Nur nichts tun ist falsch

Die beiden öffentlich zugänglichen Defibrillatoren in Wil wurden bisher noch nie gebraucht. Trotzdem plant der Förderverein Frühdefibrillation weitere Geräte anzuschaffen, da im Ernstfall jede Sekunde über Leben oder Tod entscheidet.

Simon Dudle
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WIL. Auf den ersten Blick haben der Flughafen in Kloten und die Stadt Wil nicht viel gemeinsam. Bei einem Detail ist aber eine Übereinstimmung feststellbar. An beiden Orten gibt es nämlich alle 90 Gehsekunden einen Defibrillator. Mit dafür verantwortlich, dass auch in unserer Region immer mehr solcher Geräte installiert werden, ist der Verein Frühdefibrillation Wil und Umgebung. Das bekannteste Gesicht im Vorstand ist Walter Engelhard, der ehemalige Geschäftsführer der Wiler Werke von Stihl. Ein tragischer Vorfall hat ihn veranlasst, die Gründung eines solchen Vereins voranzutreiben. Vor rund 20 Jahren brach ein Mitarbeiter direkt vor seiner Bürotür zusammen und hatte einen Herzstillstand. Da es damals noch keine Defibrillatoren gab und Wiederbelebungsmassnahmen nichts nutzten, musste kurze Zeit später der Tod festgestellt werden.

Gründung dank Spende

Dieser Vorfall hat bei Engelhard tiefe Spuren hinterlassen, und er besuchte einige Jahre später einen Vortrag im Wiler Spital zu Defibrillatoren, die damals so langsam aufkamen. Kurze Zeit später spendete er der Feuerwehr Wil ein solches Gerät. Immer mehr entwickelte sich bei Engelhard die Idee, einen Förderverein zu gründen. Dieser wurde – auch dank einer 30 000-Franken-Spende von Stihl – aus der Taufe gehoben.

Noch nie gebraucht

Die Ziele des Vereins sind die Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung an den Defibrillatoren, finanzielle Beiträge in dieser Thematik zu leisten, und vor allem sollen die bereits bestehenden Standorte bekannter gemacht werden. Der erste in der Region öffentlich zugängliche Defibrillator – auch AED genannt – wurde 2006 am Wiler Bahnhof errichtet, der zweite und bis anhin letzte folgte im Sommer dieses Jahres in der Oberen Bahnhofstrasse Wils. Auch im Hof zu Wil beim Durchgang zum Innenhof, im Rathaus sowie im Wiler Stadtsaal gibt es je einen Defibrillator, der allerdings nur öffentlich zugänglich ist, wenn die entsprechenden Zugangstüren während der Geschäftszeiten geöffnet sind.

Das Paradoxe an diesen Defibrillatoren ist, dass der Förderverein Geld in Geräte investiert und dabei hofft, diese nie zu gebrauchen. «Hierbei dürfen die wirtschaftlichen Überlegungen nicht entscheidend sein», sagt Walter Engelhard dazu. Glücklicherweise musste weder der Defibrillator am Bahnhof noch jener an der Oberen Bahnhofstrasse je gebraucht werden.

In der Region verankern

Noch ist der Verein aber längst nicht am Ziel, und es gibt noch viel zu tun. So trauen sich noch immer viele Leute aus Angst nicht, einen Defibrillator im Ernstfall zu benutzen. «Das einzige, was man falsch machen kann, ist, nichts zu tun», sagt Engelhard dazu. Die Bedienung ist kinderleicht, da die Geräte sprechen können und Anweisungen geben. «Die Angst vor Fehlern ist auch darum unbegründet, weil man mit diesem Gerät niemandem Schaden zuführen kann», ergänzt der ehemalige Stihl-Geschäftsführer.

In den nächsten Monaten und Jahren hat sich der Verein Frühdefibrillation Wil und Umgebung zum Ziel gesetzt, noch weitere AED zu installieren, da in einem Ernstfall jede Minute oder gar Sekunde über Leben oder Tod entscheiden kann. Dabei sollen auch die Gemeinden rund um Wil mit einbezogen werden.