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Noch längst nicht abgeschrieben: Uzwil hat historische Schreibgeräte erhalten

Hanspeter Schaffner, ehemaliger Papeterist, hat seine Sammlung historischer Schreibgeräte der Gemeinde übergeben. Nächstes Jahr sollen die Stücke der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Tobias Söldi
Hanspeter Schaffner (links) und Lucas Keel bestaunen einen Teil der Sammlung. (Bilder: Tobias Söldi)

Hanspeter Schaffner (links) und Lucas Keel bestaunen einen Teil der Sammlung. (Bilder: Tobias Söldi)

Bleistifte faszinieren Hanspeter Schaffner ganz besonders. «Es sind sehr alte Schreibgeräte, die es in den unterschiedlichsten Formen gibt», erklärt der ehemalige Uzwiler Papeterist. Er zeigt einen filigranen Stift, der die Form eines Schlüssel hat. Einige wenige Handgriffe, und aus dem Halter blickt – je nach Bedarf – eine Bleistiftmine oder eine Feder heraus. «Früher hat man verrückte Sachen gemacht.» Auch die Langlebigkeit dieses so simplen Schreibgeräts erstaunt ihn immer wieder: «Ein Bleistift schreibt auch nach 100 Jahren noch einwandfrei.»

Schaffner weiss, wovon er spricht. Er hat sich mehr als
drei Jahrzehnte mit Büromaterialien beschäftigt. Im Jahr 1976 gründete er die Firma Büro Schaffner Uzwil. Er belieferte Grosskunden wie die Swissair, Chemiekonzerne aus Basel, Radio und Fernsehanstalten. Seine Passion ging aber noch weiter: Zeitlebens hat Schaffner mit viel Engagement Schreib- und Bürogeräte gesammelt. Über die Jahre ist eine bedeutende Sammlung entstanden, wofür er 2010 ein eigenes Papeteriemuseum eingerichtet hat – einzigartig in der Schweiz. Im Juni 2017 verkaufte Schaffner die Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 74 in Uzwil und schloss das Ladengeschäft. Doch wohin nun mit den ganzen Sammelobjekten?

«Eine unglaubliche Menge an Gegenständen»

Nicht bloss Bleistifte, sondern kleine Kunstwerke.

Nicht bloss Bleistifte, sondern kleine Kunstwerke.

Diese Frage stellte auch Uzwils Gemeindepräsident Lucas Keel dem umtriebigen Geschäftsmann, der heute in Kreuzlingen lebt. Man kam überein, und Schaffner gab die Sammlung in die Obhut der Gemeinde Uzwil ins Gemeindearchiv. «Ich habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt. So bleibt die Sammlung zusammen und als Ganzes erhalten», sagt Schaffner. Sie zu verkaufen, wäre schade gewesen. Auch Gemeindepräsident Lucas Keel freut sich über die erstandene Sammlung: «Das Vertrauen ehrt uns. Historische Schreibgeräte, welche die spannende Entwicklung dieser alltäglichen Gegenstände über mehr als ein Jahrhundert widerspiegeln, passen zu uns.»

30 Kartonschachteln stapeln sich nun im Gemeindearchiv, voll mit Bleistiften, Füllfederhaltern und Griffeln, aber auch Spitzmaschinen, Rechenwalzen und Farbstiftschachteln. Auch historische Korrespondenzen und Dokumente von Schreibwarenherstellern finden sich – zum Beispiel ein Patent auf einen Bleistiftspitzer aus dem Jahr 1884. «Es ist eine unglaubliche Menge an Gegenständen», sagt Thomas Stricker, Verwaltungsleiter der Gemeinde.

Eine Sammlung aus einer anderen Zeit

Jahrhundertelang waren Rechenwalzen gängige Hilfsmittel beim Rechnen.

Jahrhundertelang waren Rechenwalzen gängige Hilfsmittel beim Rechnen.

Es ist auch eine Sammlung, die von Veränderungen in der Gesellschaft zeugt. «Wir sehen es als Aufgabe des Gemeindearchivs, das Geschehen im Lebensraum zu erhalten», erklärt Stricker, «Leute und Gegenstände, die Spuren hinterlassen, zu präsentieren.» Noch nicht lange ist es her, als sich Kinder im Schönschreiben übten, Buchstabe für Buchstabe, Zeile für Zeile. Teure Schreibgeräte waren einst Statussymbole, die sich nicht jeder leisten konnte. Und Handschriften wurden untersucht, um Rückschlüsse auf den Charakter der Schreiberin oder des Schreibers zu ziehen. Heute machen Smartphones und Laptops das Schreiben von Hand obsolet. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – fasziniert der Charme analoger Schreibgeräte noch immer. Edle Füllfederhalter sind Liebhaberobjekte, und es wird auch mal wieder von Hand in ein Notizbuch geschrieben.

Ausstellung in der Bibliothek

Die Gemeinde bereitet die Sammlung nun auf und möchte sie im nächsten Jahr der Öffentlichkeit präsentieren. Dafür haben sie sich einen Ort ausgesucht, der zum Thema Schreiben passt. Ein Teil von Schaffners Sammlung soll als Dauerausstellung in die Bibliothek integriert werden. «Wie die Ausstellung aber genau aussehen wird, daran arbeiten wir zurzeit», sagt Thomas Stricker.

Es kommt noch einiges an Arbeit auf ihn zu: Die grosse Herausforderung bestehe einerseits in der Auswahl der Gegenstände, die gezeigt werden sollen, so Stricker. «Wir sind niemals in der Lage, die ganze Sammlung zu zeigen.» Andererseits müssten die Geschichten aufgezeigt werden, die hinter den Gegenständen stecken: Erinnerungen von Hanspeter Schaffner, Firmengeschichten, die Entwicklung des Schreibens. Ein Bleistift, ein Füllfederhalter allein, ist wenig erhellend. «So können die Leute teilhaben an den Gegenständen und die Ausstellung bietet einen Mehrwert», sagt Stricker.

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