Nur ein abgekartetes Spiel der SVP?

Wie viele Bierchen oder Drinks braucht es, um in regionalen und nationalen Medien Schlagzeilen zu machen? Im Fall der jungen Wiler Stadtparlamentarierin Sarah Bösch wohl nur wenige, die Wirkung war dafür umso grösser.

Hans Suter
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Wie viele Bierchen oder Drinks braucht es, um in regionalen und nationalen Medien Schlagzeilen zu machen? Im Fall der jungen Wiler Stadtparlamentarierin Sarah Bösch wohl nur wenige, die Wirkung war dafür umso grösser. Mit 0,8 Promille Alkohol im Blut blieb die 33-Jährige am Sonntag in einer Polizeikontrolle hängen. «Kann jedem mal passieren», lautet der Grundtenor gerne und oft. Dass dies trotz des häufigen Herunterspielens kein Kavaliersdelikt ist, erfuhr die SVP-Politikerin spätestens beim Warten auf die Blutentnahme. Diese Wissenserweiterung ärgerte sie allerdings so sehr, dass sie noch während des Wartens auf Facebook die Polizei kritisierte. Was sie dabei wohl nicht bedachte: Sie posaunte in die ganze Facebook-Welt hinaus, dass sie betrunken Auto gefahren war und mit diesem Verhalten andere Menschen gefährdet hatte. Insbesondere der zweite Teil dürfte noch nicht Teil ihrer Gedanken gewesen sein. Möglicherweise ist es ihr egal. Auch, dass von ihr als alleinerziehender Mutter wohl viele ein vorbildlicheres Verhalten erwartet hätten. Sie selbst nimmt es gelassen und bezichtigt stattdessen die Polizei der Bürokratie. Mit diesem Verhalten hat Sarah Bösch die Medien auf sich aufmerksam gemacht. Das wiederum löste eine Fülle an Leserreaktionen aus. Tag für Tag gab es etwas Neues zum Fall zu lesen. Heute, rund eine Woche später, wird der Speer umgedreht. SVP-Kumpanen geben zwar zu bedenken, alkoholisiert Auto zu fahren sei nicht eben eine tugendhafte Tat. Doch dies dürfe auch nicht überbewertet werden. Vielmehr solle man endlich damit aufhören, dauernd SVP-Politikerinnen und SVP-Politiker zu verunglimpfen. So tönte es schon, als der Wiler SVP-Fraktionschef Mario Schmitt wegen rassistischer Vorwürfe vor Gericht gezerrt worden war.

Alles Täuschung? Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, diese Vorfälle seien von der SVP inszeniert worden, um das Bezirksgericht wieder von Flawil nach Wil zu kriegen. Mitunter muss sich frau eben auch mal mit ein paar Drinks für die Partei aufopfern. Sodann: Prost!