OBERUZWIL: Ein etwas anderes Bauprojekt

Die Schulanlage Breite wird erweitert. Gestern erfolgte der Spatenstich. Der St. Galler Künstler Roman Rutishauser begleitet das Projekt mit speziellen Aktionen.

Marco A. Cappellari
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Der Künstler Roman Rutishauser begleitet den Spatenstich am Klavier. (Bild: Marco Cappellari)

Der Künstler Roman Rutishauser begleitet den Spatenstich am Klavier. (Bild: Marco Cappellari)

Marco A. Cappellari

marco.cappellari@wilerzeitung.ch

Die Baustelle beim Schulhaus Breite in Oberuzwil ist bereit: Absperrbänder, Menschen mit Schutzhelmen – und mittendrin ein Klavier. Bereits auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass bei diesem Projekt nicht alles ganz alltäglich ist. Der Mann mit dem Schutzhelm, der auf dem Klavier spielt, ist Roman Rutishauser, der «Artist in Construction».

Beim Bauprojekt, das insgesamt 6,9 Millionen Franken kostet, wird die Schulanlage Breite erweitert, um den erhöhten Raumbedarf abzudecken. Während der Bauarbeiten wird ein Teil des Unterrichts in das Provisorium in der ehemaligen Turnhalle verlegt. «Bis der Anbau am Schulhaus 4 steht, dauert es etwa ein Jahr. Danach wird das Haus 1 saniert, was wiederum etwa ein Jahr dauern wird», sagt Roland Waltert, Schulratspräsident. Doch sollen bei diesem Bauprojekt nicht nur «äussere Räume» erstellt werden, sondern auch eine persönliche, innere Raumentwicklung angeregt werden. Zu diesem Zweck begleitet Roman Rutishauser das Projekt über die gesamte Bauzeit.

Pingpongbälle und ein rotes Seil

Beim Bauprojekt der Schulanlage Breite sind für einmal keine Politiker oder Funktionäre für den symbolischen Spatenstich verantwortlich. Stattdessen finden sich an diesem Donnerstagmorgen an die hundert Kindergärtler vor dem Schulhaus 4 ein – ausgerüstet mit gelben Schutzhelmen und Schaufeln. Während Roman Rutishauser sein eigens, für diesen Anlass komponiertes Lied «Es brucht Ziit» auf dem Klavier zum Besten gibt, machen sich die Kleinen an die Arbeit. Voller Tatendrang entfernen sie Pflastersteine und beginnen damit, die Erde auszuheben.

Die Kindergärtler sind nicht die einzigen Kinder an diesem Anlass, auch Roman Rutishauser ist ein Stück weit Kind geblieben. «Ich habe ein kindliches Denken und hoffe, dass ich das nie verliere», sagt Rutishauser. Im Provisorium in der ehemaligen Turnhalle hat der Künstler drei Installationen errichtet, die sich alle einem anderen Thema widmen. Da wäre zum Beispiel seine Schubladen-Pingpong-Konstruktion. Dabei entleert der Künstler mit gekonnten Griffen mittels zwei Seilen eine mit Pingpong-bällen gefüllte Röhre in eine Schublade. Die gesamte Kon-struktion ist in der Schwebe, an der Decke befestigt –unter anderem mit einem roten Seil, das sich wie der sprichwörtliche rote Faden durch das Projekt zieht. So finden sich auch auf dem zukünftigen Baugelände und in seinen anderen Installationen immer wieder die roten Seile.

«Jedes geht seinen eigenen Weg»

Aus der Schublade fallen die Bälle schliesslich in eine Art bunten Trichter, durch welchen sie dann, von der Schwerkraft angetrieben, nach unten fallen. Einige landen in einem Eimer, manche bleiben bereits im Trichter hängen und der Grossteil landet auf dem Fussboden. «Die Bälle symbolisieren die Schulkinder. Keines ist ‹falsch›, egal, wo es steht oder landet. Jedes geht seinen eigenen Weg», erläutert Rutishauser. Sein Weg für die nächsten Monate steht bereits fest: Er wird während des ganzen Projektes von seinem Arbeitsplatz in einem Baucontainer aus wirken.