Oberuzwil: Gemeinde will Steuern senken und Tagesstrukturen aufbauen

Die Oberuzwiler entscheiden an der Bürgerversammlung im März über eine Steuerfusssenkung und über den Aufbau von schulergänzenden Tagesstrukturen.

Tobias Söldi
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Im demnächst fertig sanierten Haus 1 der Primarschule Oberuzwil sollen die Tagesstrukturen untergebracht werden.

Im demnächst fertig sanierten Haus 1 der Primarschule Oberuzwil sollen die Tagesstrukturen untergebracht werden.

Bild: Tobias Söldi

«Solid», «positiv», «erfreulich» – Oberuzwils Gemeindepräsident Cornel Egger gibt sich an der Medienkonferenz zur Finanzsituation der Gemeinde verhalten optimistisch. Uneingeschränkt erfreut dürften hingegen die Einwohnerinnen und Einwohner sein: Für dieses Jahr unterbreitet ihnen der Gemeinderat eine Steuerfussreduktion um vier Prozentpunkte. Stimmen sie an der Bürgerversammlung am 31. März dem Antrag zu, kommt der Steuerfuss auf 125 Prozent zu liegen. Egger:

«Natürlich könnten wir den Steuerfuss noch weiter senken. Wir wollen die Infrastruktur in der Gemeinde aber weiterhin wie gewohnt unterhalten können.»
Cornel Egger, Gemeindepräsident Oberuzwil

Cornel Egger, Gemeindepräsident Oberuzwil

Die Steuerfussreduktion möglich macht ein positives Ergebnis: Die Jahresrechnung 2019 schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 3,3 Millionen Franken ab – was 3,7 Millionen Franken besser als budgetiert ist. Hauptgrund für den Überschuss ist die Auflösung von nicht mehr benötigten Abgrenzungen in der Höhe von 1,5 Millionen Franken. Zudem verzeichnet die Gemeinde 800000 Franken Gewinne durch Liegenschaftsverkäufe.

Ertragsüberschuss entlastet Budget 2020

Den Ertragsüberschuss will der Oberuzwiler Gemeinderat vollumfänglich der Ausgleichsreserve statt dem freien Eigenkapital zuführen – letzteres verbleibt damit bei 7,1 Millionen Franken. Egger erklärt: Die Einlage entlaste das Budget 2020 und finanziere die Steuerfussreduktion. 1,8 Millionen Franken des Ertragsüberschusses sind für die Steuerfussreduktion vorgesehen, die restlichen 1,5 Millionen dienen der Vorfinanzierung für ausserordentliche Aufwendungen 2020.

Ein Steuerfuss von 125 Prozent führt allerdings auch zu Fehlbeträgen im Finanzplan. So sieht das Budget 2020 bei einen Aufwand von 35,9 Millionen Franken und einem Ertrag von 35,3 Millionen Franken ein Defizit von 661250 Franken vor. Dieses und die für die folgenden Jahre prognostizierten Defizite können aber mit dem Eigenkapital der Gemeinde gedeckt werden. Am Ende der Planungsperiode 2021-2024 würde so ein kleines Eigenkapital von 1,1 Millionen Franken verbleiben.

Das Investitionsbudget für das Jahr 2020 beläuft sich auf 5384000 Franken. Die grössten Posten stellen dabei Bildung und Verkehr dar. So will die Gemeinde rund 2,7 Millionen Franken für die Sanierung des Kindergartens an der Schulstrasse und des Primarschulhauses einsetzen. 1,4 Millionen Franken fallen für Staatsstrassenprojekte an. Für die Sanierung des Sägeweihers sieht die Gemeinde 750000 Franken vor.

Aufbau von Tagesstrukturen

Urteilen muss die Bürgerschaft an der Versammlung am 31.März auch über das Gutachten zu den geplanten schulergänzenden Tagesstrukturen in Oberuzwil. Die gesellschaftlichen Entwicklungen verlangten vermehrt nach ganztätigen Bildungs- und Betreuungsangeboten, so Egger. «Und unsere Absicht ist es, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein.» Gallus Rieger, Leiter Volksschule sowie Leiter des Projektteams, bestätigt:

«Leute, die nach Oberuzwil ziehen wollen, erkundigen sich oft nach den Betreuungsmöglichkeiten.»
Gallus Rieger, Leiter Volksschule

Gallus Rieger, Leiter Volksschule

Auch eine Umfrage in der Gemeinde im vergangenen Jahr habe ein entsprechendes Bedürfnis aufgezeigt.

So sollen ab 19.Oktober auch in Oberuzwil Kinder an fünf Tagen der Woche von 7 bis 18 Uhr in schulergänzenden Tagesstrukturen betreut werden. Das Konzept sieht vor, das Angebot auf dem Areal der Primarschule Breite im Untergeschoss des dann sanierten Hauses 1 unterzubringen. Der bestehende Mittagstisch soll in die Tagesstrukturen integriert werden und von der alten Gerbi in die Primarschule umziehen. Die Gemeinde rechnet mit Betreuungsplätzen für 15 bis 20 Kinder, was mit Fixkosten von 260000 Franken pro Jahr einhergeht. Abzüglich der Elternbeiträge geht die Gemeinde von einem Aufwand von 130000 Franken aus. Die Tarife für die Eltern sind dabei einkommensabhängig.

Hinweis: Bürgerversammlung: 31. März, Mehrzweckhalle Breite, 20 Uhr.