Oberbüren
Tote Katze in der Thur: Warum die Polizei das Büsi nicht geborgen hat

Bei Oberbüren lag kürzlich eine tote Katze in der Thur auf einer Schotterbank. Der Fund ist der Kantonspolizei St.Gallen bekannt. Das Büsi wurde aber an Ort und Stelle belassen.

Dinah Hauser
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In diesem Abschnitt der Thur wurde eine tote Katze auf einer Schotterbank gesichtet.

In diesem Abschnitt der Thur wurde eine tote Katze auf einer Schotterbank gesichtet.

Bild: Dinah Hauser

Mitten in der Thur liegt eine rote Katze mit weissem Bauch, die Beine von sich gestreckt auf den nassen Steinen. Der Fund stammt von vergangener Woche, wie eine Leserin schreibt. Sie habe den Eintrag auf der Website der Schweizerischen Tiermeldezentrale gesehen und sich bei der Kantonspolizei St.Gallen gemeldet.

«Ich erhielt die traurige Antwort, dass man die Katze nicht bergen könne.»

Das sei zu gefährlich; man dürfe die Thur nicht unterschätzen. Dies zeigt auch der Vorfall vom Juli bei der Thurbrücke zwischen Brübach und Henau. Zwei Personen gerieten in einen Wasserfall und konnten nur noch tot geborgen werden. Darunter befand sich ein Polizist.

Die Polizei habe die Leserin an die Feuerwehr verwiesen, welche die Katze bergen könnte. «Den Einsatz müsste man bezahlen, und das kann ich leider nicht. Mir tun die Besitzer leid, die es vielleicht nie vernehmen werden, wo ihre Katze ist», schreibt sie.

Tote Katze in der Thur

In der Thur bei Oberbüren lag kürzlich eine verendete Katze mit rotem Fell. PD

Polizeisprecher Florian Schneider bestätigt die Meldung vom 10. Dezember. «Die Rückmeldung der Patrouille war, dass es ihr nicht möglich war, zur Katze zu gelangen.» Ohne zusätzliche Ausrüstung sei eine Bergung nicht möglich gewesen und der Verweis an die Feuerwehr sei erfolgt. «Auch wenn zu einem Haustier ein emotionaler Bezug besteht, ist der Schutz unserer Mitarbeitender und eines Menschenlebens aus unserer Sicht höher zu gewichten als die Bergung eines offensichtlich toten Tieres», sagt Schneider.

Gefahrenbeseitigung durch die Polizei

Die Kantonspolizei St.Gallen erhalte fast täglich Meldungen von toten oder verletzten Tieren; vor allem im Zusammenhang mit dem Strassenverkehr. «Aber es ist nicht die primäre Aufgabe der Polizei diese zu bergen oder zu versorgen.» Diese liege beim Veterinäramt, einem Tierschutzbeauftragten, der Wildhut oder der zuständigen Jagdgesellschaften.

Allerdings würden tote Tiere von der Polizei insbesondere auf Strassen oder im Zusammenhang mit Unfällen beseitigt. «Dies immer dann, wenn durch die Beseitigung eine Gefahr gebannt werden muss», sagt Schneider. So kann etwa ein totes Tier auf der Autobahn Folgeunfälle auslösen, daher wird es von der Polizei entfernt. Dies geschehe aber auch nur dann, wenn das Risiko für die Mitarbeitenden der Polizei tragbar sei und die Sicherheit gewährleistet werden könne. Je nach Vorfall werde dazu auch die Feuerwehr aufgeboten.

Verhalten bei Unfällen mit Tieren

Zusammenstösse zwischen Fahrzeugen und Tieren lassen sich nicht gänzlich verhindern. Die Tiere kreuzen die Fahrbahn meist unverhofft, sodass Autofahrern keine Zeit für eine Reaktion bleibt.

Grundsätzlich hat ein korrekt handelnder Tierunfallverursacher keine strafrechtlichen Konsequenzen zu erwarten. So sollte nach einem Zusammenstoss die Unfallstelle mittels Pannendreieck und Warnblinker gesichert sowie die Polizei verständigt werden. Speziell verletzten Wildtieren sollte man sich nicht nähern; tote Tiere können an den Hinterläufen an den Strassenrand gezogen werden. Auch Unfälle mit Haustieren sollten gemeldet werden.

Damit ein Unfall gar nicht erst geschieht, rät die Polizei unter anderem Folgendes:

  • Reduzieren des Fahrtempos bei Warntafeln für Tiere sowie in Wohngebieten
  • Strassenränder im Auge halten, besonders bei Waldstücken, Hecken oder Getreidefeldern
  • langsam an Pferdekutschen vorbeifahren

Steht ein Tier bereits auf der Strasse, soll man das Tempo reduzieren und hupen. Dies gilt nicht bei Viehherden oder Kutschen. Falls nötig und möglich, hält man ganz an und schaltet das Abblendlicht sowie den Warnblinker an. (pd/dh) 

Ermittlungen bei Tierquälerei

Auch der Tierschutz ist ein Thema, bestätigt Schneider. Wenn beispielsweise klare Anzeichen von Tierquälerei vorlägen, dann würde die Polizei ein Tier bergen und im Rahmen eines Strafverfahrens weitere Ermittlungen tätigen. Dabei würden die Kosten der Bergung ebenfalls getragen. Schneider sagt:

«Im vorliegenden Fall bei Oberbüren gab es aber keine Anzeichen von Tierquälerei.»

Doch was geschieht, wenn das Tier geborgen werden kann? Bei Haus- und Nutztieren können anhand von Chips oder Identifikationsmarken die Tierhalter ausfindig gemacht werden. Diese entscheiden dann, was mit den Tieren geschehen soll. Ist dies nicht möglich, werden tote Tiere durch die Polizei entsorgt. Bei Wildtieren erfolge laut Schneider je nach Art und Grösse die Verständigung der zuständigen Wildhüter oder die direkte Entsorgung durch die Polizei.

Der Tierkadaver wurde bei dieser Brücke bei Oberbüren gesichtet.

Der Tierkadaver wurde bei dieser Brücke bei Oberbüren gesichtet.

Bild: Dinah Hauser

Warum Todesfälle bei Menschen genau abgeklärt werden

Während also Tiere nicht in jedem Fall geborgen werden, sieht es bei Menschen anders aus. Auch wenn die Überlebenschancen als gering eingestuft werden oder die Person bereits verstorben ist, wird dennoch unablässig gesucht – teilweise tagelang. Zuletzt war dies etwa beim Canyoning-Unfall in Vättis der Fall. Warum, erklärt Schneider wie folgt:

«Die Klärung von Todesursachen von verstorbenen Personen ist eine klare Aufgabe der Polizei.»

Demnach erübrigt sich die Frage nach der Bergung von verstorbenen Personen, denn die Polizei ist in der Pflicht aussergewöhnliche Todesfälle abzuklären. Darunter fällt etwa ein Leichenfund im Freien oder in einer Wohnung. Dort wird ermittelt, ob eine natürliche Todesursache vorliegt oder möglicherweise ein Verbrechen. Verstirbt ein Mensch hingegen in einem Spital oder Alterszentrum – also unter kontrollierten Bedingungen – dann wird die Polizei in der Regel nicht beigezogen.

Im Falle einer Leichenbergung werden durch die Polizei weitere Mittel aufgeboten, um die Todesursache und ein mögliches Verbrechen aufzuklären. Die weiteren Kostenfolgen werden dann im Rahmen dieser Ermittlungen geklärt. Aber auch hier gebe es gewisse Grenzen. Etwa bei nicht verhältnismässiger Gefährdung der Mitarbeitenden oder anderer Umstände, wie dies beispielsweise zuletzt beim Canyoning-Unfall war. Dort konnte der letzte vermisste Sportler nicht geborgen werden. Dies weil im riesigen Suchgebiet schlicht nicht ausgemacht werden konnte, wo die Person gesucht werden soll.

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