Notabene

Einmal updaten, bitte! Ich drücke den grossen runden Power-Knopf. Der Computer heult kurz auf, als wollte er beweisen, dass er dezibelmässig mindestens genauso viel drauf hat wie der Kollege Laserdrucker von nebenan.

Merken
Drucken
Teilen

Einmal updaten, bitte!

Ich drücke den grossen runden Power-Knopf. Der Computer heult kurz auf, als wollte er beweisen, dass er dezibelmässig mindestens genauso viel drauf hat wie der Kollege Laserdrucker von nebenan. Auf dem schwarzen Bildschirm erscheint ein vierfarbiges Logo in Form eines verdrehten Fensters. «Startvorgang…», so die stumme Botschaft in übergrossen Lettern.

Eigentlich ganz gut, dass einem das mitgeteilt wird – rein von der Anzahl und Intensität der Geräusche, die aus dem Gehäuse zu vernehmen sind, könnte man auch annehmen, das Ende der Maschine stehe unmittelbar bevor.

Ich mache mir einen Kaffee. Wenn der Rechner schon mit der Müdigkeit zu kämpfen hat, dann zumindest der Benutzer nicht auch noch. So weit, so gut. Es folgt der routinierte Klick auf das Symbol mit der Aufschrift «Internet Explorer».

Explorer ist englisch und bedeutet zu gut Deutsch Entdecker. Alles, was ich in diesen Sekunden entdecke, ist eine leere Seite und ganz unten, halb versteckt: «Proxyeinstellungen suchen …». Das Wunderkind der Technik hätte über Nacht alle Zeit der Welt gehabt, um zu suchen. Nein, es wartet damit lieber zu, um an einem regnerischen Morgen das leicht betrübte Redaktorengemüt noch mehr zu betrüben.

Dann geht's vorwärts: Langsam zeichnen sich die Umrisse einer Webseite ab. Doch der Moment der Erlösung währt nur kurz. «Neue Version gefunden und installiert. Bitte Computer neu starten.» Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich möchte mich auch mal auf eine neue Version updaten. Mario Fuchs 2.0 – mit erweiterten Geduldfunktionen.

Mario Fuchs

mario.fuchs@wilerzeitung.ch