Nur bei zwei, aber guten Vereinen

Adrian Allenspach spielte als Profi beim FC St. Gallen, FC Sion und FC Wil. Dann wirkte er fünf Jahre als Trainer in Bazenheid und knapp zehn Jahre beim FC Tuggen. Dort hat er kurz vor Vorrundenende aufgehört.

Urs Nobel
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Adrian Allenspach war über zehn Jahre Trainer beim FC Tuggen. (Bild: Carlo Stuppia)

Adrian Allenspach war über zehn Jahre Trainer beim FC Tuggen. (Bild: Carlo Stuppia)

Urs Nobel

urs.nobel@wilerzeitung.ch

Adrian Allenspach, haben Sie schon Entzugserscheinungen, seit Sie nicht mehr Trainer beim FC Tuggen sind?

Das ist nur halb so schlimm, ­zumal jetzt sowieso Winterpau- se ist und ich Zeit für mich, meine Familie und meine Freunde habe.

Kam Ihr Rücktrittsentscheid tatsächlich so freiwillig, wie er seitens des Vereins kommuniziert wurde?

Das ist so. Die Mannschaft war im vergangenen halben Jahr nicht mehr so erfolgreich. Das erleichterte meinen Entscheid. Ich wollte dem Team die Gelegenheit geben, mit einer neuen Führung wieder neuen Schwung zu erleben. Geplant war mein Rücktritt zwar erst auf die Winterpause hin. Mein Nachfolger äusserte jedoch den Wunsch, bereits die letzten zwei Spiele die Verantwortung zu übernehmen.

Was hat mehr den Ausschlag zum Rücktritt gegeben? Der sportliche Misserfolg oder der berufliche und familiäre Aspekt?

Es ist unbestritten, dass so viele Negativresultate an einem nagen. In meinem Fall war es jedoch zur Hauptsache so, dass die Batterien nach 14 ? Jahren Trainertätigkeit leer waren.

Die Familie und ihre Tätigkeit als Versicherungsberater spielten bei ihrem Entscheid also keine Rolle?

Nein. Aber es ist schon so, dass meine Familie lange hintenanstehen musste und ich jetzt mehr für sie da sein kann.

Ihr Chef wird nicht unglücklich sein, dass sein Mitarbeiter jetzt mehr Zeit für die Arbeit hat?

Das ist kein Thema. Ich habe meine Arbeit schon vorher nach seinen Vorstellungen erfüllt, und daran wird sich auch künftig nichts ändern.

Welche Bilanz ziehen Sie aus Ihrer Tätigkeit bei Tuggen?

Nur eine gute. Ich bin bisher nur bei zwei Vereinen Trainer gewesen. Bei zwei guten mit guten Vorständen. Ich möchte diese Zeit keinesfalls vermissen.

Im Winter wird auch gerne einmal ein Trainer ausgewechselt. Können Sie sich vorstellen, bald eine neue Mannschaft bei einem anderen Verein zu übernehmen?

Nein. Ich denke nicht, dass ich in dieser Saison nochmals Trainer eines Teams sein werde. Es kann nicht das Ziel sein, nach der Vorrunde bei einem der absolut besten Vereine in der Gegend aufzuhören, um in der Rückrunde einen anderen Verein zu übernehmen.

Aber in der nächsten Saison?

Darüber mache ich mir noch ­keine Gedanken. Ich werde keinen Trainerjob bei irgendeinem Verein antreten, nur damit ich wieder Trainer sein kann. Ich habe eine lange Zeit ­einen grossen Aufwand für den Fussball betrieben. Jetzt will ich die andere Seite des Lebens kennen lernen.

Ihr langjähriger Assistent Guschti Geiger ist trotz Ihres Rücktritts beim FC Tuggen geblieben. Ist dieser Entscheid nachvollziehbar?

Wir haben die Situation gemeinsam diskutiert. Geiger wollte eigentlich auch aufhören. Zumal mein Nachfolger Bruno Berner einen Assistenten mitbringen wollte. Dieser kann aber nicht immer dabei sein, und so hat sich Guschti bereiterklärt, in jenen Trainings noch mitzutun, wenn Berner ohne Assistent ist. Guschti Geiger wird jedoch sein zehntes Jahr als Assistent beim FC Tuggen im Sommer beenden und dann gebührend verabschiedet. Geiger wird bis dann 40 Jahre Trainer oder Assistent gewesen sein.

Sind sie froh, nicht mehr jeden Tag über den Ricken fahren zu müssen?

Ich hatte nie Probleme mit dem Weg nach Tuggen, im Gegenteil. Für mich war es Erholung, im Auto den Weg ins Training auf mich zu nehmen. Ich konnte dabei abschalten. In Lichtensteig habe ich jeweils Guschti abgeholt und wir beide nützten die gemeinsame Fahrtzeit, uns während 20 Minuten auszutauschen. Das empfanden wir wichtig und das hat 0zusammengeschweisst.