OBERUZWIL: Die Farbe gefällt nicht

Die Eigentümer des ehemaligen Badhauses im Oberuzwiler Buchen haben das Gebäude neu gestrichen. Doch die rötliche Farbe passt der Baubehörde nicht. Die Fassade muss umgestaltet werden.

Philipp Stutz
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Das ehemalige Badhaus mit seiner rötlichen Farbe. Links das Hotel-Restaurant Rossbode und die markante Eiche. (Bild: Philipp Stutz)

Das ehemalige Badhaus mit seiner rötlichen Farbe. Links das Hotel-Restaurant Rossbode und die markante Eiche. (Bild: Philipp Stutz)

«Die Fassade war unansehnlich, Nägel der Isolation haben durchgedrückt und Spuren hinter­lassen», sagt Willi Christen. Er führt mit seiner Partnerin Albina Bürge das Hotel-Restaurant Rossbode. Albina Bürge ist auch die Eigentümerin des früheren Badhauses. Die beiden haben keinen Aufwand gescheut, um die bau­lichen Schäden auszumerzen. Sie haben das Gebäude eingerüstet und mit vereinten Kräften ge­strichen. Fensterumrandungen und die Hausecken haben sie im Ursprungszustand belassen. «Wir waren mit der Neugestaltung zufrieden, und auch die Anwohner haben sich nicht beschwert», sagt Willi Christen.

Gross war deshalb die Überraschung, als sich die Ober­uzwiler Baubehörde meldete. Und darauf aufmerksam machte, dass für eine solche Fassaden­änderung eine Baubewilligung nötig sei. Diese lag aber nicht vor.

Neuanstrich nicht bewilligt

Bei einem Augenschein einigte man sich auf einen Kompromiss. Dieser sieht vor, das Wohnhaus in einer neuen Farbe zu streichen. Gleichzeitig soll ein Sockel in der gleichen Farbe wie die beste­henden Fenstereinfassungen ge­strichen werden, und dies bis auf 15 Zentimeter unter die Fenstereinfassung. «Der jetzige Neu­anstrich der Fassade kann hingegen nicht bewilligt werden», heisst es im Schreiben der Bauverwaltung an die Eigentümer. Deshalb müsse die Farbe beseitigt werden. Für das Umstreichen der Fassade wird eine Frist bis Ende November 2017 gewährt. Seien diese Voraussetzungen erfüllt, werde die Baubewilligung nachträglich erteilt. Willi Christen kann das nicht verstehen. «Nun bin ich gezwungen, drei verschiedene Grautöne anzubringen», ­ärgert er sich. Dies ziehe erheb­lichen Aufwand nach sich.

«Bei Fassadenänderungen an Gebäuden in einem Ortsbildschutzgebiet ist eine Baubewil­ligung erforderlich», sagt Gemeindepräsident Cornel Egger. Beim ehemaligen Bad Buchen handelt es sich laut Bauinventar um eine geschützte Baugruppe. Um einen Platz nördlich der Durchgangsstrasse gruppieren sich vier Bauten. Auf dem höchsten Punkt befindet sich das Restaurant, der wichtigste Bau im Ensemble. Dahinter liegt das ­historisch dazugehörige Badhaus. Zwei Bauernhäuser ergänzen die Gruppe. Die grosse Eiche östlich des Restaurants hält optisch den Ort zusammen und steht bereits seit 1916 unter Schutz. Restaurant und Badhaus sind in der Baugruppe als Einheit geschützt. Es handle sich aber nicht um geschützte Einzel­objekte, und daher sei ein Abbruch per se nicht unmöglich, sagt Egger. Allerdings dürften solche Bauten nicht ersatzlos ­abgerissen werden. «Und ein Neubau muss sich mit seinen Proportionen ins Ensemble einfügen und eine Einheit bilden.»

Die neue Schutzverordnung ist vor rund fünf Jahren aufgelegt worden. Die betroffenen Grundeigentümer sind laut Egger mit eingeschriebenem Brief auf die Neuerungen aufmerksam gemacht worden. Es sei nützlich, sich bei baulichen Änderungen an Fachleute zu wenden, empfiehlt der Gemeindepräsident.

Willi Christen betont, ansonsten mit der Gemeinde­verwaltung ein ungetrübtes Verhältnis zu pflegen. So hält er denn auch einen Verbesserungsvorschlag parat. Die Gemeinde sei im Besitz eines Teils des Platzes, ­welcher die geschützte Baugruppe umgibt. Er kann sich vorstellen, dass dieser Teil mit Pflaster­steinen und einem Brunnen versehen werden könnte, der von der ehemaligen Heilquelle, die er neu aktiviert hat, gespeist würde.

Albina Bürge und Willi Christen haben die Fassade selber gestrichen.

Albina Bürge und Willi Christen haben die Fassade selber gestrichen.