Oberbüren
Corona schlägt auf die Steuern: Warum Oberbüren in diesem Jahr deutlich weniger einnimmt als budgetiert

Das schlechte Ergebnis hat gemäss Gemeindepräsident Alexander Bommeli mit der rekordhohen Anzahl an Baugesuchen in der Gemeinde zu tun. Doch auch andere coronabedingte Faktoren spielen eine Rolle. Konsequenzen hat das Ergebnis vorläufig keine.

Pablo Rohner
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Während der Coronapandemie haben viele Oberbürerinnen und Oberbürer in ihre Häuser investiert. Im Bild die Montage von Sonnenkollektoren im Kanton Zug.

Während der Coronapandemie haben viele Oberbürerinnen und Oberbürer in ihre Häuser investiert. Im Bild die Montage von Sonnenkollektoren im Kanton Zug.

Bild: Matthias Jurt

Was anfangen mit der Zeit und dem Geld, wenn Ferien gerade keine so verlockende Aussicht sind? Zum Beispiel in das eigene Haus investieren: eine Fotovoltaikanlage (FV) auf das Dach montieren, eine Wärmepumpe im Boden versenken oder endlich einen Wintergarten bauen. So oder so ähnlich haben in den beiden Coronajahren viele Oberbürerinnen und Oberbürer überlegt.

Das ist zumindest eine Lesart der Zwischenbilanz der Steuereinnahmen der Gemeinde Oberbüren. Diese verzeichnet für 2021 beim Ertrag der einfachen Steuern für natürliche Personen gemäss einer Mitteilung ein «deutlich schlechteres Ergebnis» als die budgetierten 10,9 Millionen. Zwar rechnete der Steuerplan 2021 bei der einfachen Steuer mit einem Rückgang von knapp 290'000 Franken im Vergleich zum Vorjahr. Doch nun ist das Ergebnis noch schlechter ausgefallen.

Steuerabzüge für Investitionen

Gemeindepräsident Alexander Bommeli führt das unter anderem darauf zurück, dass viele Eigentümerinnen und Eigentümer in ihre Häuser investiert haben. Er sagt:

«Wir hatten in den letzten zwei Jahren eine rekordhohe Anzahl an Baugesuchen.»

Allein im laufenden Jahr seien es über 200 gewesen, gleichmässig verteilt über die Dörfer Oberbüren, Niederwil und Sonnental. Einige Baugesuche sind gemäss Bommeli für FV eingegangen. Aber auch neue Heizsysteme und andere emissionsmindernde Verbesserungen wie neue Fenster spielten eine Rolle. Das alles lässt sich von den Steuern abziehen.

Alexander Bommeli, Gemeindepräsident von Oberbüren

Alexander Bommeli, Gemeindepräsident von Oberbüren

Bild: PD

Investitionen für die energetische Verbesserung von Häusern werden in Oberbüren seit 2020 mit Beiträgen aus einem Energiefonds der Gemeinde gefördert. Förderbeiträge, ob vom Kanton oder von der Gemeinde, müssen zwar von den abzugsfähigen Kosten wieder abgezogen werden. Doch sie dürften die Bautätigkeit insgesamt ankurbeln. Oberbüren war auch eine der Gemeinden, die an der Fotovoltaikaktion der Energieagentur St.Gallen teilgenommen haben. Mit der Aktion konnten Hausbesitzende von April bis August 2021 zu günstigen Konditionen eine FV für das eigene Dach bestellen. Das Angebot sei in Oberbüren stark genutzt worden, sagt Bommeli.

Weniger Dividenden für Aktionärinnen und Aktionäre

Eine andere Auswirkung der Coronapandemie auf die Steuereinnahmen sei, dass Aktiengesellschaften generell weniger Dividenden ausschütten. Für Aktionärinnen und Aktionäre fielen so weniger Kapitalgewinnsteuern als geplant an. Auch die Kapitalauszahlungen der Pensionskassen seien tiefer als erwartet. Unter dem Strich habe das dazu geführt, dass einige gute Steuerzahlende der Gemeinde in diesem Jahr weniger zahlen mussten.

Hinzu komme, dass von den budgetierten Nachzahlungen noch einige ausstehend sind, so Bommeli. Trotz des schlechten Ergebnisses werde der Steuerfuss von 100 Prozent in Oberbüren aber nicht angehoben. Der kleinere Steuerertrag könne aus den Kapitalreserven der Gemeinde kompensiert werden. Auch neue Sparprogramme seien aktuell nicht vorgesehen.

Erwartungsgemässe Ergebnisse in anderen Gemeinden

Vergleichbar mit Oberbüren sind die Gemeinden Zuzwil und Niederhelfenschwil. Alle drei sind kleinere Gemeinden und haben die tiefsten Steuerfüsse in der Region. Doch im Vergleich zu Oberbüren verzeichnen Zuzwil und Niederhelfenschwil gemäss Auskunft der Gemeindepräsidenten erwartungsgemässe Ergebnisse – wie die meisten Gemeinden in der Region.

In beiden Gemeinden liegen die Erträge der Einkommens- und Vermögenssteuern sogar leicht über dem Budget. In Niederhelfenschwil fielen auch die Kapitalauszahlungen der Pensionskassen höher als erwartet aus. Gemeindepräsident Peter Zuberbühler hält fest:

«Die durch Corona erwarteten Auswirkungen sind nicht oder noch nicht so stark eingetroffen wie erwartet.»

Zuzwil wartet wie Oberbüren noch auf Nachzahlungen. Gemäss Gemeindepräsident Roland Hardegger ist bisher erst ein Fünftel des eingeplanten Betrags eingegangen.

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