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OBERUZWIL: Brandstifter auswärts geköpft

Ob in Oberuzwil je Todesurteile vollstreckt worden sind, ist unklar. Nachgewiesen ist hingegen, dass an zwei Orten, in «Buchen» und im «Malloh», Gericht gehalten worden ist. Eine Ausstellung im Ortsmuseum zeugt davon.
Andrea Häusler
Wo in Oberuzwil und Bichwil befinden sich die Orte mit den alten Flurnamen? Die Ausstellungsbesucher konnten an einer Magnetwand ihr Wissen testen. (Bilder: Andrea Häusler)

Wo in Oberuzwil und Bichwil befinden sich die Orte mit den alten Flurnamen? Die Ausstellungsbesucher konnten an einer Magnetwand ihr Wissen testen. (Bilder: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Die alten, mit längst verblichener Tinte beschriebenen Dokumente in den Vitrinen sind kaum lesbar, die Übersetzungen sprachlich nur schwer verständlich. Es sind Leihgaben, die bezeugen, dass und wie in Oberuzwil vom Frühmittelalter bis in die frühe Neuzeit Recht gesprochen worden war. Die Schriften berichten von einfachen Streitigkeiten, schwelenden Konflikten und persönlichen Schicksalen.

Ober-Utzwil scheint zu jener Zeit der Mittelpunkt einer alten Hundertschaft gewesen zu sein, welche die Gegend rechts der Thurbiegung (Wil) bis hinauf zum Necker und die beiden Seiten der Glatt umfasste. Sehr bezeichnend soll in alten Pfandprotokollen die Wiese zwischen Oberuzwil und Jonschwil im Malloh genannt worden sein: zweifellos die Stätte «Mallus publicus», des öffentlichen Gerichts der alten bäuerliche Dorfgemeinschaften (Huntare). Im 15. Jahrhundert bestanden zu Oberuzwil zwei Gerichte, dasjenige der äbtischen Freivogtei und die graflich toggenburgische Freiweibelhub Oberuzwil, zu der auch Degersheim gehörte. Zudem ist Oberuzwil als Sitz eines sogenannt hohen Gerichts bezeichnet. Dieses fällte auch Todesurteile. Im Gegensatz zum ebenfalls weltlichen niedrigen Gericht, das zumeist unter der Kontrolle der Grundherren stand und ordentlicherweise zweimal jährlich über Grundbesitz, Geldschulden und Streitigkeiten der Hofgenossen befand.

Gerichtsstab aus Wiler Silberschmiede

Ob in Oberuzwil Todesurteile gesprochen und vollstreckt worden sind, ist unklar, sagte Museumsleiter Johannes Gunzenreiner an der Ausstellungseröffnung vom Sonntag. Mit hoher Wahrscheinlichkeit habe jedoch im Malloh, der zweiten Gerichtsstätte Oberuzwils neben den «Hailigen Buchen», ein Galgen gestanden.

Die seinerzeitigen Rechtshandlungen waren mit feierlichen Formen umgeben. Der Ammann trug als Symbol von Gewalt und Würde, bei der Urteilsverkündung einen eigenen Gerichtsstab. Ein solcher liegt, als Leihgabe des Historischen- und Völkerkundemuseums St. Gallen, ebenfalls hinter Glas im Ortsmuseum. Über diesen hatten die Parteien ihren Eid zu leisten. Der ausgestellte Gerichtsstab stammt aus Niederuzwil und ist mit 1695 datiert. Ein schwarz gebeizter Stab aus Hartholz mit Silbergarnituren. Das obere Ende zeigt eine Schwurhand mit drei Fingern, auf dem Knopf des unteren Endes steht: «Dieser Stab gehört dem Gericht/N:VZWill/1695.» Darüber erkennt man das Beschauzeichen W für Stadt Wil und das Meisterzeichen FS, das wohl für den Wiler Goldschmied Franz Seiler, den jüngeren, Sohn des Franz Seiler (1633-91) steht. Ein Todesurteil wurde mit diesem Stab nicht gefällt, ansonsten er zerbrochen worden wäre.

Scharfrichterschwert als Ausstellungsstück

Keine nachgewiesene Todesurteile bedeutet nicht, dass es in Oberuzwil keine schweren Verbrechen gegeben hätte. Zu den bekannten Fällen gehört der zum Tatzeitpunkt 21-jährige Brandstifter Hansjörg Egli aus Bichwil, der aus Rache das vom Bruder bewohnte väterliche Haus und mit diesem sechs weitere Bauten angezündet hatte. Er wurde am 14. Februar 1783 geköpft: in Lichtensteig. Wo das Verfahren stattgefunden hatte, ist unklar.

Ein Scharfrichter-Schwert soll am zweiten Ausstellungssonntag gezeigt werden und das Thema «Alte Oberuzwiler Richtstätten» auch für jede Interessierten lohnend machen, welche bereits der Eröffnung beigewohnt hatten. Weiterhin zugänglich ist auch die Präsentation über alte Flurnamen (siehe Box).

Hinweis

Die Ausstellung im Ortsmuseum Oberuzwil an der Wilerstrasse 22 ist am Sonntag, 11. Februar, 14 bis 16 Uhr nochmals geöffnet.

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