OBERUZWIL: Gegen Neubau auf Alter Gerbi

Die vielseitig genutzte Alte Gerbi soll nicht abgerissen, sondern in die Zentrumsgestaltung integriert werden. Das fordert der Stiftungsrat. Er wendet sich gegen eine Neuüberbauung auf dem Areal.

Philipp Stutz
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Walter Dobler: «Wir möchten den Erhalt der Alten Gerbi dem Gemeinderat nochmals in Erinnerung rufen.» (Bild: Philipp Stutz)

Walter Dobler: «Wir möchten den Erhalt der Alten Gerbi dem Gemeinderat nochmals in Erinnerung rufen.» (Bild: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

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@wilerzeitung.ch

Zurzeit fahren vor dem Areal Baumaschinen auf – der Abgrund der künftigen Tiefgarage reicht bis an die Mauern der Alten Gerbi. Das Zentrum Oberuzwils verändert sich durch die Überbauung markant. Neben dem Neubau der Clientis-Bank samt Tiefgarage hat sich ein Investor gefunden, der ein Mehrfamilienhaus an der Tafelackerstrasse erstellen will.

Mittelfristig ist eine Überbauung vorgesehen

Die Zugänge zur Alten Gerbi sind zurzeit beschränkt und eingeengt. Der Stiftungsrat macht sich Sorgen. Muss die Alte Gerbi – die Liegenschaft gehört der Politischen Gemeinde Oberuz­wil – ebenfalls der Zentrumsüberbauung weichen?

«Der Gemeinderat hat die Absicht, das Gebäude in der nahen Zukunft, das heisst in den nächsten fünf bis zehn Jahren, noch in der jetzigen Form zu belassen», sagt Walter Dobler, Mitglied des Stiftungsrats. Doch mittelfristig steht eine Überbauung des Areals zur Diskussion. Daher ist der Stiftungsrat beim Gemeinderat vorstellig geworden. «Unsere Vision besteht darin, das Gebäude längerfristig zu erhalten und in die Zentrumsgestaltung zu integrieren», sagt Walter Dobler und fragt sich: «Weshalb nicht einer nächsten Generation die Möglichkeit geben, das Gebäude nach deren Bedürfnissen zu gestalten und zu nutzen statt einem Investor zu veräussern?»

Kulturstätte, Jugendtreff und Ludothek

Es ist Jahre her, seit in Oberuzwil in grossem Stil Leder gegerbt worden ist. Heute wird der einstige Industriebau direkt an der Uze anders genutzt. Im Gebäude befinden sich die Ludothek, der Jugendtreff Mondo und ein Raum, welcher der Kulturstiftung zur Alten Gerbi Oberuzwil als Lokalität für Konzerte und Theater dient. Das Konzept mit der Dreiteilung des Gebäudes in verschiedene Nutzungsmöglichkeiten hat sich laut Walter Dobler bewährt.

«Keinesfalls ein Schandfleck»

«Das Gebäude verfügt über einen besonderen Charakter und Charme, ist teilweise baulich angepasst worden und stellt keinesfalls einen Schandfleck dar», fährt Dobler fort. Allerdings steht es nicht unter Schutz. Der Innenhof könnte nach Vollendung der Gesamtüberbauung für kulturelle Anlässe wie etwa Serenaden genutzt werden, schlägt der Stiftungsrat vor. Der Kulturraum habe sein eigenes Cachet, und die Nachfrage nach den Lokalitäten sei gross. Sie werden denn auch flexibel genutzt. Konzerte finden hier ebenso statt wie die Sängermetzgete des Männerchors Frohsinn, Fasnachtsveranstaltungen oder die Oldie-Discos. Auch die Dorf-Bühni Niederglatt will hier künftig vors Publikum treten. Zweimal im Jahr wird die Stiftung selbst aktiv und präsentiert regional und national bekannte Künstler oder Kulturgruppen. Das Lokal kann aber auch für private Veranstaltungen oder Familienfeste gemietet werden. «Die Nachfrage ist derart gross, dass wir künftig etwas zurückbuchstabieren wollen», erklärt Walter Dobler.

Die Lage im Zentrum Oberuzwils sei für einen Jugendraum ideal. Auch Jugendberaterin Karin Weber habe sich in diesem Sinne geäussert, betont Dobler und resümiert: «Eine Gemeinde in der Grösse von Oberuzwil sollte der Bevölkerung weiterhin eine solche Infrastruktur zur Verfügung stellen.»