OBERUZWIL: Fendant aus dem Hause Collombin

Roland Collombin war als Draufgänger bekannt. Vor 34 Jahren stattete der Skistar einer Oberuzwiler Getränkefirma einen Besuch ab und stellte sein Weinsortiment vor. Toni Kaufmann erinnert sich gerne daran.

Philipp Stutz
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Eines der Markenzeichen Toni Kaufmanns ist «SG 51». (Bild: stu)

Eines der Markenzeichen Toni Kaufmanns ist «SG 51». (Bild: stu)

 

«Er brauste mit seinem Porsche samt Walliser Kennzeichen ins Untertoggenburg und sorgte hier für einiges Aufsehen», erinnert sich Toni Kaufmann, der früher während Jahren eine Getränkehandlung geführt hat. Roland Collombin hatte zwar 1975 seinen Rücktritt bekannt gegeben, doch war sein Name auch neun Jahre später noch in aller Munde. Das erstaunt wenig. Zählte der Walliser doch zu Beginn der Siebzigerjahre zur Weltspitze in der Abfahrt und war für seine riskante Fahrweise bekannt. Er galt als Rock’n’Roller auf Skiern und hatte während seiner kurzen Karriere unter anderem zweimal die schwierigste Abfahrt der Welt auf der Streif in Kitzbühel gewonnen. Und wurde «Collombe la bombe» genannt.

Immer ein Lächeln auf den Lippen

«Er erwies sich als sympathischer Mensch, kontaktfreudig und jovial, immer mit einem Lächeln auf den Lippen», erinnert sich Toni Kaufmann. Den Kunden der Oberuzwiler Getränkefirma kredenzte Collombin, der leidlich Deutsch sprach und damals ebenfalls im Weinhandel tätig war, Tropfen aus seiner Heimat: Dôle, Humagne, Malvoisie, Johannisberg. Die Etikette eines Fendant zeigte das Konterfei des Skistars. «Leider hat die Weinqualität höheren Ansprüchen nicht genügt, doch wollte ich dies Roland Collombin nicht ankreiden», sagt Kaufmann und fügt hinzu: «Er war schliesslich nicht Produzent, sondern hat die Weine von Lieferanten bezogen.»

Roland Collombins grösster Rivale war der Urner Bernhard Russi gewesen. Das legendäre Duell sorgte in den Siebzigerjahren für Emotionen. Es war eine Zeit, in der Live-Fernsehübertragungen über Mittag noch die Ausnahme war. Und wo im Gegensatz zu heute die halbe Schweiz die Rennen vor den TV- oder Radiogeräten mitverfolgte. Der damals 21-jährige Romand erschütterte mit seinem Talent die Skiwelt und forderte seine Rivalen mit spektakulären Fahrten heraus. Das Fernsehen SRF strahlte kürzlich einen Film aus, den Toni Kaufmann sich nicht entgehen liess und der das Duell zwischen Bernhard Russi und Roland Collombin zum Inhalt hatte. «Ich habe diese Dokumentation mit Interesse verfolgt, und dabei sind Erinnerungen wach geworden», sagt Toni Kaufmann.

Olympiasilber und acht Weltcup-Siege: Dies ist das erstaunliche Palmarès innerhalb von nur drei Jahren. Danach stürzte Roland Collombin beim Rennen in Val d’Isère schwer. Gleiches sollte sich nur zwölf Monate später wiederholen: Roland Collombin kam im Training an derselben Stelle zu Fall. Das bedeutete dann auch das frühe Karrierenende. Diese Stelle wird seither «Bosse à Collombin» genannt.

Der Walliser zog sich nach Karrierenende zurück. Ganz im Gegensatz zu Russi, der seinen Nachruhm aufwendig verwaltet und überall präsent ist. Etwa, um in TV-Werbespots beispielsweise für eine japanische Automarke oder einen Optiker zu werben. Gleichzeitig war er während Jahren Fernsehkommentar und fungiert als Pistenbauer. Collombin führt heute ein Hotel und Restaurant in seinem Heimatdorf Versagère. Wie die Filmdokumentation erhellt, zieht sich der Walliser oft auf eine Alp zurück und geniesst dort Stille und Einsamkeit der Bergwelt.

Der leichten Muse zugetan

Toni Kaufmann erinnert sich noch heute gerne an das Zusammentreffen mit dem Skistar. Der Oberuzwiler ist weniger dem Sport als vielmehr der Musik zugetan. Er spielte früher nebst der Berufstätigkeit mit seinem Quintett zu Unterhaltung und Tanz auf. Seit 55 Jahren gehört er dem Männerchor Frohsinn an. Seine Bassstimme ist dort gefragt. Und manchmal holt Toni Kaufmann nach einer Probe sein Akkordeon hervor. Dann erklingen im «Rössli» zu später Stunde frohe Trinklieder. Aber auch eher schwermütige Melodien wie der «Bajazzo», der in keinem Männerchor-Repertoire fehlen darf.