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Nützlich für den persönlichen Bereich in einer immer abstrakteren Welt

«Ein Kampf für die Handarbeit», Ausgabe vom 24. Juli 2017
Verena Gysling, Wil

Rita Scheiwiller, Lehrerin an der Oberstufe Lindenhof, setzt sich dafür ein, dass das Fach Handarbeit und Hauswirtschaft nicht zum Wahlfach degradiert wird, sondern wieder Pflichtfach für alle wird.

Dieses Anliegen kann ich nur unterstützen. Zu einer ganzheitlichen Bildung gehören auch ein Minimum an handwerklichem Geschick (nicht nur agile Daumen fürs Handy), auch wenn dies nicht mehr immer zwingend ist für eine künftige Berufsausbildung, sondern «nur» nützlich für den ganz persönlichen Bereich in einer immer abstrakteren Welt. Denken wir an die täglich anfallenden Aufgaben bei der Instandhaltung des persönlichen Umfelds (Bekleidung, Haushalt, Fahrzeuge, Sportgeräte usw.) sowie an die persönliche Befriedigung durch kreative Tätigkeiten wie das Gestalten der eigenen Räume, das Zubereiten einer Mahlzeit für den Freundeskreis, ganz zu schweigen von der Pflege der Garderobe.

Mein Augenmerk zielt aber noch auf etwas anderes: die Integration der vielen Kinder aus zum Teil ganz anderen Kulturen in die schweizerische Art, unsere Gesellschaft zu gestalten und unsere gesellschaftlichen Errungenschaften zu erhalten. Verglichen mit vielen anderen Ländern haben wir es gut gemacht, unsere Lebensqualität ist sehr hoch. Ich bin überzeugt, dass dies auch mit unserer Allgemeinbildung in der Schule zu tun hat und dass das Fach Handarbeit und Hauswirtschaft (bis hin zum früheren sogenannten Obli oder der Rüebli-RS für Mädchen an höheren Schulen) seinen Teil zu diesem Bewusstsein für die Verantwortung für unsere Gesellschaft und unsere Umwelt beiträgt.

Nehmen wir nur das Thema Kochen: Grundsätze der Ernährungslehre, hygienischer Umgang mit Lebensmitteln, vitaminschonende Kochtechniken, kritisches Einkaufsverhalten, Abfallvermeidung und -entsorgung, alles mehrfach geübt (zum Beispiel Wasserhahn schliessen, Warmwasser sparen, sparsame Verwendung von Spül- und Putzmitteln usw.).

Solche Sachen müssen praktisch geübt werden, theoretische Erklärungen im Rahmen eines Faches von Mensch und Umwelt genügen nicht; sie sind schlussendlich auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Dass auch Buben selbstverständlich in diese Lektionen eingebunden sind, hilft ihnen, unsere Vorstellung von Geschlechtergleichheit und von Verantwortung für alltägliche Belange zu verinnerlichen. Sie lernen, dass es hierzulande keine Arbeiten gibt, die eigentlich nicht von Männern erledigt werden müssen, wie ich das an einem Schulbesuch in Dänemark vor vielen Jahren erlebte habe: Ein erboster Vater aus Nordafrika wollte seinen Sohn aus der Klasse holen, weil er im Kochunterricht an der Reihe war, den Boden aufzunehmen.

Verena Gysling, Wil

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