Notabene

Nicht jedes «li» ist ziemlich niedlich Wir neigen gerne zur Verniedlichung. Macht Sinn: Die Schweiz ist ja auch niedlich. Oder sieht sich zumindest gerne so.

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Nicht jedes «li» ist ziemlich niedlich

Wir neigen gerne zur Verniedlichung. Macht Sinn: Die Schweiz ist ja auch niedlich. Oder sieht sich zumindest gerne so. Drum kaufen wir im Lädeli ein Weggli, hätten gerne das Füferli dazu und streichen im Ferienhüsli, wo das Buttermödeli fehlt, ein Portiönli Konfi drauf. Danach, als Hauptgang, gibt's Chnöpfli mit Härdöpfeli und ein Blätzli. Zum Dessert ein Tortenstückli samt Käfeli mit Rähmli und Schöggeli.

Den Tick mit dem «li» bemerken wir nicht. Touristen tun es aber. Kürzlich war eine Freundin aus den Niederlanden zu Gast. Ihr, deren Muttersprache dem Deutschen und vor allem unserer Mundart nicht unverwandt ist, fiel die komische Endung sofort auf. Sie fragte, in Englisch: «What is that <li> at the end of every second word?» Zu deutsch: Was habt ihr nur mit diesem «li» am Ende jedes zweiten Wortes? Wir erklärten. Und sie fand es «funny». Denn: In Englisch bedeutet klein «little» – ausgesprochen: li-ddel (Was zwar so gelesen ganz nach deutschem Discounter tönt. Welchen Beruf haben deren Marketingverantwortlichen erlernt?) Item.

Der holländische Gast begriff schnell. Und begann, eigene Wortkonstruktionen zu basteln. Was schnell zeigte, dass der Trick mit der Verniedlichung nicht überall funktioniert. So denkt man beim von ihr geformten «Fondueli» eher an ein käsiges Pendant zum «Grill-Ueli». Das «Besteckli» tönt mehr nach korruptem Holz als nach Essgerät. Doch dann, Käfeli und Schnäpsli waren getrunken, war ausgerechnet sie es, die diskret auf einen spindeldürren Mann deutete und uns auf die wohl einzige Ausnahme im «li»-Regelwerk aufmerksam machte: das Büchli.

Mario Fuchs

mario.fuchs@wilerzeitung.ch