OBERUZWIL: «Basler Dybli» bleibt unerreichbar

Sein Leben lang schon sammelt Paul Nuijten Briefmarken. Obwohl sein Augenmerk «nur» den europäischen, gestempelten Marken gilt, nimmt das Sammeln kein Ende. Er erzählt über Marken, die ihm Kopfzerbrechen bereiten und Nervenkitzel an Auktionen.

Angelina Donati
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Um die Briefmarken nicht zu beschädigen, rührt sie Paul Nuijten nur mit der Pinzette an. (Bild: Angelina Donati)

Um die Briefmarken nicht zu beschädigen, rührt sie Paul Nuijten nur mit der Pinzette an. (Bild: Angelina Donati)

 

Briefmarken sammeln – ein spiessiges Hobby? «Es gibt Leute, die dieser Auffassung sind und mich darauf ansprechen», sagt Paul Nuijten. «Ich habe aber grosse Freude daran. Beim Sammeln lernt man jede Menge über verschiedene Länder.» Die erste Marke überhaupt sei 1840 in Grossbritannien eingeführt worden. «Ausserdem verlieren die Marken nicht an Wert und es ist ein wunderbarer Zeitvertrieb», schwärmt der studierte Informatiker, der bei «Bühler» in Uzwil in der Produktionslogistik tätig ist.

Den ersten Teil der Sammlung und die Begeisterung hat ihm sein Vater übertragen. Damals war Paul Nuijten zwölf Jahre alt und lebte mit seinen Eltern in Holland. Erst als die Familie später die Schweiz zu ihrer Wahlheimat machte, jagte er auch Schweizer Briefmarken nach. Damit das Sammelfieber nicht ins Unermessliche ausuferte, musste Nuijten das Gebiet einschränken: Er entschied sich, sich auf Europäische Briefmarken zu fokussieren. Allerdings sammelt er nur Marken, die auch abgestempelt wurden. «Andernfalls handelt es sich ja nur um Papierli.» Seit gut zehn Jahren präsidiert Nuijten den Philatelistenverein Flawil-Degersheim-Uzwil, wo er das Fachsimpeln mit Gleichgesinnten und die Gesellschaft schätzt.

Limiten setzen und sie überschreiten

Obwohl Nuijten seine Sammlung eingeschränkt hat, will sein Hobby einfach kein Ende nehmen. Anhand eines dicken Buches weiss er, welche Marken ihm noch fehlen und versucht sie online oder auch an Auktionen aufzutreiben. Der Kenner nimmt es genau: Zuerst bekommt jede neue Marke einen Platz in einem Steckalbum, ehe er sie auf ein eigens kreiertes Blatt mitsamt einigen Zeilen verewigt und im Ordner ablegt. Mittlerweile besitzt er eine beachtliche Sammlung von über 50000 Marken.

«Einige Wünsche bleiben aber auch unerfüllt», sagt er. Die Marken seien äusserst beliebt und haben somit ihren stolzen Preis. «Man muss bereit sein, tief ins Portemonnaie zu greifen.» Ein Stück könne schnell von ein paar hundert bis ein paar tausend Franken kosten. «Irgendwo hat jeder seine persönliche Grenze.» An Auktionen setzte er sich Limiten, die er dann, vom Fieber gepackt, doch wieder überschreite, wie er gesteht. «Es geht sehr emotional zu und her an solchen Versteigerungen.» Naheliegend also, dass der leer ausgegangene Sammlerfreund leicht frustriert den Nachhauseweg antritt. Zu den Raritäten, die für den 58-Jährigen unerreichbar bleiben, gehört etwa das «Basler Dybli». Vor rund vier Jahren brachte das gute Stück aus dem Jahr 1845 im Wiler Auktionshaus Rapp eine Weltrekordsumme von 103700 Franken ein.

Modern, konservativ oder unverständlich

Besonders die Vielfalt der Briefmarken fasziniert Paul Nuijten. Ob Landschaften, Persönlichkeiten, politische und kulturelle Hintergründe – alles widerspiegle sich in diesen wenigen Zentimetern Papier. Auf seinen regelmässigen Reisen erkennt er denn auch den einen Berg oder die eine Kirche, die er schon in Kleinformat unter die Lupe genommen hat. Interessant seien auch die grossen Unterschiede zwischen den Ländern. «Die Sowjetunion stellte zu Beginn sehr schlechte Briefmarken her», sagt Nui­jten. Die Holländer hingegen hätten früh erkannt, was es heisst moderne, abstrakte Sujets zu gestalten. «Als Holländer bin ich mit meiner Meinung aber wohl ein wenig vorbelastet», sagt er und schmunzelt. «Manchmal haben sie es aber auch übertrieben.» Gleichzeitig war die Schweiz lange den herzigen Motiven, wie «Blüemli» verfallen. Kopfzerbrechen bereitet ihm die Türkei: «Weil ich die Sprache nicht spreche, kann ich den Aufdruck nicht lesen. Diesen zu entziffern ist daher äusserst mühsam.»

Natürlich gibt es Sujets, die Nuijten besser gefallen als andere. «Das aber heisst nicht, dass ich die weniger schönen nicht auch sammle.» Schliesslich soll die Sammlung komplett sein.