OBERBÜREN: Unterwegs mit den Spürnasen

Die St. Galler Sektion der Vereinigung K-9® Suchhunde trainiert wöchentlich das Aufspüren von Tieren oder Menschen. Die Vierbeiner schätzen die Herausforderung, solange sie motivierend ist.

Kathrin Meier-Gross
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Bloodhound Wallace schnüffelt in Oberbüren an Gärten und Häusern und sucht die Spur der vermissten Person. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Bloodhound Wallace schnüffelt in Oberbüren an Gärten und Häusern und sucht die Spur der vermissten Person. (Bilder: Kathrin Meier-Gross)

Kathrin Meier-Gross

redaktion@wilerzeitung.ch

Gerade kehrt Numi, der Entle­bucher Sennenhund, mit seiner Besitzerin, der Tierärztin Karin Flury und weiteren Begleitpersonen zum Feuerwehrdepot in Oberbüren zurück. Er hat seine Aufgabe bravourös gemeistert. Die hatte gelautet: die Spur von Bernadette Widmer zu suchen. Die Frau war viele Stunden vorher zur Haltestelle gelaufen und dann ins Postauto gestiegen. Numi hat sein Team exakt zum Busstopp geführt und gezeigt, dass die Geruchsspur dort aufhört. Der Hund wird mit Worten und einer kleinen Leckerei gelobt und steigt zufrieden in seine Autobox.

Jetzt ist Wallace an der Reihe. Der grosse Bloodhound mit den langen Ohren und den Falten im Gesicht schüttelt erst mal den grossen Kopf. Dann schnuppert er kurz an den Menschen, die gespannt seine Reaktion beobachten. Ein Stein, den der Oberbürer Urban Widmer vorher in den Händen hatte, liefert dem Tier den Geruch, den es suchen muss.

Spielerisch und motivierend

An der langen Leine schnüffelt sich Wallace an Gärten und Hauseingängen vorbei. «Er zeigt an, dass hier keine Spur ist», erklärt die Wittenbacher Trainerin Renate Hoffmann. «Das Wesentliche an dieser Arbeit ist es, den Hund richtig zu lesen; zu verstehen, was er sagen will». Wallace hat inzwischen eine andere Richtung eingeschlagen und wird plötzlich schnell. Die Zweibei­nertruppe sprintet hinterher. Hinunter in eine Tiefgarage und schon hat Wallace das Zielobjekt Urban Widmer gefunden. Guter Hund! «Wir arbeiten mit dem Belohnungssystem», sagt Hoffmann. «Die Suche soll für den Hund spielerisch und motivierend sein. Auch dann, wenn das Tier vielleicht einmal eine Aufgabe nicht lösen konnte.»

Renate Hoffmann hat vor zweieinhalb Jahren begonnen, eine Zweigstelle der K-9® Suchhunde Deutschland in der Ostschweiz aufzubauen. Eignen würden sich praktisch alle Hunde­rassen, sagt sie. Auch die sogenannten «Modehunde». Als Beweis wird Estrella, die Pinscherdame, mit ihrem Hundeführer Martin Zäch auf die Suche geschickt. Mit dem Training kann bereits im Welpenalter begonnen werden. Aber auch ältere Hunde eignen sich für das Training und schätzen die Herausforderung, solange sie motivierend ist.

Zum Einsatz kommen die Spürnasen, wenn K-9® von Pri­vaten oder beispielsweise der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) die Nachricht erhält, dass ein Tier vermisst wird. Kürzlich konnte eine Schildkröte aufgespürt werden. Häufiger sind es Hunde und Katzen. «Wenn beispielsweise ein Hund unterwegs getürmt ist, muss richtig reagiert werden», sagt Hoffmann. «Wenn der Halter panikartig davonstürmt, um sein Tier zu suchen und dabei Stresshormone verteilt, wird es schwierig. Denn der Hund kehrt oft nach einer Weile an den Entlaufort zurück.»

Zusammenspiel von Mensch und Hund

Die Mitglieder der Tiersuchgruppe beraten Besitzer entlaufener Tiere über das richtige Verhalten, welches je nach Fall sehr unterschiedlich sein kann. Wichtig ist, dass man sich frühzeitig nach dem Entlaufen meldet, damit die richtige Art der Massnahmen bis hin zur Suche durch die Teams von K-9® erfolgen kann (Informationen und Kontakte auf der Homepage www.k9sg.ch) . Bei der Ausbildung wird grossen Wert auf Prävention, Professionalität und Seriosität gelegt. Ein Tier zu suchen, ist anspruchsvoll. Ein vermisster Hund reagiert völlig anders als ein vermisster Mensch. Die Zusammenarbeit von Mensch und Hund muss in solchen Ernstfällen eingespielt sein. «Wir müssen den Hund lesen können», wiederholt Hoffmann. Der Hund bleibt während der Suche immer an der Leine und nimmt den Menschen mit auf seine Spur. «Es ist schön zu sehen, wie der Hund gerne arbeitet und die Herausforderung schätzt», sagt Cathrin Zimmermann aus Dietfurt. «Es sind Erfolgserlebnisse für Mensch und Tier».