Nomen est omen

Seitenblick

Ursula Ammann
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Ein Bauer melkt Kühe, ein Schmied schmiedet Metall und ein Müller mahlt Getreide. Ein Bauer kann aber auch Cashcows pflegen, ein Schmied bei Staatskrisen die heissen Eisen aus dem Feuer holen und ein Müller irgendwelche Brötchen backen. Nachnamen gehen zwar häufig auf Berufe zurück, heute ist aber eigentlich jeder seiner eigenen Ausbildung Schmied. Es ist auch durchaus nichts Ungewöhnliches mehr, wenn jemand mitten im Erwerbsleben neue Saiten aufzieht und der Cellist somit plötzlich zum Braumeister wird.

Umso erstaunlicher, dass Parallelen zwischen Name, Branche und Tätigkeit immer noch ziemlich häufig vorkommen. Um Beispiele zu finden, muss man gar nicht weit suchen. In Sirnach gibt es ein Unternehmen für Feuerwehrfahrzeuge: Die Tony Brändle AG. Und der ehemalige Kommandant der Feuerwehr Zuzwil trägt den Namen Flammer. Eine Angestellte eines Wiler Cafés wiederum heisst – allerdings mit Vornamen – gleich wie ein Hersteller für Kaffeefilter. In dieser Zeitung war zudem schon ein Interview zu lesen mit einem Psychologen, der sich gut auskennt mit Phobien, sei es betreffend Höhe oder Spinnen. Sein Name ist Angstmann.

Doch manchmal ist der Name ganz und gar nicht Programm. Der Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz zum Beispiel heisst Raimund Rodewald. Er hat sich aber wohl eher zur Aufgabe gemacht, die Wälder zu schützen. In Österreich gibt es ein Unternehmen, das allerlei Zubehör für Landwirte anbietet. Vom Stallfenster bis zum Futterkübel. Es ist die Bauernfeind GmbH. Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihren Kunden freundlich gesinnt ist. Erzählungen zufolge befand sich an der Lettenstrasse in Wil einst ein Milchlädeli. Geführt hat es ein Mann mit Nachnamen Fleischli.

Wieder andere machen ihrem Namen alle Ehre. So kam es schon vor, dass eine Frau Indermaur mit ihrem Auto in eine Hauswand gerollt ist. Mit dem Beruf hat dieser Fall jedoch nichts zu tun. Anders ist es beim neuen Gemeindepräsidenten von Berneck, der vorher Stadtschreiber in Rorschach war. Mit dem Wechsel des Arbeitsorts war Herr Seelos den See los. Doch wie auch immer. Hauptsache man hat Freude am Beruf.

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch