenzuwirken.

So entstand die Idee, das Thema in Form einer Öffentlichkeitsarbeit für ihre Abschlussarbeit aufzuarbeiten. Im März reicht sie diese ein. "Ich wollte erfahren, wie die Jugend von Oberuzwil über die Institution Platanenhof und die dort lebenden Jugendlichen denkt." Mit den Schülern der 1. Realklasse des OZ Oberuzwil fand sie die Probanden für das Projekt.

Gemeinsame Interessen gefunden

Wie bereits die Erwachsenen aus der Nachbarschaft, hatten die 13 Schüler negative Vorbehalte gegenüber den Heimjugendlichen. "Das sind Verbrecher und Schlägertypen", "alles nur Kriminelle", beschrieben sie die Gleichaltrigen. Auch waren sie der Ansicht, dass man etwas Verbotenes gemacht haben muss, um im "Planti" eingewiesen zu werden. In Erläuterungen Corinne Kellers erfuhren sie, dass es sich um Jugendliche mit einer schwierigen Vergangenheit handelt, die wiederholt Konflikte mit Schule, Eltern oder Kollegen hatten. Und dass zwischen einer geschlossenen Abteilung und einer offen geführten Wohngruppe unterschieden wird. Im offenen Bereich, in dem auch die angehende Sozialpädagogin tätig ist, leben ausschliesslich Knaben. Der geschlossene Bereich versteht sich als gemischte Unterkunft. Hier bleiben die jungen Menschen maximal drei Monate lang, ehe alle Abklärungen gemacht wurden und der weitere Verlauf bestimmt ist.

In einem nächsten Schritt befragte Corinne Keller Heimjugendliche, wie sie aus ihrer Sicht von der Bevölkerung wahrgenommen werden. Erfreulicherweise hätten sich gleich mehrere Probanden freiwillig für die Mitarbeit des Projekts gemeldet. Alle gaben an, dass sie als asozial und kriminell eingestuft werden. "Nur ein Jugendlicher sagte, dass er ausserhalb des Heims soziale Kontakte pflegt."

Um erste Barrieren abzubauen, besuchten fünf Jugendliche des Platanenhofs die Klasse mit Corinne Keller. Zuerst wurden die Institution, deren Auftrag sowie das Jugendstrafrecht erläutert. Danach hatten die Schüler die Möglichkeit, den Jugendlichen aus dem Heim direkt Fragen zu stellen. "Was rege genutzt wurde", erzählt Corinne Keller. "Geduldig beantworteten sie Fragen zur Tagesstruktur, Regeln sowie Einweisungsgründen." Nach und nach stellten die Gleichaltrigen fest, dass sie Gemeinsamkeiten haben, etwa den gleichen Musikgeschmack oder dieselben kulturellen Hintergründe. Schliesslich äusserte die Schulklasse den Wunsch, den "Planti" besichtigen zu dürfen.

Abbau der Vorurteile geglückt

Der Besuch war der Höhepunkt schlechthin für alle Beteiligten. Vom Ergebnis ist Corinne Keller gleichzeitig hoch erfreut und überrascht. So gab es in der drauffolgenden Rückmeldung der Schüler des OZ Oberuzwil keine einzige negative Stimme. Alle fanden nur wertschätzende Worte: "Ich finde, die Jungs waren sehr nett, anständig und auch lustig", "Für mich kamen sie wie normale Jugendliche rüber", "Zuerst dachte ich, der Platanenhof ist ähnlich wie ein Gefängnis, aber als ich dort war, war es sehr schön."

Dass die Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber den Heimjugendlichen wohl immer irgendwie bleiben, ist sich Corinne Keller bewusst. "Mitarbeitende des Platanenhofs werden jedoch auch künftig versuchen, diesem Thema Achtung zu schenken."

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