Noch haben die Neuen Kredit

Die Degersheimer werden künftig noch mehr Steuern zahlen. Ihre Gemeinde hat jetzt den höchsten im Kanton St. Gallen angewendeten Satz: 162 Prozent. Ob es so kommen würde, war schwer abschätzbar. Die Bürgerversammlung vom Dienstag war geteilter Meinung.

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Die Degersheimer werden künftig noch mehr Steuern zahlen. Ihre Gemeinde hat jetzt den höchsten im Kanton St. Gallen angewendeten Satz: 162 Prozent. Ob es so kommen würde, war schwer abschätzbar. Die Bürgerversammlung vom Dienstag war geteilter Meinung. Sie verdeutlichte aber eines klar: Behörden und Stimmvolk sind sich zwar darüber einig, dass sich Degersheim in steiler finanzieller Schieflage befindet – nicht aber über den richtigen Ausweg.

Dass der Antrag des couragierten Jungpolitikers Angelo Schwizer, die Steuererhöhung abzulehnen und auch das Budget zurückzuweisen, keine Mehrheit fand, ist auf die aktuelle politische Konstellation zurückzuführen. Denn: Der Gemeinderat ist in seiner neuen Zusammensetzung erst seit Anfang Jahr im Amt. Dementsprechend hat er bei der Bevölkerung noch Kredit.

Vorschusslorbeeren aber sind ein gefährliches Bett. Die Steuererhöhung führt kaum zu einem Abbau des über die vergangenen Jahre – vom Steuerzahler mitverursachten – Schuldenbergs von 41 Millionen Franken. Das weiss dieser selbst, und das weiss auch der Gemeinderat. Er muss jetzt, auch wenn mehr Steuern fliessen werden, die Augen genauer als bis anhin auf die Ausgaben richten. Und sie gleichzeitig aber auch «rond om Tegersche» offenhalten: Wo kann Geld mittels Zusammenarbeit eingespart werden?

Dass es gleich eine Gemeindevereinigung sein muss, ist nicht gesagt. Doch die finanziellen Mittel, die der Kanton aus den nationalen Goldreserven erhielt und für Fusionsprojekte beiseitegelegt hat, nehmen nicht mehr zu. Der Zeitpunkt also wäre nicht so falsch. Auf die Neuen wartet viel Arbeit. Mario Fuchs

mario.fuchs@wilerzeitung.ch

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