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«Nochmals etwas Neues anpacken»

Fast acht Jahre lang war Erwin Stadler in Degersheim als Gemeinderatsschreiber tätig. Am Freitag hatte er seinen letzten Arbeitstag. Nun wagt der 50-Jährige nochmals einen beruflichen Neuanfang als Leiter der Stadtkanzlei Gossau.
Erwin Stadler wagt einen Neustart: Am Freitag verliess er sein Büro in Degersheim zum letzten Mal. (Bild: meg.)

Erwin Stadler wagt einen Neustart: Am Freitag verliess er sein Büro in Degersheim zum letzten Mal. (Bild: meg.)

Herr Erwin Stadler, Sie verliessen die Stelle als Gemeinderatsschreiber von Degersheim und beginnen heute Montag die Arbeit als Leiter der Stadtkanzlei Gossau. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?

Erwin Stadler: Der Rücktritt des Gemeindepräsidenten Reto Gnägi hat mich dazu bewogen, meine eigene berufliche Situation zu überdenken. Zum einen hätte ich bis zu meiner Pensionierung als Gemeinderatsschreiber in Degersheim bleiben können. Zum anderen kann ich jetzt, als 50-Jähriger, nochmals etwas Neues anpacken.

Worin bestand Ihre Aufgabe als Gemeinderatsschreiber?

Stadler: Der Gemeinderatsschreiber ist ein Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Gemeinde. Aber auch zwischen dem gesamten Gemeindepersonal und dem Gemeinderat. Es ist eine Stabsstelle, die für fast alle Aufgaben verantwortlich ist, die nicht einer spezifischen Abteilung zugewiesen sind, wie zum Beispiel dem Bauamt, dem Grundbuch- oder Steueramt. Zu den Aufgaben des Gemeinderatsschreibers gehört ebenfalls das Vorbereiten von Gemeinderatssitzungen, das Organisieren von Wahlen und Abstimmungen, Neuzuzügerbegrüssungen, Jungbürgerfeiern, Jubiläen, Gemeindeanlässe und vieles mehr. Auch der ganze Personalbereich fällt in sein Aufgabengebiet. Es ist ein riesiges Sammelsurium an Arbeit. Ich sehe erst jetzt, bei der Einarbeitung meiner Nachfolgerin Sandra Müller, was alles zu dieser Tätigkeit dazugehört und an was man alles denken muss.

Das tönt nach viel Arbeit. Kam Ihre Freizeit nie zu kurz?

Stadler: Am Anfang musste ich schon «leiden», bis ich alle diese Aufgaben kennengelernt habe und das trotz langjähriger Verwaltungserfahrung bei meinen früheren Tätigkeiten als Bezirksamtsschreiber, Bezirksammann und Kommandant der Innerrhoder Kantonspolizei. Mit der Zeit wurde es aber besser. Ich habe gelernt zu delegieren, die vielen Kontakte, die man aufbauen konnte, wusste ich zu nutzen, das machte die Sache etwas einfacher. Man ist in die Arbeit hineingewachsen und hat zu organisieren gelernt.

Wie hat sich die Gemeinde Degersheim in den fast acht Jahren während Ihrer Tätigkeit Ihrer Meinung nach entwickelt?

Stadler: Sie hat sich zum einen im Aussehen verändert. Es sind viele neue Bauten entstanden, beispielsweise das Pflegeheim oder jetzt aktuell die Zentrumsüberbauung. Das sind markante Punkte im Dorf. Aber ich denke auch an Baugebiete wie den Fuchsacker. Dort gab es nicht nur neue Häuser, auch die Hochspannungsleitung auf dem Fuchsacker, die das Dorfbild geprägt hatte, verschwand. Ab dem Jahr 2000 setzte der Gemeinderat das Marketing um. Die Gemeinde begann sich als Marke zu präsentieren. Seither ist alles darauf ausgerichtet. Heute ist es selbstverständlich, dass ein Verein, der einen Anlass organisiert, das Logo der Gemeinde auf seiner Werbung abdrucken lässt. Degersheim präsentiert seine Marke mit Stolz und ist auch in der Region bekannt.

Was hat Sie in der ganzen Zeit besonders auf Trab gehalten?

Stadler: Auf Trab gehalten hat mich das Tagesgeschäft. Aber auch viele kurzfristige Wünsche. Degersheim hat auch eine aktive Bevölkerung, die ihre Sorgen und Wünschen formuliert. Es ist immer eine gewisse Dynamik da. Ich habe immer versucht, mit dieser Dynamik mitzuhalten und auf unkomplizierte Art auf die Bedürfnisse der Bürger einzugehen.

Auf welche Arbeit als Gemeinderatsschreiber hätten Sie verzichten können?

Stadler: (Überlegt sehr lange.) Es sind auch bei mir Fehler passiert. Aber aus all diesen Fehlern habe ich etwas gelernt und durfte bei der Entschuldigung auch wieder etwas Positives in Empfang nehmen. Wichtig ist zu erwähnen, dass ich die Fehler nie ein zweites mal gemacht habe.

Welches waren Ihre Höhepunkte als Degersheimer Gemeinderatsschreiber?

Stadler: Der zweite Rang an der Marketing-Trophy, als wir mit unserem Konzept in Luzern prämiert wurden. Und dass die Zentrumsüberbauung nun realisiert werden konnte. Jahrelang hatten wir darauf gehofft. Auch die Realisation des Waldfriedhofs war eine sehr gute Sache. Ein weiterer Höhepunkt war das Zusammenarbeiten mit dem tollen Team in der Verwaltung und mit dem Rat, mit dem ich mich sehr gut verstanden habe. Wir waren eine richtige Gemeinschaft.

Wie war Ihr letzter Tage im Büro?

Stadler: Chaotisch, fast wie am ersten Tag vor fast acht Jahren. Es waren noch viele Dinge, die ich übergeben musste. Ich hatte noch einige pendente Geschäfte zu erledigen.

Was erwartet Sie an der neuen Stelle in Gossau?

Stadler: Neue Aufgaben, neue Leute. Es ist sicher eine ähnliche Arbeit wie in Degersheim, nur in einer grösseren Dimension. Ich habe sehr gerne in Degersheim gearbeitet. Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung.

Interview: Melanie Graf

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