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Nudelsuppe gegen eisige Kälte: Jonschwiler Gemeindepräsident trekkt im Himalaja

Der Himalaja ist nichts für Weicheier: Die Wege sind schmal, die Temperaturen eisig und die Luft ist dünn. Jonschwils Gemeindepräsident Stefan Frei hat den Widrigkeiten getrotzt und pure Faszination erlebt: auf einer Trekking-Tour um den Manaslu.
Andrea Häusler
Schweizer Malstifte und Blöcke für nepalesische Kinder: Ein riesiger Erfolg, da diese kaum Spielzeug haben, wie Stefan Frei sagt. (Bilder: PD)

Schweizer Malstifte und Blöcke für nepalesische Kinder: Ein riesiger Erfolg, da diese kaum Spielzeug haben, wie Stefan Frei sagt. (Bilder: PD)

Manchmal im Sommer, wenn andere bereits das Feierabendbier kühlstellen, schnürt Stefan Frei noch seine Bergschuhe, will noch «schnell auf den Säntis». Das meint er wörtlich. Exakt hundert Minuten benötigt er von der Schwägalp über die Tierwis auf den Gipfel. Elf Mal war er vergangene Saison auf dem Ostschweizer Hausberg – auf sechs Routen. Wobei ihm die Chammhalde-Tour – ein Alpinwanderweg (T5) mit Kletterstellen der Kategorien I und II – die liebste sei.

Dennoch betont Frei: «Ich bin kein Extrem-Berggänger, eher ein intensiver.» Ihm gehe es auch nicht um Rekorde, das Trekken gegen die Uhr, sondern um das Naturerlebnis. «Den Kopf auslüften», nennt er dies. Und eine taugliche Möglichkeit, gesund zu bleiben, sich vom Amt nicht auffressen zu lassen. «Im Gebirge zählen nur zwei Dinge: hoch- und herunterkommen.»

Zwischen Klimazonen, Kulturen und Eisriesen

Ums Abschalten und Auftanken ging es ihm auch auf seiner Trekking-Tour im Himalaja-Gebirge Ein lang gehegter Wunsch, den er sich im November erfüllt hat. Wobei das Abenteuer Nepal bereits vor zwei Jahren am Kilimanjaro beschlossen worden war. Vier der seinerzeit 13-köpfigen Gruppe und Stefan Freis jahrzehntelanger Begleiter, der Herisauer Bergführer Hans Fitzi, begaben sich diesmal in Richtung Osten: auf eine 17-tägige Trekking-Reise um den Manaslu, den mit 8163 Metern achthöchsten Berg der Welt.

Die vier Guides aus Nepal mit Chefguide Omrad – genannt Charles Bronson, – (2. von links) vor dem Manaslu.

Die vier Guides aus Nepal mit Chefguide Omrad – genannt Charles Bronson, – (2. von links) vor dem Manaslu.

Die Manaslu-Region liegt nahe an der tibetischen Grenze, in einer beeindruckenden Berglandschaft. Tiefe Schluchten, verborgene Dörfer, verschiedenste Klimazonen erwarteten die 12 Berggänger um Hans Fitzi, die vier lokalen Guides sowie die sieben Träger, welche je rund 30 Kilogramm Gepäck schultern und dafür sieben bis acht Dollar pro Tag verdienen. «Ein guter Verdienst, zumal der Tageslohn in Nepal zwischen einem und zwei Dollar liegt», wie Frei sagt.

Start des Trekkings war Sota Khola. In vier Etappen ging es, in noch leichter Kleidung, einem Gletscherfluss entlang über viele Auf- und Abstiege, vorbei an Maultierkarawanen und einer Affenhorde auf 2630 m Höhe. Neun Stunden habe allein das letzte Teilstück beansprucht, erzählt Stefan Frei. Je höher es in den folgenden Tagen ging, desto karger wurde die Landschaft. Es änderte sich die Kultur der Bevölkerung und die Religion: vom teilweisen Hinduismus zum mehrheitlichen Buddhismus.

Rund 30 Kilogramm Gepäck schleppen die Träger über die Pfade, verdienen täglich aber rund siebenmal mehr als im landesüblichen Schnitt.

Rund 30 Kilogramm Gepäck schleppen die Träger über die Pfade, verdienen täglich aber rund siebenmal mehr als im landesüblichen Schnitt.

Ein Höhepunkt folgte dem nächsten: der Besuch eines buddhistischen Klosters unweit von Loh (3118 m), in das Knaben siebenjährig eintreten, eine Ausbildung geniessen und mit 22 Jahren entscheiden können, ob sie bleiben oder nach Hause zurückkehren möchten, die Besteigung des 5140 m hohen Samdo Peak oder die Überschreitung des 5106 m hohen Larkya-Passes.

Die grösste Herausforderung sei jeweils die Kälte gewesen, die Nachmittags eingesetzt und bis zum Morgen angedauert habe, sagt Stefan Frei. «Die luftdurchlässigen Lodges ähnelten Tiefkühlschränken: Der Essraum war unterkühlt, der Schlafraum noch viel kälter.» Da habe man sich gern zeitig und mit einer warmen Trink- als Bettflasche in den Daunenschlagsack verkrochen. Dafür hätten die Köche in den primitiven Küchen Erstaunliches auf den Tisch gezaubert: «Wir haben stets a la carte gegessen – Reis, Kartoffeln, Teigwaren, Pizza, Rösti; dazu Gemüse und Eier.» Trotz der reichlichen Verpflegung am Morgen, Mittag (Nudelsuppe) und Abend hätten alle an Gewicht verloren. «Bei mir waren es drei Kilogramm», sagt Stefan Frei. Zudem seien alle erkältet gewesen. Auch er, der seine Jacke und die Schuhe am letzten Tag an zwei Träger verschenkt hatte: «Die Nepali haben einen hohen Ausrüstungsverschleiss», sagt Frei. «Also: etwas Entwicklungshilfe am Ort.»

Lockruf der südamerikanischen Anden

Stefan Freis Erinnerungen könnten Bände füllen. Die Bilder der hochalpinen Bergdörfer, der wehenden Gebetsfahnen vor schneebedeckten Berggiganten haben sich in sein Gedächtnis gebrannt. Noch höher hinaus will er trotzdem nicht. «Dafür wäre ich, 57-jährig, auch zu alt», urteilt er nüchtern. Aber die Lust auf mehr, die ist schon geweckt. «In den Anden gibt es Trekking-Touren, die eindrücklich, technisch aber nicht allzu anspruchsvoll sind», sagt er. Zunächst locken nun aber wieder die Gipfel des Toggenburgs- und Appenzellerlands, winterliche Ski- und Schneeschuhtouren. Wer rastet, der rostet. Oder: «Wer im Pensionsalter noch fit sein möchte, kann nicht mit 40 zu trainieren aufhören.»

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