Degersheimer Bahnhof erhält sein ursprüngliches Gesicht zurück

Der behindertengerechte Umbau des Bahnhofs Degersheim hat Konsequenzen fürs Dorf. Gemeindepräsidentin Monika Scherrer nimmt Stellung.

Interview: Michael Hug
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Der Degersheimer Bahnhof (rechts), wie er sich im Jahr 1962 präsentiert hatte. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz /Werner Friedli)

Der Degersheimer Bahnhof (rechts), wie er sich im Jahr 1962 präsentiert hatte. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz /Werner Friedli)

Monika Scherrer, warum haben die beabsichtigten Umbauten der Südostbahn so grosse Auswirkungen am Bahnhof Degersheim?

Monika Scherrer: Das ganze Bahnhofsareal zwischen den beiden Brücken ist Entwicklungsgebiet. Das bedeutet, dass es, wie an vielen Bahnhöfen andernorts auch, Entwicklungspotenzial gibt. Es wurde darum im überarbeiteten Zonenplan zur Schwerpunktzone erklärt.

Was sind die direkten Auswirkungen der geplanten Massnahmen am Bahnhof für die Einwohnenden, für die Nutzenden des Bahnhofs, für den Verkehr?

Wir können derzeit nur über die geplanten Veränderungen der ersten Etappe sprechen. Diese Veränderungen, Umbauten, Rückbauten usw. sind nun in Planung bei der Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) und könnten so umgesetzt werden. Die Entwicklungen in Etappe zwei und drei, die das Gebiet westlich des ehemaligen Loki-Denkmal-Pärkli betreffen, beschränken sich aktuell auf die Umzonung. Die Studien, Pläne und Modelle diesbezüglich sind Studien, keine definitiven Baupläne.

Sprechen wir also von der ersten Etappe?

In der ersten Etappe wird der Bahnhof sein ursprüngliches Gesicht wieder bekommen. Es wird nur noch das Bahnhofsgebäude in seiner ursprünglichen Erscheinung da stehen. Das Gebäude stehen zu lassen, war uns sehr wichtig. Wir wollten keinen gesichtslosen Überall-Bahnhof. Ihn abzubrechen, war nie eine Option. Zusammen mit dem Gebäude des Restaurants Bahnhof und dem Kiosk Neff ergibt sich das unverwechselbare Gesicht des Degersheimer Bahnhofs. Das Bahnhofsgebäude ist übrigens nicht leer oder nutzlos, es befindet sich darin ein wichtiges elektronisches Stellwerk, dieses müsste ohnehin stehen bleiben oder teuer versetzt werden.

Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin. (Bild: PD)

Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin. (Bild: PD)

Wenn die SOB nicht gezwungen wäre, den Bahnhof umzubauen, hätte dann die Gemeinde etwas unternommen in diesem Gebiet?

Das Gebiet wäre so oder so in der neuen Zonenplanung zur Schwerpunktzone geworden. Schwerpunktzone bedeutet: Hier muss etwas geschehen, das Quartier ist viel zu wichtig für das Gesicht des Dorfs. So wie das Quartier heute aussieht, ist es nicht zielführend, es kann sich nicht entwickeln. Der Bahnhof als Ankunftsort ist auch eine Visitenkarte eines Dorfs. Im Moment ist es das nicht.

Was ist der Nutzen der Umgestaltung für Degersheim?

Das Dorf erhält einen aufgewerteten Bahnhofplatz. Die Poststrasse wird durch die Führung der Postautos über die Haupt- und Bahnhofsstrasse entlastet. In der zweiten Etappe erhalten die südlichen Randgebiete zwischen Industrie und Gleise eine Aufwertung. Das ist heute Nirwana, und wenn die SOB die Geleise begradigt, entsteht dort noch mehr Niemandsland.

Was kommt an Baulichem auf die Gemeinde zu?

Das lässt sich erst sagen, wenn die SOB in ihrer Planung weiter ist. Die SOB muss das Behindertengleichstellungsgesetz bis Ende 2023 erfüllt haben. Sie muss ihre Planung und Sicherstellung der Finanzierung weitertreiben. Wir hängen uns quasi an und sehen, was für uns zu machen und machbar ist.

Was für Kosten kommen auf die Gemeinde zu?

Darüber lässt sich ebenso noch nichts Aussagekräftiges sagen. Es wird absehbar im erträglichen Mass bleiben. Und dann wird zu verhandeln sein, was die Gemeinde übernimmt, was die SOB und was Dritte. Gerade bei den Punkten Parkplätze, Toiletten oder Velounterstand.

Was sind die nächsten Schritte der Gemeinde?

Zurzeit läuft die Auflage der Rahmennutzungspläne und des Richtplans. Für weitere Schritte oder Planungen ist es noch zu früh. Den Zeitplan gibt die SOB vor. Wir können jedoch sagen, dass der Bahnhof ab 2024 anders aussehen wird.

Gibt es dritte Landbesitzer, die in der ersten Etappe mitbetroffen sind?

Ja, durch den Bau des Perrons auf der Südseite sind weitere Landbesitzer betroffen. Mit ihnen wird zu verhandeln sein.

Was ändert mit der Umzonung der Wohn- und Gewerbezone im Bahnhofsquartier in die Schwerpunktzone für die Grundstücksbesitzer an der Unterdorf- und der westlichen Bahnhofstrasse?

Nichts. Sie wissen einfach, dass aus ihrem Land unter bestimmten Umständen mehr zu machen ist. Dass sie, sofern sie etwas planen auf ihrem Grundstück, zusammen mit uns und ihren Nachbarn das Quartier verändern können. Es ist aber niemand dazu gezwungen.

Hinweis

Die Pläne können online eingesehen werden und sind bis zum 22. November im CODE Coworking Degersheim im Lista Office Bürogebäude ausgestellt.