«Nur vermeintlich ein Abbau»

WIL. Der Stadtrat legt eine neue Schulordnung vor. Nun ist Kritik laut geworden. Moniert wird der Abbau von Kompetenzen beim Schulrat. Schulratspräsidentin Jutta Röösli hält die strategische Ausrichtung des Schulrats für zeitgemäss.

Philipp Haag
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Für Schulratspräsidentin Jutta Röösli ist der Schulrat kein Exekutivorgan, sondern ein die Exekutive beratendes Organ. (Bild: Philipp Haag)

Für Schulratspräsidentin Jutta Röösli ist der Schulrat kein Exekutivorgan, sondern ein die Exekutive beratendes Organ. (Bild: Philipp Haag)

Die Schulen der Stadt Wil sind eigentlich ein kleines Dorf. Täglich bewegen sich um die 2500 Kinder und 320 Lehrpersonen vom Kindergarten bis zur Oberstufe in den zehn Schuleinheiten. Die Verfassung dieses kleinen Dorfes bildet die auf der Gemeindeordnung basierende Schulordnung. Darin ist geregelt, welche Organe welche Kompetenzen haben und wofür sie zuständig sind. Auch der Aufgabenbereich des Schulrats ist im Papier geregelt.

Nun legt der Stadtrat eine neue Schulordnung für die Wiler Schulen vor. Das bestehende Reglement aus dem Jahr 1991 ist entschlackt und den heutigen Gegebenheiten angepasst worden. Bereits ist Kritik an der neuen Schulordnung laut geworden, im besonderen an der Aufgabenstellung für den Schulrat, wie unsere Zeitung berichtete. Im Grundsatz wird moniert, dem Schulrat, einer Exekutivbehörde, würden jegliche Kompetenzen entzogen, da dieser in Zukunft nur noch in beratender Funktion tätig ist. So fällt beispielsweise die Verfügungshoheit zur Beschulung von Kindern in Sonderschulen weg.

Exekutive unterstützendes Organ

Schulratspräsidentin Jutta Rössli lässt die Kritik nicht gelten. Sie habe sich bei der Erarbeitung der Schulordnung eingehend mit den heutigen Strukturen im Schulwesen auseinandergesetzt. «In einer Einheitsgemeinde ist der Schulrat kein Exekutivorgan, sondern ein die Exekutive unterstützendes Organ», sagt sie. «Formal stellt der Schulrat eine Kommission dar.» Sie spricht von einem nur vermeintlichen Abbau von Kompetenzen. Die Zuständigkeit sei bereits heute beschränkt, da der Stadtrat oberstes Leitungs- und Verwaltungsorgan sei. «Inhaltlich ändert sich für den Schulrat die Ausrichtung, weg von der operativen Ebene hin zu einem Organ mit strategischem Charakter.» Jutta Röösli nimmt das Beispiel der Sonderbeschulung. Bis ein Kind einer Sonderschule zugewiesen werde, sei ein intensiver Abklärungsprozess notwendig, bei dem mehrere Parteien involviert seien, das Kind, die Eltern, der Lehrer, der Schulleiter, der Schulpsychologische Dienst und die Schulverwaltung.

Dabei stehe immer das Anliegen im Vordergrund, eine Lösung zum Wohl des Kindes zu finden, sagt Jutta Röösli, «und nicht, wer schliesslich den Entscheid absegnet». Sind die Eltern mit der Verfügung nicht einverstanden, ist das kantonale Bildungsdepartement Rekursinstanz. Überdies handelt es sich um wenige Fälle pro Jahr.

Geschäfte mit Relevanz

Jutta Rössli sieht im nun vorliegenden Vorschlag eine konsensfähige und zeitgemässe Lösung, die mit einer Professionalisierung einhergeht, aber weiterhin Volkes Stimme umfasst. Indem der weiterhin von der Bevölkerung gewählte Schulrat, der auf das Jahr 2017 von elf auf fünf Mitglieder reduziert wird, keine operativen Tätigkeiten mehr wahrnimmt, «haben die Mitglieder die Ressourcen und die Zeit, sich mit den Schulthemen, die zuweilen komplex sein können, intensiv auseinanderzusetzen und bis ins Detail zu diskutieren». Dabei geht es um Geschäfte, die eine städtische Relevanz aufweisen. «Bei bedeutenden Projekten der Schule ist es die Aufgabe des Schulrats, Stellung zu nehmen», sagt Jutta Röösli. Das Gremium kann Vorschläge unterbreiten und Anträge stellen. So durchlief beispielsweise der Antrag des Stadtrats an das Parlament für die Etablierung der Tagesstrukturen zweimal eine Sitzung des Schulrats. Der Schulrat berät auch das Budget der Wiler Schulen.

Um die beratende Funktion fundiert ausüben zu können, soll der Schulrat näher an den Stadtrat rücken. «Beratung basiert auf einem Dialog», sagt Jutta Rössli. Aus diesem Grund wurde bereits ein zweimal jährlich stattfindendes Treffen zwischen Schulrat und Stadtrat eingeführt. Ob der Schulrat neben der Beratung des Stadtrats noch weitere Aufgaben übernimmt, ist noch offen. Jutta Röösli geht davon aus, dass das Gremium den Stadtrat und das Bildungsdepartement im Controlling unterstützen wird. In der Schulordnung ist die Aufsichtsfunktion des Schulrats lediglich in der «Kann»-Form festgeschrieben. Der Grund liegt darin, dass das kantonale Bildungsdepartement die Controlling-Richtlinien neu erarbeitet. «Die Ausgestaltung dieser Vorgaben ist uns noch nicht bekannt», sagt Jutta Röösli.

Niveaugruppen sind Option

Auch eine andere Beschreibung in der Schulordnung, die ebenfalls Bedenken auslöste, kann Jutta Röösli begründen. In der Schulordnung ist festgehalten, dass der Schulbetrieb an der Oberstufe in Regelklassen ohne Niveaugruppen stattfindet. «Der Kanton verlangt, dass in der Schulordnung das gegenwärtige System genannt wird», sagt Jutta Röösli. Das Unterrichten in Niveaugruppen ist für die Wiler Schulen eine Option. «Die durchlässige Oberstufe wird im Projekt Schule 2020 sicher geprüft», sagt Jutta Röösli.

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