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«Nonne sein lässt sich nicht erzwingen»: Schwester Veronika über ihr Leben im Kloster Magdenau

Am Mittwoch erhält das Zisterzienserinnenkloster in Magednau zum 775-Jahr-Jubiläum eine neue Beschilderung, eine sogenannte Signaletik. Notwendig wurde dies, weil sich zunehmend viele Besucher auf dem weitläufigen Areal nicht mehr zurechtfanden.
Christoph Lampart
Schwester Veronika an der Orgel in der Klosterkirche: «Das Leben im Kloster ist dynamisch und spannend.» (Bild: Christof Lampart)

Schwester Veronika an der Orgel in der Klosterkirche: «Das Leben im Kloster ist dynamisch und spannend.» (Bild: Christof Lampart)

Wie begegnet ein Kloster, in dem Nonnen nach festen Regeln und im Gebet versunken leben, den Sprung in die Moderne? Ganz gut, wie es das Interview zeigt, welches Schwester Veronika in der Osterwoche der «Wiler Zeitung» gewährte.

Schwester Veronika wusste schon sehr früh, dass sie ihr Lebensweg, Kunststudium hin, Pfadfinderin aus Begeisterung her, dereinst ins Kloster führen würde. «Ich habe das schon sehr lange in mir gespürt», erklärt die freundlich Lachende, die sich in Magdenau, wohin sie 1993 kam, «von Anfang an sehr wohlgefühlt» hat. «Ich überlegte, in Prag in ein Kloster zu gehen. Aber in einem Stadtkloster wäre ich auf die Dauer kaputtgegangen, da mich dies emotional überfordert hätte.» In Magdenau geniesst die heimliche «Aussenministerin» des Klosters vieles. Die Gemeinschaft im Glauben mit den anderen Schwestern, die wunderbaren Sonnenuntergänge und die Tatsache, dass «das Kloster hier als ein ganz wichtiger Teil des Dorfes wahrgenommen wird».

Wie sehen Ihre Aufgaben hier im Kloster aus?

Schwester Veronika: Ich habe hier im Kloster die Führungen durch die schönen, öffentlichen Klosterräume übernommen. Da ich in Brünn Kunstgeschichte studierte, habe ich das passende Rüstzeug und kann aus dem Vollen schöpfen. Während andere Kolleginnen vom Studium mit ihrer Tätigkeit Geld verdienen müssen, muss ich das hier nicht direkt – was für mich ein Vorteil ist. Auch pflege ich viele Kontakte nach aussen – zum Beispiel bei Interviews wie diesem hier. Aber auch bei der Realisierung der neuen Signaletik war ich sehr aktiv. Und in der Vergangenheit war ich auch schon Novizenmeisterin und ich wirke als Kirchenmusikerin.

Langweilig wird es Ihnen also hier nicht?

Nein, überhaupt nicht. Ich empfinde das Klosterleben als sehr dynamisch und spannend. Denn wenn ich mich mit Gott befasse, kann ich immer wieder neue Einsichten gewinnen. Gott ist einem fern und doch nahe zugleich, sodass ich immer wieder etwas Neues im Leben entdecken kann. Zum Beispiel auch an Ostern, denn Ostern ist für mich nie gleich, weil ich mich jedes Jahr in einer anderen persönlichen Situation befinde. Vergangenes Jahr habe ich mich intensiv mit der neuen Signaletik auseinandergesetzt und auch – zum Beispiel an den Mauern – schöne Elemente der Frömmigkeit reingebracht. So etwas liegt mir. Auch gehe ich Dingen gerne auf den Grund und recherchiere, wenn ich etwas genauer wissen möchte.

Wie steht es um den Schwestern-Nachwuchs im Kloster Magdenau?

Zurzeit sind wir zu zehnt; die Jüngste ist 35, die Älteste 95 Jahre alt – und gegenwärtig haben wir leider keine Kandidatin bei uns. Natürlich kommt die Frage nach neuen Kandidatinnen immer wieder bei uns auf, doch versuchen wir, damit möglichst gelassen umzugehen. Denn das Leben als Nonne lässt sich nicht erzwingen, sondern muss von einem selbst heraus gewollt werden. Zudem hat die stets bewegte und wechselhafte Geschichte des Klosters Magdenau ja gezeigt, dass man Krisenzeiten immer wieder überwinden konnte und dass hier eine gute Kontinuität herrscht. Träte jemand nur aus «Mitleid» ins Kloster ein, käme das wohl nicht gut und kann von niemandem gewollt sein. Dennoch tut es natürlich weh, wenn man merkt, dass sich, trotz aller Bemühungen, die Wege am besten wieder trennen sollten. Kommt es leider wieder einmal so, dann hinterfragen wir uns schon selbstkritisch, ob wir etwas anders hätten machen können.

Auf welche Eigenschaften legen Sie Wert bei neuen Kandidatinnen?

Auf die emotionale Ausgeglichenheit, denn der Weg von der Kandidatin bis zur Ewigen Profess dauert sechs Jahre – und das ist eine lange Zeit, in der man viel mit sich und dem Glauben ringt. Umso wichtiger ist es für uns, dass die Kandidatin keine Probleme damit hat, sich von der Familie zu lösen. Auch habe ich festgestellt, dass Frauen, die Geschwister haben, sich oft einfacher im Kloster zurechtfinden als Einzelkinder.

Gibt es schon Neuigkeiten über die Zukunft des Klosterhofes Rössli?

Ja, die gibt es. Wir haben mit der Wirtin, die vergangenen Dezember, kurz vor Weihnachten, völlig überraschend das Handtuch geworfen hat, nun einen Vergleich finden können. Wir haben jetzt die «Rössli»-Schlüssel wieder und könnten dieses ab morgen vermieten. Leider ist dem aber noch nicht so. Wir haben aber auch gewisse Vorstellungen, denn wir wollen hier einen dörflichen Treffpunkt mit Preisen haben, die sich die Leute auch leisten können. Ich denke auch, dass eine eher exotische Küche wie Thailändisch oder Chinesisch nicht wirklich zum Charakter des «Rössli» passen würde. Da wir mit unserer neuen Signaletik auch ein Zeichen für eine gelebte Gastfreundschaft setzen möchten, wäre es natürlich sehr willkommen, das «Rössli» bald einem geeigneten Pächter oder einer Pächterin übergeben zu könnten.

Aus den Anfängen

Der Ursprung des Klosters Magdenau liegt in St. Gallen. Seit 1228 lebt dort eine Gruppe frommer Frauen, die von Meisterin Adelheid geleitet wurde. Im Jahr 1244 schenkte ihnen Ritter Rudolf der Zweite, Giel von Glattbrugg, die Vogtei St. Verena und einige Höfe. Die Frauen bauten ein Kloster auf und Papst Innozenz der Vierte nahm es unter seinen Schutz. Zugleich gliederte er es dem Orden der Zisterzienser ein, der im Jahr 1098 aus den Reformbemühungen der burgundischen Abtei Citeaux entstanden war. Die Fürstäbte von St. Gallen und die Äbte von Reichenau unterstützten das junge Kloster, das im 14. Jahrhundert schwere Brandfälle erleiden musste. (pd/art)

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