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Wie krank darf denn Mode sein? Ich gebe es ja zu: Ich bin ein veritabler Modemuffel. Kleidung muss für mich in erster Linie bequem und funktionell sein.

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Wie krank darf denn Mode sein?

Ich gebe es ja zu: Ich bin ein veritabler Modemuffel. Kleidung muss für mich in erster Linie bequem und funktionell sein. Auf modischen Schnickschnack wie überflüssige Knöpfe oder Bändel, die unnütz am Körper herumhängen, kann ich getrost verzichten. Meine Kleider dürfen mich durchaus auch ein paar Jahre begleiten und ihren primären Zweck erfüllen. Sie wandern nicht nach kurzer Zeit in die karitative Textilsammlung, nur weil sie nicht mehr dem aktuellsten Modeschrei entsprechen. Na ja, manchmal nagen Zweifel an mir, ob ich nicht vielleicht etwas zu altmodisch wirke mit den ausgetragenen Hosen und Hemden mit nicht ganz modernen Mustern. Manchmal bin ich aber auch stolz darauf. Zum Beispiel kürzlich, als ich unter der Überschrift «Das Aus für sandgestrahlte Jeans» las, dass zahlreiche Modegeschäfte sandgestrahlte Jeans aus ihrem Sortiment kippten. Die Sandstrahltechnik lasse neuen Jeansstoff alt und verschliessen aussehen. Bei Fabrikarbeitern könne sie jedoch Krankheiten auslösen. In einigen Ländern seien bereits viele Sandstrahler an Silikose erkrankt, einer unheilbaren und oft tödlichen Lungenkrankheit. Da frage ich mich, wie krank dass denn Modeschöpfer sein müssen, um auf solch absurde Ideen zu kommen. Dazu passt ja auch, neue Hosen mit Flicken und Löchern zu verkaufen. Wow, sieht das lässig aus! Denselben Effekt erreiche ich, wenn ich Hosen über eine längere Zeitspanne häufig trage. Ist bedeutend billiger und viel unbedenklicher. Aber leider nicht modern.

Albert Büchi

albert.buechi@wilerzeitung.ch