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OBERBÜREN: «Wir zahlen keine Handy-Abos»

Markus Gmünder ist seit April Leiter des Zentrums für Asylsuchende Thurhof. Weil dort keine unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden mehr betreut werden, muss das Konzept angepasst werden.
Philipp Stutz
Markus Gmünder: «Wir legen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Gemeindeverwaltung und Polizei.» (Bild: Philipp Stutz)

Markus Gmünder: «Wir legen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Gemeindeverwaltung und Polizei.» (Bild: Philipp Stutz)

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

«Im ‹Thurhof› in Oberbüren werden zukünftig fast ausschliesslich erwachsene Frauen und Männer sowie Familien mit und ohne Kinder untergebracht», sagt Markus Gmünder. Hat doch der Regierungsrat entschieden, junge Asylsuchende direkt ab den Empfangszentren in die Obhut des Trägervereins Integration St. Gallen (Tisg) zu geben. Bis vor kurzem war der «Thurhof» mit bis zu 160 jungen Asylsuchenden an seine Grenzen gestossen. Der Rückgang an Flüchtlingen, der inzwischen eingesetzt hat, führte zur Stilllegung des Asylzentrums Neckertal und des Wohnfoyers Wil. Das war mit einem Stellenabbau verbunden. Der «Thurhof» in Oberbüren bleibt aber weiterhin bestehen.

Asylsuchende bleiben durchschnittlich während rund vier Monaten im «Thurhof», ehe sie auf die Gemeinden verteilt werden. Ausweisungen und Rückführungen in andere Länder aufgrund eines Dublin-Entscheides finden in den meisten Fällen vor Ablauf dieser Zeit statt.

Weiterhin gelten die Schulpflicht für Kinder sowie ein obligatorischer, intensiver Deutschunterricht für alle Erwachsenen. Ebenfalls werden die Beschäftigungsprogramme aufrechterhalten. Dazu zählen Arbeiten in der Metall- und Fahrradwerkstatt, im Nähatelier sowie in der Küche und im Hausdienst. Laut dem Heimleiter besteht durchaus die Möglichkeit, hier das Kochen zu erlernen.

Schweizerische Grundwerte vermitteln

«Es ist wichtig, Asylsuchenden Werte, Normen und Verhaltensweisen näherzubringen, wie sie in der Schweiz üblich sind», betont Markus Gmünder. Dazu zählen Pünktlichkeit, Respekt und Gleichwertigkeit. Flüchtlinge müssten sich bewusst sein, in welcher Kultur sie nun leben, und hätten sich zu integrieren.

Zurzeit halten sich 54 Asylsuchende im «Thurhof» auf. Das entspricht einer Auslastung von 42,5 Prozent. Sie stammen aus Syrien (24 Prozent), Eritrea (16 Prozent), Afghanistan (14 Prozent), Somalia und Sri Lanka (je 10 Prozent) und aus der Türkei (6 Prozent). Der Rest entfällt auf vereinzelte Nationen.

«Es sind schon lange keine Klagen mehr eingegangen», sagt Gmünder. Es sei wichtig, alles zu unternehmen, damit das Naherholungsgebiet an der Thur den Bürgern sicher und sauber zur Verfügung stehe. Für Verunreinigungen könnten aber nicht alleine Asylsuchende verantwortlich gemacht werden.

«Die Polizei ist bei uns täglich präsent»

Das Migrationsamt hat eine externe Sicherheitsfirma beauftragt, den Thurweg regelmässig zu kontrollieren. «Die Polizei ist bei uns täglich präsent und macht unangemeldete Besuche», betont der Leiter des «Thurhofs». Das geschehe tagsüber durch Mitarbeitende der Polizeistation Uzwil und nachts durch Patrouillen. Mindestens einmal monatlich führt die Polizei zudem eine Zimmer-Razzia durch. Dabei werden Personalien und Smartphones kontrolliert. Es wird nach gestohlenem Material und versteckten Dokumenten gesucht. «Es geht unter anderem darum, Hinweise auf allfällige Radikalisierungen früh zu erkennen», sagt Markus Gmünder.

Asylbewerber erhalten drei Franken Sackgeld pro Tag. Hinzu kommen ein Franken Kleidergeld und 50 Rappen für Hygieneartikel. Der Kanton kommt für Unterkunft, Verpflegung, Krankenkasse und Mahlzeiten auf. Arbeiten Flüchtlinge beispielsweise in Küche oder Hausdienst, erhalten sie eine zusätzliche Entschädigung.

«Asylsuchende haben bei ihrer Ankunft immer ein Handy dabei», sagt Gmünder. Das sei ihnen auf ihrer Flucht behilflich gewesen, und zudem könnten sie damit in Kontakt mit ihrer Familie treten. «Die Telefonkosten müssen sie von ihrem Sackgeld berappen», betont Gmünder. «Wir zahlen keine Handy-Abonnements.» Bussen, die beispielsweise bei Schwarzfahren in öffentlichen Verkehrsmitteln entstehen, haben Asylsuchende ebenfalls aus ihrem Sackgeld «abzustottern».

Dank Spenden lassen sich Wünsche erfüllen

Der Zentrumsleiter verweist auf eine Art Secondhand-Shop im Erdgeschoss des «Thurhofs». Dort sind an einer Leine T-Shirts, Hemden und Blusen aufgereiht. Hinzu kommen gebrauchte Schuhe und weitere Kleidungsstücke. «Neue Turnschuhe werden aus zweckgebundenen Spenden finanziert», sagt Gmünder. Es sei eine Vielzahl solcher Spenden eingegangen. Zuletzt für einen Kinderspielplatz.

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