Nur einer ist in einer Partei, aber alle sind bürgerlich: Die drei Kandidaten für das Niederhelfenschwiler Gemeindepräsidium zeigten am Podium Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Bald wissen die Niederhelfenschwiler, ob ihr neuer Gemeindepräsident Bläuer, Gahlinger oder Zuberbühler heisst. Um sich ein Bild von drei Kandidaten zu machen, konnten sie am Mittwochabend an einer Podiumsdiskussion teilnehmen.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Sie wollen in Niederhelfenschwil Gemeindepräsident werden: Wilhelm Bläuer, Peter Zuberbühler und Damian Gahlinger.

Sie wollen in Niederhelfenschwil Gemeindepräsident werden: Wilhelm Bläuer, Peter Zuberbühler und Damian Gahlinger.

Bild: Christof Lampart (Zuckenriet, 26. August 2020)

Eines wurde in der voll besetzten Aula Sproochbrugg schnell einmal deutlich: Obwohl mit dem SVP-Kantonsrat Damian Gahlinger gerade einmal ein Drittel der Kandidaten ein Parteimitglied ist, verstehen sich auch die beiden anderen Kandidaten als dezidiert bürgerlich.

Während Wilhelm Bläuer einräumte, in der Sicherheit zur SVP, bei den Finanzen zur FDP zu neigen, bezeichnete sich der offizielle Kandidat der Findungskommission, Peter Zuberbühler, als «leicht rechts von der Mitte». Er könne sich, je nach Thema, in der SVP, der FDP oder CVP verorten, was erkläre, warum für ihn ein Parteieintritt keine Option sei.

Derweil Bläuer und Zuberbühler klipp und klar betonten, dass sie sich auf die Führung des Dorfes beschränken wollten und kein Kantonsratsmandat anstrebten, betonte Gahlinger, dass er weiter im Kantonsrat tätig sein wolle, da diese Verbindung für die Gemeinde einen Mehrwert bringe.

Kontroverse Meinungen bei Neuansiedlungen

Differenzen zeigten sich bei der möglichen Neuansiedlung von Firmen. Während Gahlinger und Zuberbühler das bereits vorhandene Gewerbe in den drei Dörfern stärken und die ländliche Dorfstruktur unbedingt erhalten wollten, sah Bläuer grosse Chancen durch die Neuansiedlung von Dienstleistungsfirmen, um die Steuern zu senken.

Letzteres sei sowieso eines seiner Kernziele, so Bläuer. Zwar werde die Coronakrise sicher zuerst zu rückläufigen Steuereinnahmen führen, aber bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode sei eine Senkung auf 110 oder weniger Steuerprozenten machbar.

Das Podium stiess bei den Wählerinnen und Wählern auf grosses Interesse. Es herrschte Maskenpflicht.

Das Podium stiess bei den Wählerinnen und Wählern auf grosses Interesse. Es herrschte Maskenpflicht.

Bild: Christof Lampart (Zuckenriet, 26. August 2020)

Gefragt nach seiner Motivation für die Kandidatur – das Podium wurde vom stellvertretenden Redaktionsleiter der «Wiler Zeitung», Hans Suter, moderiert – bekannte Bläuer, dass die eigene Unzufriedenheit mit der Gemeindeentwicklung zur Kandidatur geführt habe: «Wir müssen alles tun, damit die Gemeinde qualitativ wachsen und die Steuern senken kann – ohne dabei die bisherige Lebensqualität aufzugeben», betonte Bläuer.

Auch Damian Gahlinger war klar der Meinung, dass «in den vergangenen sechs Jahren vieles nicht so lief, wie es hätte laufen sollen». Als ein im Dorf verwurzelter Mensch wolle er aber zukünftig «für alle stets da und greifbar sein – unabhängig vom tatsächlichen Pensum. Auf mich kann man immer zählen», erklärte der Baufachmann jovial.

«Hobby zum Beruf machen»

Peter Zuberbühler, aktuell noch Gemeinde- und Schulpräsident im zürcherischen Wasterkingen, erklärte, dass ihm die Stelle in Niederhelfenschwil die Gelegenheit gebe, das bisherige «Hobby zum Beruf zu machen». «Hier bietet sich mir die Möglichkeit, dass ich mich ganz auf diese Tätigkeit konzentrieren und mich in die Gemeinde einbringen kann. Und da mir die Gemeinde, die Struktur und die lebendige Gemeinschaft gut gefallen, habe ich mich für eine Kandidatur entschieden», sagte Zuberbühler auf die Frage eines Zuhörers, der wissen wollte, was ihn dazu bewogen habe, in die Ostschweiz umziehen zu wollen.

Er selbst, so Zuberbühler, verfüge über keine eigentliche politische Agenda, sondern versuche, die anstehenden Themen aktiv anzugehen. «Ich bin ein normaler, geerdeter Mensch, der sich nicht in einem Zimmer verkriecht, sondern auf die Menschen zugeht.»

Wilhelm Bläuer betonte, dass er es gewohnt sei, «prozessorientiert» zu denken und zu handeln, weshalb er auch bei der Leitung der Administration so vorgehen wolle. «Ich schaue gerne, wie andere etwas machen; vielleicht machen sie es ja besser als ich und ich kann daraus lernen», verriet Bläuer sein Erfolgsrezept.

Teil im grossen Gemeinde-Puzzle

Damian Gahlinger räumte ein, «manchmal ein bisschen streng und ehrgeizig» zu sein, doch zugleich sei er «volksnah und unkompliziert», denn «auch ein Gemeindepräsident ist nichts anderes als ein Teil im grossen Gemeinde-Puzzle», definierte er seine Position.

Eine Stärke sieht der selbstständige Baufachmann in der Fähigkeit der achtsamen Voraussicht. «Ich habe in den vergangenen Jahren oftmals in der Gemeinde Entwicklungen voraussehen können. Diese Fähigkeit möchte ich auch zukünftig für Niederhelfenschwil zum Besten nutzen», sagte Gahlinger.

Mehr zum Thema