«Nur noch das tun, was Spass macht»

Der Sportjournalist Peter Wyrsch aus Wil ist 65 Jahre alt. Ende dieses Monats geht er in Pension. Während seiner Tätigkeit hat er Magistraten wie den Bundesräten Koller, Merz und Maurer die Hand gedrückt und ist praktisch mit allen nationalen und internationalen Springreitern per du.

Urs Nobel
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Springreiter Bruno Candrian beim Fachsimpeln mit Journalist Peter Wyrsch. (Bilder: pd)

Springreiter Bruno Candrian beim Fachsimpeln mit Journalist Peter Wyrsch. (Bilder: pd)

ALLGEMEIN. Peter Wyrsch ist seit 45 Jahren Sportjournalist. Der ehemalige Primarlehrer an der Mittelstufe in Niederuzwil begann hobbymässig. Seit 35 Jahren ist er aber im Journalismus hauptberuflich tätig. Während seiner Tätigkeit hat er weit über tausend Matchberichte, Analysen und Kommentare geschrieben. Seine Vorlieben galten stets dem Fussball und dem Pferdesport. Als Journalist der Sportinformation in Zürich hatte er sich jedoch als Generalist mit sämtlichen Sportarten zu befassen und erhielt dadurch ein immenses Wissen. Nach seiner Pensionierung wird er weiterhin auf Sportplätzen und in Sportarenen anzutreffen sein. Vorzugsweise in der AFG Arena bei Heimspielen des FC St. Gallen oder an diversen interessanten Pferdesportturnieren. Diese will er gezielt selber auswählen, denn er sagt, dass er nur noch das tun wolle, was ihm wirklich Spass mache.

Immer grösserer Stellenwert

Den Lehrerberuf koppelte er früh mit einer Nebenberufstätigkeit als Lokalkorrespondent bei der «Ostschweiz» und dem St. Galler Tagblatt. Der Sportjournalismus nahm aber einen immer grösseren Stellenwert in seinem Leben ein. Es folgten Mandate beim St. Galler Tagblatt, dem «Sport» und dem «Blick». Sechs Jahre war der in Bern aufgewachsene Urner, der seit 1993 in Wil wohnt, auch freier Mitarbeiter beim Fernsehen DRS. 1981 folgte der definitive Schritt vom Sekundarlehrer zum Profijournalisten. Er nahm eine Stelle als Sportredaktor beim St. Galler Tagblatt an und wurde nur zwei Jahre später Sportchef. 1990 wechselte er zur Sportinformation, wo er als Redaktor und Ressortleiter in den Sparten Fussball und Pferdesport wirkte.

52 Länder in allen Kontinenten

Seine Tätigkeit brachte den passionierten Sportfreak in 52 Länder auf allen Kontinenten. Er stand an fünf Sommer-Olympiaden und je fünf Fussball-Europa- und -Weltmeisterschaften im Einsatz. Seit 40 Jahren hat er keine Welt- oder Europameisterschaft im Pferdesport verpasst und dabei alle Medaillengewinne der Schweizer Concours-Reiterinnen und -Reiter vor Ort live miterlebt. 25 Jahre lang war Peter Wyrsch zudem Medienchef des CSIO in St. Gallen und hat einen massgeblichen Beitrag zur positiven Publizität des Turniers im In- und Ausland geleistet. Die jeweils von ihm geführten Pressekonferenzen waren absolut professionell. Er wusste nicht nur, was die verschiedenen Journalistenkollegen benötigten, er sorgte auch dafür, dass sie zu ihren Informationen kamen.

Fussball und der FC St. Gallen

Fussball und der FC St. Gallen lagen ihm aber stets am nächsten. Weil er um seine Sympathien für den FCSG wusste, nahm er gegenüber den Ostschweizern stets eine kritische Haltung ein. Wyrsch erinnert sich gerne an die Zeiten mit den Trainern Schadegg, Perusic, Johannsen, Sommer oder Koller und könnte stundenlang über Erlebnisse mit diesen Persönlichkeiten berichten. Besonders imponiert hat ihm der ehemalige St. Galler Spieler Beat Rietmann, der Spitzensport und Ausbildung perfekt unter einen Hut brachte. Beim ehemaligen Nationaltrainer Köbi Kuhn schätzte er dessen Bescheidenheit, Offenheit und Ehrlichkeit und bewunderte dessen Bauchgefühl. Uli Stielike bezeichnet er als Person mit einem markanten Sieges-Gen, das seine Arbeit mit der Schweizer Nationalmannschaft geprägt und unter Roy Hodgson auf Erfolgskurs gebracht habe. Wyrsch erinnert sich auch gerne an Hugo Rubio und Ivan Zamorano, die er zusammen mit der ersten Mannschaft des FCSG in ein Trainingslager nach Chile begleitete.

Zahlreiche Persönlichkeiten

Unvergessen bleibt ihm auch ein Exklusivinterview mit Juan Antonio Samaranch, dem ehemaligen IOC-Präsidenten. Und stolz ist er auch, dass er einst mit Pelé bei einem Nachwuchsprojekt zusammenarbeiten durfte. Sein liebstes Erinnerungsstück ist denn auch ein Originaltrikot des Brasilianers, handsigniert mit der Nummer 10. Peter Wyrsch kennt auch Sepp Blatter und ist per du mit dem umstrittenen Walliser. «Ich habe seinerzeit noch mit ihm gefrühstückt, bevor er anschliessend erstmals zum Fifa-Präsidenten gewählt wurde.» Timo Konietzka chauffierte den Journalisten einmal persönlich von Zürich nach Basel, weil er sonst ein Flugzeug zu einem Europacupspiel des FC Basel verpasst hätte. In der Luft mit den jeweiligen Teams, die er begleitete, kam es häufig auch zu Gesprächen abseits des grünen Rasens. So beispielsweise mit Alain Sutter über dessen Lieblingsthema, die Esoterik. Als schwierig bezeichnet Wyrsch den Umgang mit dem Olympiasieger Steve Guerdat: «Er ist nicht leicht zu fassen und launisch. Er sagt selbst, dass er einen <Scheisscharakter> habe.»

Informationen aus der Zeitung

Der Beruf des Sportjournalisten ermöglichte Peter Wyrsch viele Reisen, in denen er interessante Menschen kennenlernen durfte. Er hat auch den Wandel, in welchem der Journalismus steckt, miterlebt. «Früher war die Zeitung DIE Informationsquelle. Aus dieser erfuhr man die Neuigkeiten. Mit zunehmender Informationsflut wurden die Sportteile ausgebaut und auch vielfältiger. Heute verbreiten die elektronischen Medien die News. Ein Umdenken hat stattgefunden. Heute steht man unter enormem Zeitdruck. Tempo hat Priorität vor Qualität und Recherche.» Das findet er schade.

Früher, noch auf dem Espenmoos: Der junge Peter Wyrsch mit Rolf Blättler.

Früher, noch auf dem Espenmoos: Der junge Peter Wyrsch mit Rolf Blättler.

Peter Wyrsch wird Ende dieses Monats pensioniert.

Peter Wyrsch wird Ende dieses Monats pensioniert.

Unvergesslich: Exklusiv-Interview von Peter Wyrsch mit Juan Antonio Samaranch. (Bild: Nobel Urs)

Unvergesslich: Exklusiv-Interview von Peter Wyrsch mit Juan Antonio Samaranch. (Bild: Nobel Urs)

Cüpli mit Marie Theres Nadig, nicht mit Prinzessin Haya. (Bild: Nobel Urs)

Cüpli mit Marie Theres Nadig, nicht mit Prinzessin Haya. (Bild: Nobel Urs)

Pelé signierte persönlich für seinen Freund Peter. (Bild: Nobel Urs)

Pelé signierte persönlich für seinen Freund Peter. (Bild: Nobel Urs)