Notlandung in der Wiler Vogel-Pflegestation

Wenn im Kanton St.Gallen oder im Appenzellerland Vögel verunglücken, finden sie Aufnahme in der Wiler Auffangstation.

Adrian Zeller
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Zu Gast in der Vogelauffangstation: Ein verletzter Star, der sich gut erholt und im Frühjahr wieder in die Freiheit fliegt.

Zu Gast in der Vogelauffangstation: Ein verletzter Star, der sich gut erholt und im Frühjahr wieder in die Freiheit fliegt.

Bild: Hans Suter

Ernst Weibel übt diese Tätigkeit nicht wegen des Geldes aus, sondern: «Weil ich sie gerne mache.» Seit Mai 2019 unterhält der 68-Jährige im Bergholzquartier im Auftrag des Kantons St.Gallen eine Auffangstation für verletzte und kranke Vögel. Zu ihm gelangen Drosseln, Mauersegler, Schwalben, Buntspechte, Haussperlinge und weitere Arten zur Pflege. Für sein Engagement erhält er vom Kanton eine bescheidene Pauschalentschädigung.

«Manchmal strenge Tage»

Während der Brutperiode hat er besonders viel zu tun, da muss er sich um aus dem Nest gefallene sowie um flügge gewordene Jungvögel kümmern. Vom Tagesanbruch an bis zum Sonnenuntergang verlangen die Tiere nach Nahrung. Weibel füttert sie alle zwei Stunden, gelegentlich auch öfters. «Dies sind manchmal strenge Tage», sagt er. Mit einer Spritze verabreicht er ihnen ein aus Pulver angerührtes Nahrungskonzentrat. Bei Bedarf gibt er ihnen auch mal Antibiotika.

«Oft sind es junge Leute»

Die Tiere werden ihm von Wildhütern, von der Polizei, aber auch von Privatpersonen gebracht. Sie stammen aus dem ganzen Kanton St.Gallen sowie aus dem Appenzellerland. «Oft sind es junge Leute, die mir die Vögel bringen.» Im Durchschnitt benötigen die Tiere drei Wochen Pflege, bis sie wieder in die freie Wildbahn entlassen werden. Alle betreuten Patienten werden statistisch erfasst. Der pensionierte Maschinenmechaniker kennt sich mit der gefiederten Tierwelt aus. Seit 57 Jahren engagierte er sich hobbymässig für Vögel.

Enormer Schatz an Wissen und Erfahrung

In der Kleintieranlage im Bergholz züchtet er Exoten. Ausserdem kümmert er sich im Auftrag der Stadt seit 24 Jahren auch um die Enten und die Schwäne am Stadtweiher. «Gelegentlich hilft mir auch mein Sohn bei der Arbeit.» Beide zusammen verfügen über einen grossen Wissens- und Erfahrungsschatz über die Vogelwelt. Wenn ihnen mal eine Information fehlt, greifen sie zu ihren Handbüchern oder machen sich im Internet kundig. Für seine Tätigkeit benötigt er vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei diverse Bewilligungen. «Wildvögel gefangen zu halten, ist streng verboten.» Nur dank einer Spezialerlaubnis darf er die Tiere vorübergehend beherbergen. Zudem wurde seine Anlage von Vertretern des Amtes vorgängig inspiziert und für geeignet qualifiziert.

Vorerst will er sich ein weiteres Jahr um die Vögel kümmern, die seiner Hege bedürfen. Wenn es die Gesundheit zulässt, wird er sein Engagement anschliessend befristet verlängern.