Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBERBÜREN: Die Lehrerin der Chirurgen

Rosmarie Frick, Oberbüren, erhielt für ihre Leistung als Lehrerin in der Mikrochirurgie den Ehrendoktor des Universitätsspitals Yeditepe, Istanbul. Dank Fleiss, Ausdauer und handwerklichem Talent kam die einstige Schwesternhilfe zu dieser Auszeichnung.
Zita Meienhofer
Dankesbriefe und Anerkennungen für ihre Verdienste in der Mikrochirurgie erhielt Rosmarie Frick schon zuhauf. Die Verleihung des Ehrendoktors ist jedoch einzigartig und freut sie besonders. (Bild: Zita Meienhofer)

Dankesbriefe und Anerkennungen für ihre Verdienste in der Mikrochirurgie erhielt Rosmarie Frick schon zuhauf. Die Verleihung des Ehrendoktors ist jedoch einzigartig und freut sie besonders. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

«Es kommt wie es kommen muss.» Ein Satz, der Rosmarie Fricks berufliche Laufbahn nicht besser beschreiben könnte. Sie, die Krankenschwester werden wollte, keinen Lehrplatz erhielt, Schwesterhilfe wurde, schweizweit in verschiedenen Spitälern arbeitete und schliesslich eine Stelle in der Forschung an der Neurochirurgischen Klinik des Zürcher Universitätsspitals erhielt. Ihr Chef, Professor Gazi M. Yasargil (der damalige Direktor, der der Klinik zu weltweitem Ansehen verhalf), holte sie bald einmal in den Operationsraum, sie durfte instrumentieren, besuchte parallel Kurse, übte und übte und übte – Tag und Nacht. Experimentierte. Nicht nur einmal schlief sie im Labor, weil sie das Tram verpasst hatte. Mit ihrem Fleiss, ihrer Ausdauer und ihrem handwerklichen Geschick schaffte sie es, dass seit mehr als 30 Jahren weltweit Ärzte von ihrem Wissen profitieren und ihre Kurse besuchen.

Sie lehrt die Ärzte Gefässe zu nähen

Nun, was tut Rosmarie Frick, dass sie auch über ihr Pensionsalter – sie ist 68 Jahre – eine überaus gefragte Person ist? Sie arbeitete im Labor für Mikrochirurgie (siehe Kasten), an einem Mikro­s­kop. Mit einer Nadel, die von Auge fast nicht sichtbar ist und einem Faden von 0,1 Millimeter Dicke, experimentierte sie, wie menschliche Gefässe so zusammengenäht oder verbunden (Ana­stomose) werden, dass diese im Körper wieder funktionieren. Menschliche Gefässe beispielsweise im Hals von einem Millimeter oder an der Leiste von 0,5 Millimeter Dicke, Gefässe im und um das Herz, an der Hand. Rosmarie Frick wurde während ihrer Zeit im Forschungslabor immer wieder damit konfrontiert, dass die Ärzte nach neuen Verbindungen verlangten. Sie hatte eine Lösung zu finden und die Ärzte dann zu instruieren, wie genäht werden muss. Bald waren es nicht nur die Zürcher Chirurgen, die von ihrem Können profitieren wollten. Seit 1999 reist sie nach Pakistan, Indien, China, Taiwan, Ungarn, Polen, Italien, in die Türkei und in die USA, um Ärzte ihre Technik zu lehren. Von ihren Aufenthalten zeugen die zahlreichen Geschenke, die sie in einer Vitrine aufbewahrt hat. Erinnerungs­stücke aus den entsprechenden Ländern, Fotos und Briefe. Einen besonderen Platz hat nun ihre Ehrendoktor-Tafel. Sie hat diese kürzlich in Istanbul erhalten. Dort, wo ihr ehemaliger Chef an der Klinik in Zürich, Professor Gazi M. Yasargil, wohnt und wo sie auch regelmässig Kurse erteilt. Professor Gazi M. Yasargil war auch der Initiant dieser besonderen Auszeichnung. Eine Auszeichnung, die Rosmarie Frick sehr freut, die aber auch das Verhältnis zwischen ihr und ihrem ehemaligen Vorgesetzten aufzeigt. Von ihm und wegen ihm habe sie sehr viel gelernt, sagt sie. Wohl nicht nur die Technik, sondern auch die Beharrlichkeit. Professor Gazi M. Yasargil wie auch Rosmarie Frick werden von Kursteilnehmern als «strenge Lehrer» bezeichnet. Rosmarie Frick quittierte diese Bemerkung mit einem Schmunzeln und sagt: «Ich arbeite nicht einfach acht Stunden. Wer es nicht kann, der bleibt. Da können die Kurstage für einige gut von acht Uhr morgens bis halb neun Uhr abends dauern.» Die Übungsstücke müssen perfekt genäht sein, genau so wie sie es wolle. Sie begründet dies damit, dass die Ärzte das Nähen beherrschen müssen, da sie anschliessend im Operationsraum arbeiten – und nicht an ­Silikonschläuchen oder an Tieren wie während des Kurses.

Von der Faszination ihrer Tätigkeit

Rosmarie Frick ist nach wie vor fasziniert von ihrer Arbeit. «Es ist schön zu sehen, dass ein abgeschnittener Finger wieder funktioniert, wenn er angenäht ist.» Die Oberbürerin schätzt es, dass sie ihr Wissen weitergeben kann, dass die Ärzte ihre Kritik annehmen. Mit den Sitten und Bräuchen in anderen Ländern arrangiert sie sich, Lernfaulen hat sie auch schon das Zertifikat zerrissen und über qualitativ schlechtes Material, vor allem Fäden, musste sie sich auch schon ärgern. Anfragen für weitere Kurse dieses Jahr hat sie bereits bekommen. So wird sie bald nach Hongkong reisen, später nach Portugal. Die nächsten Wochen geniesst sie jedoch zu Hause in Oberbüren, wo sie aufgewachsen ist, und wo sie nun wieder wohnt, in der Nähe ihrer Nichte, die zwei Buben im Alter von elf Monaten und dreieinhalb Jahren hat. Mit ihnen, vor allem mit dem Grösseren, macht sie Velotouren, Zug- oder Postautofahrten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.