Notabene

Kriminaltouristen Am frühen Abend – es ist bereits am Eindunkeln – löscht die junge Frau das Licht. Verlässt die Wohnung, um etwas einzukaufen. Als sie zurückkehrt, ist nichts mehr wie vorher: Schränke aufgebrochen, Schubladen aufgerissen. Schmuck, Bargeld, Uhr weg.

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Philipp Stutz - Kopfsalat

Philipp Stutz - Kopfsalat

Kriminaltouristen

Am frühen Abend – es ist bereits am Eindunkeln – löscht die junge Frau das Licht. Verlässt die Wohnung, um etwas einzukaufen. Als sie zurückkehrt, ist nichts mehr wie vorher: Schränke aufgebrochen, Schubladen aufgerissen. Schmuck, Bargeld, Uhr weg. Einbrecher haben die Gunst der Stunde genutzt, um die Tür der Parterrewohnung aufzuwuchten. Haben geklaut, was wertvoll erschien. Gegenstände, mit Erinnerungen verbunden – unersetzlich.

Die Frau ist schockiert. Informiert ihre Eltern, die noch an der Arbeit sind. Eine Polizeipatrouille ist bald zur Stelle. Per Funk gehen weitere Meldungen ein. Neben Niederuzwil ist auch in Henau und St. Gallen der Teufel los. «Kein Problem für professionelle Kriminelle, überall einzudringen», sagt der Mann von der Spurensicherung. «Ihre Wertsachen werden Sie nicht wiedersehen», stellen Polizeibeamte nüchtern fest und verabschieden sich.

Schnell macht die Nachricht vom Einbruch die Runde. Der Nachbar nebenan sagt: «Wenn ich einen Eindringling erwische, kommt der nicht mehr raus.» Ein weiterer Mitbewohner des Mehrfamilienhauses will die Sicherheit seiner Balkontür mit Hilfe baulicher Massnahmen erhöhen.

Zurück bleiben Fassungslosigkeit, Wut – und Angst. Zumal dieses Diebesgesindel dank offenen Grenzen die (Ost-)Schweiz entdeckt hat. 97 Einbrüche in einer Woche! Und was sagt der St. Galler Justizminister dazu: «Die Schweiz ist im Vergleich zu anderen Gebieten immer noch sicher.» Es klingt wie ein Hohn. Wahrscheinlich ändert der SP-Politiker seine Einschätzung erst dann, wenn er selbst betroffen ist.

Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

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