OBERUZWIL: Feurig-sinnlicher Ferienabschluss

Die Kulturkommission der Gemeinde hat am Donnerstag zur Serenade eingeladen. Bettina Castaño tanzte Flamenco zu Kompositionen von Bach, begleitet von Fernando Gomes am Violoncello.

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Feuriger Tanz, beseelte Musik: Bettina Castaño und Fernando Gomes. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Feuriger Tanz, beseelte Musik: Bettina Castaño und Fernando Gomes. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Sie sind beliebt, die Serenaden, die in Oberuzwil jeweils zum Ende der Sommerferien durchgeführt werden. Wegen der kühl-nassen Witterung begrüsste Gemeinderat Reto Almer am Donnerstagabend die zahlreichen Gäste im Singsaal der Oberstufe. Mit Bettina Castaño und Fernando Gomes hat die Kulturkommission zwei hervorragende Persönlichkeiten eingeladen.

Aufgewachsen ist sie im Appenzellerland als Bettina Sulzer. Zu ihrem Künstlernamen Castaño kam sie, als sie während ihres Romanistikstudiums in Sevilla mit dem Flamencotanz begann. Castaño – stark wie ein Kastanienbaum, so bezeichnete ihr Lehrer Manolo Marin ihren Tanzstil. Durch den intensiven Kontakt mit anderen Flamencokünstlern erlernte sie die rhythmischen Feinheiten dieses typisch spanischen Tanzes und auch das Spiel mit dem Cajon und den Kastagnetten. Dank ihrer Musikalität und ihrer Intuition fand sie schnell zu ihrem eigenen Stil.

Heute gehört Bettina Castaño zu den bekanntesten Tänzerinnen in der Weltflamencoszene. Sie besticht mit lupenreiner Technik, Intensität und Hingabe. Die Lust auf Neues und ihre Risikobereitschaft hat sie zu Musikstilen gänzlich anderer Herkunft geführt: Asien, Orient, Appenzell oder –wie in Oberuzwil – eine Tanzperformance zur Klangwelt von Bach. Gerade ist sie von einer Südamerika-Tour zurückgekehrt, wo sie mit den Alderbuebä aufgetreten ist. Mit dem Portugiesen Fernando Gomes hat Castaño einen Musiker gefunden, der Bachs Kompositionen beseelt spielt. Er ist seit sechs Jahren erster Solocellist beim Sinfonieorchester St. Gallen. Johann Sebastian Bach bestand darauf, dass seine Suiten rhythmisch gespielt wurden. Das ist auch beim Flamenco ein Muss. Flamenco lädt ein zu sinnlichen Träumen, muss aber im Rhythmus sein – im Compás.

Ganze Bandbreite des Flamencos gezeigt

Bettina Castaño hat die ganze Bandbreite des Flamencotanzes vorgeführt. Die Spannung von den Finger- bis zu den Zehen­spitzen. Ausdrucksstark auch ihr konzentrierter Blick. In farbintensive Rüschenröcke gekleidet, liess sie ihre Umhänge durch die Luft wirbeln, schnippte mit den Fingern, klatschte, schnalzte, stampfte oder schlug mit Instrumenten den Takt. Mit stehendem Applaus dankte das Publikum den beiden für einen unvergesslichen Abend. Einen weiteren Genuss erlebten die Gäste während der Pause, als ein «spanischer» Apéro serviert wurde.

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch