OBERBÜREN: Sozialprojekt in der Manege

Die jugendlichen Asylsuchenden aus dem Thurhof in Oberbüren sind für eine Woche Artisten. Die Arbeit mit dem Circolino Pipistrello hilft ihnen, sich weiter zu entwickeln.

Julia Mikeladze
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Zwei Asylsuchende üben mit Hilfe eines Zirkusartisten für ihren Auftritt von morgen Samstag. (Bild: Julia Mikeladze)

Zwei Asylsuchende üben mit Hilfe eines Zirkusartisten für ihren Auftritt von morgen Samstag. (Bild: Julia Mikeladze)

OBERBÜREN. Balancierend auf der Slackline, auf Fässern laufend und kletternd an der chinesischen Stange versuchen sich Eritreer, Afghanen und viele andere jugendliche Asylsuchende als Zirkusartisten.

Die Idee für die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen aus dem Thurhof hatte der Circolino Pipistrello selbst, sagt Madeleine Ochsner vom Zirkus. «In unserem Programm waren noch zwei Wochen frei. So suchten wir eine Schule in der Umgebung und stiessen auf den Thurhof und seine Schüler.»

Vertrauen zu Fremden aufbauen

Die grössten Schwierigkeiten der Mineurs non accompagnés (MNA), also Minderjährige, die alleine in der Schweiz ankommen, sind zu merken, dass sie nun an einem sicheren Ort sind. Auch Vertrauen zu Fremden aufzubauen und sich an die Strukturen des neuen Landes zu gewöhnen, ist schwierig für sie. Wegen Änderungen in der Unterbringung von Asylsuchenden hat der Thurhof zurzeit übermässig viele Jugendliche, die speziell betreut werden müssen. Deshalb sind sie froh, dem hektischen Alltag zu entfliehen und die volle Aufmerksamkeit von Erwachsenen zu bekommen. «Das Zirkusprojekt ist ein Geschenk», sagt Markus Gmünder, Mitarbeiter des Asylzentrums. Der Thurhof war bei dem Vorhaben sofort dabei, da sowieso jedes Jahr eine Sonderwoche organisiert werde, sagt er. So kam der Vorschlag sehr gelegen.

In diesen Sonderwochen wird versucht, die Sozialkompetenz der Jugendlichen zu fördern. Dabei käme es nicht einmal darauf an, was man tue, sondern, dass man miteinander etwas erarbeite und so ein Erfolgserlebnis entstehe, sagt Gmünder. Die Arbeit mit dem Zirkus sei dafür optimal geeignet, denn so würden die Jugendlichen auch andere Qualitäten lernen, die der Thurhof ihnen zu vermitteln versuche.

Die Arbeit mache grossen Spass, sagt Madeleine Ochsner. «Die Jugendlichen sind motiviert dabei und haben grosse Freude am Zirkus.» Die Sprachbarriere, die oft noch vorhanden ist, sei kein grosses Problem gewesen. «Hier muss man einfach machen.» Das war auch der Schlüssel zum Vertrauen der jungen Asylsuchenden. Mit dem Aufbau des Zeltes lernten sie, dass ihnen zu erfüllende Aufgaben zugeteilt werden. «Als sie gesehen haben, dass ich mit anpacke, halfen die Jugendlichen mit. Ich fungierte quasi als Vorbild», sagt Madeleine Ochsner. «Durch die Arbeit mit Menschen lernen sie, Verbindungen zu schaffen und nicht stereotypisch zu denken. Heisst, alle können mit allen interagieren, egal ob Mann oder Frau, egal aus welchem Land.»

Weniger Vorurteile dank Akrobatik

Bei der Akrobatik-Gruppe war das Nachlassen der Hemmungen besonders gut zu beobachten. Durch die Hebefiguren mussten Syrer und Eritreer, Mädchen und Jungen, einander berühren, was in einer alltäglichen Situation nicht selbstverständlich ist. «Hier im Zirkus steht nicht die Herkunft oder das Geschlecht im Vordergrund, sondern das Ausprobieren. Das erlaubt den Kontakt mit den Menschen auf einer anderen Ebene», sagt Madeleine Ochsner. Die einzige Hürde sei die Pünktlichkeit gewesen. «Die kannten sie schlicht nicht.»

«Finanziert wird die ganze Aktion von Spenden, da es eine eher spontane und bis jetzt einmalige Aktion war», sagt Markus Gmünder. Die Gelder kommen von Crowd Funding mit einem selbst gedrehten Film, Sponsoren und privaten Spenden.

Die Jugendlichen haben grossen Spass an der Aktion. Sie freuen sich ungemein auf ihren Auftritt, den sie sogar selber musikalisch begleiten. Nervös vor dem Auftritt seien sie nicht, sagen die jungen Artisten.