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OBERUZWIL: Gewappnet für jeden Fall

Derzeit verpasst Badmeister Hans Salzmann dem Freibad im Ghürst den letzten Schliff. Am Mittwoch, 9. Mai öffnet der Betrieb seine Türen. Der Badmeister zu den Vorbereitungen, kuriosen Situationen und den kürzesten Badebesuch.
Angelina Donati
Aus Grün wird Weiss: Badmeister Hans Salzmann reinigt den Boden des Schwimmbeckens. (Bilder: Angelina Donati)

Aus Grün wird Weiss: Badmeister Hans Salzmann reinigt den Boden des Schwimmbeckens. (Bilder: Angelina Donati)

Die Badi im Ghürst ist menschenleer. In wenigen Tagen schon wird hier aber wieder «die Post» abgehen. Nur Geräusche einer Reinigungsmaschine sind an diesem Morgen auszumachen. Während die kleineren Becken noch voller Algen sind und das Wasser grün schimmert, schreiten die Arbeiten im Grössten der fünf Becken wacker voran. Eingekleidet mit Überzug und Gummistiefel, ist hier Badmeister Hans Salzmann mit Hochdruck am Werk. Wortwörtlich. Den arg verschmutzten Boden bringt er mit einem Hochdruckreiniger zum Glänzen. Rund 30 Stunden wird es danach dauern, bis dieses Becken mit frischem Wasser gefüllt ist. Ohnehin hat er nun alle Hände voll zu tun. Seit Anfang April ist er mit den Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Schliesslich soll die Badi pünktlich am Mittwoch, 9. Mai öffnen.

Den Eröffnungstag beschreibt Hans Salzmann als Höhepunkt der Saison. «Die Freude auf die Leute ist riesig», sagt der 49-Jährige. Weil sich der Betrieb des Freibades auf vier Monate beschränkt und die Türen die restlichen acht Monate verschlossen bleiben, seien die Begegnungen mit den Badegästen eben ganz besonders. «Grundsätzlich aber unterscheidet sich die Klientel eines Freibades von jenem des Hallenbades», sagt Salzmann. «Im Freibad sind die Leute gut gelaunt, geniessen die Sonne und wollen entspannen. Im Hallenbad dagegen ziehen auch gefrustete Geschäftsmänner ihre Längen, die ihren angestauten Ärger an anderen auslassen.» Salzmann, der seinen Beruf seit 29 Jahren ausübt und einen Grossteil davon in Hallenbädern gearbeitet hat, kann sich ein Zurück in die vier Wände nicht mehr vorstellen. «Mich zieht es nach draussen, in die Natur», sagt der gelernte Zimmermann und Bauschreiner.

Drei Regeln gebrochen innert drei Minuten

Das Freibad im Ghürst sei «sein Baby», schwärmt Salzmann. Es ist die zwölfte Saison, die er nun hier bestreitet. Hier könne er wirken, sich entwickeln und verwirklichen. Die lange Erfahrung, die Salzmann mitbringt, ist es, die ihm bei seinen täglichen Herausforderungen zugutekommt. Sei es bei den vielseitigen Tätigkeiten, bei denen er handwerkliches Geschick und technisches Wissen besitzen muss, oder beim Umgang mit Menschen verschiedenster Altersgruppen. Obschon auch hier in der vergleichsweise kleineren Badi zu Spitzenzeiten bis zu 1500 Gäste zugegen sind, strahle das Freibad in Oberuzwil ein ganz spezielles Flair aus. «Es ist sozusagen ein Familienbad.» Ein Ort, wo sich die Mütter ihren Kindern annehmen und nicht etwa im Badmeister ein «Kindermeitli» sehen, wie Salzmann sagt. Er ist froh, dass sich bislang nie einschneidende Ereignisse zugetragen hätten.

So schön und locker die Begegnungen sind, manchmal muss Salzmann auch eingreifen, oder gar durchgreifen. Und das, trotz der Baderegeln, die auf Tafeln festgehalten sind und allen geläufig sein sollten. «Es gibt halt immer mal Jugendliche, die Radau machen.» Salzmann, mit seinen Adleraugen sieht sie aber alle, ermahnt sie oder befördert sie nach draussen. «Bei mir herrscht ein hartes Regime», sagt er und fügt hinzu: «Zu 99 Prozent bin ich aber die Ruhe selbst.» Richtig schräg schaute der Badmeister einst, als ein etwa 20-jähriger Mann der Badi einen Besuch abstattete: Schnurstraks zog dieser seine Kleider aus, hüpfte in Badehose gekleidet über den Zaun und glitt die Rutschbahn stehend hinunter. Damit hatte er gleich drei Regeln gebrochen und musste die Badi auf Anordnung des Badmeisters ohne Umschweife wieder verlassen. «Drei Minuten war er hier. Das war wohl der kürzeste Aufenthalt überhaupt.»

Was ist eigentlich das «Grusigste», das der Badmeister jemals aus dem Wasser fischen musste? «Was bedeutet schon grusig?», entgegnet dieser. Zusammen mit einem Kollegen habe er eine Zeit lang Wohnungen von Verstorbenen und von Menschen mit Messie-Syndrom entrümpelt und gereinigt. «Ich habe schon vieles gesehen.» Nicht «grusig», sondern etwas kurios war, als er einen Igel und ein anderes Mal eine Maus auf dem Beckenboden entdeckte, beide tot. Viel «grusiger» seien aber ohnehin Gäste, die den Gang zur Dusche vor dem Sprung ins kühle Nass einfach auslassen würden. Natürlich aber winkt Salzmann auch sie zu sich und weist sie auf die Hygieneregeln hin. Freundlich, aber mit Nachdruck. Schliesslich ist er mit allen Wassern gewaschen.

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