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Nur noch eine ARA für elf Gemeinden

Der Grundsatzentscheid ist gefallen: Die Abwässer von Wil, Jonschwil, Uzwil und Zuzwil sollen künftig in der ARA Niederuzwil gereinigt werden. Mikroverunreinigungen machen Zusammenschlüsse dieser Art in der ganzen Schweiz unabdingbar.
Hans Suter
Blick von oben auf die Abwasserreinigungsanlage nahe der Autobahn A1 in Niederuzwil.(Bild: Peter Dotzauer/Bildform Henau)

Blick von oben auf die Abwasserreinigungsanlage nahe der Autobahn A1 in Niederuzwil.(Bild: Peter Dotzauer/Bildform Henau)

Gemunkelt wurde es schon lange, nun herrscht Klarheit: Nicht die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Wil wird mit einer neuen Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen (siehe Zusatztext) ausgestattet, sondern die ARA Niederuzwil. Das hat die 2016 von den Gemeinden Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil eingesetzte Lenkungsgruppe gestern mitgeteilt. Nach einer umfassenden Studie ist diese zum Schluss gekommen, dass der Bau einer gemeinsamen, modernen ARA am Standort der heutigen ARA Niederuzwil aus verschiedenen Gründen die für alle Beteiligten beste Lösung darstellt. So liege das Areal in der Industriezone nahe der Autobahn und sei gut erschlossen. Verschiedene Teile der heutigen ARA, wie beispielsweise das Vorklärbecken, könnten für eine gemeinsame ARA weitergenutzt werden. Zudem sei das Leitungsnetz des Abwasserverbandes Uzwil bereits auf diesen Standort ausgerichtet.

Bestehendes Areal reicht voraussichtlich aus

«Eine ARA wird in zunehmendem Mass auch zu einer Energiezentrale», sagt Lucas Keel. Aus Reststoffen lässt sich Energie gewinnen. (Bild: Ralph Ribi)

«Eine ARA wird in zunehmendem Mass auch zu einer Energiezentrale», sagt Lucas Keel. Aus Reststoffen lässt sich Energie gewinnen. (Bild: Ralph Ribi)

Je nach Wahl des Reinigungsverfahrens reiche die heutige Fläche aus, um das gesamte Abwasser der Region zu reinigen und gleichzeitig die Mikroverunreinigungen zu eliminieren. «Zudem können die Abwässer aus Wil, Jonschwil und Zuzwil aufgrund der topografischen Verhältnisse mit relativ wenig Pumpaufwand nach Niederuzwil geleitet werden, was energetische und wirtschaftliche Vorteile bringt», sagt Luca Keel, Vorsitzender der Lenkungsgruppe und Gemeindepräsident von Uzwil. «Vor allem aber ist eine zentrale ARA in Uzwil aus ökologischer Sicht eine sehr gute Lösung, da das gesamte Abwasser der Region Wil-Uzwil von Mikroverunreinigungen gereinigt wird.» Dadurch werde die Wasserqualität der Thur, in deren Einflussbereich sich zahlreiche wichtige Grundwasserfassungen für die Trinkwasserversorgung befinden, massgeblich verbessert.
Im Gegensatz zu einem Spital sei eine Kläranlage deutlich weniger begehrt, gibt Lucas Keel mit einem Lächeln zu bedenken. In Niederuzwil sei die Anlage jedoch willkommen. Die zuständigen Stellen würden indes gut darauf achten, dass möglichst keine zusätzlichen Emissionen wie Geruch oder Lärm entstehen.

Gemeinsame Anlage verspricht Betriebsvorteile

Mit Blick auf die Revision der Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes hat der Kanton St. Gallen zwischen 2012 und 2015 gemeinsam mit den Gemeinden im Einzugsgebiet der Thur untersuchen lassen, wie die Anforderungen zur Elimination von Mikroverunreinigungen erfüllt werden können. Die Grundlagenstudien verfolgten, neben einer ökologischen, auch eine ökonomische Perspektive. Wirtschaftlichkeitsberechnungen verschiedener Kooperationsmodelle kämen zudem zum Schluss, dass eine gemeinsame ARA wegen der gebündelten Investitionen in die Infrastruktur und der insgesamt tieferen Betriebskosten für alle Beteiligten deutliche Kostenvorteile mit sich bringen würde.

Grundlagen für Kostenschätzung erarbeiten

In einem nächsten Schritt soll die Idee einer gemeinsamen ARA Region Wil-Uzwil in einem Vorprojekt konkretisiert werden. Zu diesem Zweck haben sich die beteiligten Gemeinden zur «Planungsgemeinschaft ARA Region Wil-Uzwil» zusammengeschlossen. Das Vorprojekt werde die Grundlagen für eine belastbare Kostenschätzung und für die Definition eines Kostenteilers zwischen den Beteiligten schaffen. Beides werde den Gemeinden dazu dienen, die Pläne für das Generationenprojekt ARA Region Wil-Uzwil den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern vorzulegen. Dies wird voraussichtlich in etwa zwei Jahren der Fall sein. Was geschieht mit den ARA in Schwarzenbach, Wil und Zuzwil? «Das ist noch offen», sagt Lucas Keel. Denkbare Varianten seien die Nutzung als Havariebecken oder ein Rückbau.

Kampf gegen die unsichtbare Verschmutzung

Mikroverunreinigung  Unter diesem Begriff wird eine Vielzahl organischer Spurenstoffe zusammengefasst, die in unseren Gewässern trotz sehr tiefer Konzentration natürliche biochemische Prozesse beeinflussen können. In der Schweiz sind über 30000 solcher Stoffe in verschiedensten Produkten in Gebrauch. Beispiele sind Medikamente, Körperpflegeartikel, Lebensmittelzusatzstoffe, Industriechemikalien, Pestizide oder Reinigungsmittel. Gelangen diese Stoffe ins Wasser, können sie – auch in sehr tiefen Konzentrationen – Wasserlebewesen schädigen. Gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) stellen Mikroverunreinigungen für die Gesundheit des Menschen nach heutigem Wissensstand keine Gefahr dar.

Herkömmliche ARA können Mikroverunreinigungen nicht oder nur unvollständig beseitigen. Zu deren grosstechnischen Elimination haben sich in den vergangenen Jahren zwei Verfahren durchgesetzt: Die Behandlung des Abwassers mit Aktivkohle und die Ozonung. Bei der Behandlung mit Aktivkohle werden die Mikroverunreinigungen physisch aus dem Abwasser entfernt. Bei der Ozonung werden sie im Abwasser abgebaut.

Sodann fragt sich, wer die Kosten für die Nachrüstung der ARA tragen muss. Aufgrund der 2016 revidierten nationalen Gewässerschutzgesetzgebung müssen schätzungsweise 100 der 700 Schweizer ARA mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe nachgerüstet werden. Die dafür notwendigen Investitionen werden zu 75 Prozent vom Bund übernommen, der im Gegenzug bei den Betreibern kommunaler ARA von 2016 bis 2040 eine Abgabe von neun Franken pro Einwohner und Jahr erhebt. Alle an eine nachgerüstete ARA angeschlossenen Gemeinden sind von dieser Abgabe befreit.

Insgesamt elf politische Gemeinden werden ihr Abwasser in die geplante ARA Region Wil-Uzwil einspeisen: Es sind dies Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil sowie die heute in deren ARA einspeisende Gemeinden Kirchberg, Niederhelfenschwil, Oberuzwil, Rickenbach (TG), Sirnach (TG), Wilen (TG) und Wuppenau (TG).

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