Vakanz im Kirchenverwaltungsrat von Katholisch Niederwil: Keine Kandidatur trotz um die 50 Anfragen

Katholisch-Niederwil sucht einen Kirchenverwaltungsrat. Bleibt der Sitz auch nach der Kirchbürgerversammlung 2020 leer, muss die Gemeindeordnung revidiert und der Umfang des kirchliche Angebots überdacht werden.

Andrea Häusler
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Eine Kirche ist mehr als ein Gebäude. Der KVR setzte sich daher für ein lebendiges Miteinander ein. Zu dritt wird dies schwierig.

Eine Kirche ist mehr als ein Gebäude. Der KVR setzte sich daher für ein lebendiges Miteinander ein. Zu dritt wird dies schwierig.

Bild: red

«Die Situation hat sich nicht geändert: Nach wie vor gibt es keinen Kandidierenden, welcher der Kirchbürgerschaft zur Wahl vorgeschlagen werden kön­nten», sagt Matthias Gehrig, Vizepräsident des Verwaltungsrats der Katholischen Kirchgemeinde Niederwil. Und die Zeit läuft davon. Denn am 21.März soll gewählt werden. Sofern die Bürgerversammlung aufgrund der wechselnden Auflagen im Kampf gegen das Corona-Virus durchgeführt werden kann.

Die Vakanz im Verwaltungsrat geht auf die Gesamterneuerungswahlen vom September 2019 zurück. Damals konnte, mit Bernadette Künzle, nur einer der beiden freigewordenen Sitze im insgesamt fünfköpfigen Rat besetzt werden. Auch der auf den November datierte zweite Wahlgang brachte keinen Erfolg. Seit Jahresbeginn teilen sich nun Präsident Karl Schönenberger sowie die Verwaltungsräte Matthias Gehrig, Franziska Dürr und Bernadette Künzle die Arbeit. Unterstützt von Nicole Manser und Beat Thaler, die zurückgetreten waren, sich jedoch zur vorübergehenden Mitarbeit im laufenden Jahr bereiterklärt hatten, wie Matthias Gehrig sagt.

Rund 50 Kontaktnahmen

Ganz aufgegeben hat dieser die Hoffnung auf ein Happy End nicht. Obwohl sich der Kirchenverwaltungsrat auf der Suche nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten die Finger wund telefoniert habe. Rund 50 Kontakte seien abgearbeitet worden, sagt er.

Das Ergebnis ist bekannt. Die Kirchgemeinde sehe sich bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden mit ähnlichen Problemen konfrontiert, wie die Vereine, sagt er. Zwar gelinge es immer wieder, Freiwillige für projektbezogene Engagements zu gewinnen. Doch:

«Sobald es jedoch um eine Verpflichtung für mehrere Jahre geht, wird es schwierig.»
Matthias Gehrig, Vizepräsident des Verwaltungsrats der katholischen Kirchgemeinde Niederwil

Matthias Gehrig, Vizepräsident des Verwaltungsrats der katholischen Kirchgemeinde Niederwil

Gehrig hat dafür ein gewisses Verständnis: «Heute wird im privaten und geschäftlichen Umfeld zunehmend Flexibilität verlangt. Dies wirkt sich auf die Besetzung von Nebenämtern aus. Das Pensum eines Kirchenverwaltungsrats beziffert er mit 10 bis 15 Prozent.

Auslagerung von Aufgaben

Kann an der Bürgerversammlung kein viertes Mitglied der Kirchenvorsteherschaft gewählt werden, hat dies wohl einen Abbau von Leistungen wie Apéros nach kirchlichen Anlässen und ähnlichem zur Folge. Denn, weil Niederwil keinen Pfarreirat hat, werden von der kirchlichen Aufsichtsbehörde auch operative Aufgaben übernommen.

Hinzu komme, sagt Matthias Gehrig, dass die (kostenpflichtige) Auslagerung von Aufgaben geprüft werden müsse. Als Beispiele nennt er die Buchhaltung oder den Liegenschaftenbereich.

Anpassung der Gemeindeordnung

Die Reduktion des Kirchenverwaltungsrats auf drei Mitglieder hätte auch rechtliche Konsequenzen. Gemäss Verfügung des Administrationsrats wäre die Gemeindeordnung anzupassen. Es müsste festgeschrieben werden, dass sich der KVR aus dem Präsidenten und (neu) drei Mitgliedern zusammensetzt und die Bürgerschaft an der Urne (neu) drei Mitglieder des KVR wählt. Die Abstimmung über die Teilrevision der Gemeindeordnung erfolgte unmittelbar an der Bürgerversammlung vom 21.März, sofern kein viertes Mitglied gewählt wird.