Niemand schafft den Sprung in den Wiler Stadtrat: Sulzer und Mäder verpassen absolutes Mehr nur hauchdünn

Neun Kandidaten standen für den Wiler Stadtrat zur Verfügung. Keiner erreichte das absolute Mehr von 3'805 Stimmen. SP-Kandidat Dario Sulzer fehlten dazu nur 21 Stimmen.

Gianni Amstutz
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SP-Kandidat Dario Sulzer fehlten nur 31 Stimmen für die Wahl in den Stadtrat.

SP-Kandidat Dario Sulzer fehlten nur 31 Stimmen für die Wahl in den Stadtrat.

Bild: PD

Dass bei den Wiler Stadtratswahlen ein zweiter Wahlgang nötig sein würde, zeichnete sich angesichts von neun Kandidaten, die sich um die fünf Sitze bewarben, ab. Nicht erwartet werden konnte, dass im ersten Wahlgang niemand die Wahl schaffen würde. Doch genau das ist passiert.

Dario Sulzer (SP) erreichte am meisten Stimmen von allen Kandidaten, verpasste das absolute Mehr von 3'805 Stimmen denkbar knapp. 21 Stimmen fehlten ihm.

Auch Hans Mäder scheitert nur knapp

Dahinter klassierte sich Hans Mäder (CVP) mit 3'721 Stimmen. An dritter Stelle folgt Jigme Shitsetsang von der FDP mit 3'561 Stimmen.

Das darf als Überraschung bezeichnet werden, liess der Stadtparlamentarier und Kantonsrat doch sogar seinen Parteikollegen Daniel Meili, Stadtpräsident ad interim, hinter sich. Meili, der 3'362 Stimmen auf sich vereinte, musste mit dem vierten Platz vorlieb nehmen.

Jigme Shitsetsang sorgte für die Überraschung des Tages und holte sogar mehr Stimmen als Parteikollege Daniel Meili.

Jigme Shitsetsang sorgte für die Überraschung des Tages und holte sogar mehr Stimmen als Parteikollege Daniel Meili.

Bild: PD

Ein dementsprechend zufriedener Jigme Shitsetsang war an der Wahlfeier der FDP anzutreffen. Er habe vor den Wahlen nicht einschätzen können, wie er abschneiden würde.

«Umso mehr freue ich mich über das gute Ergebnis.»

Er sehe das als Wertschätzung für seine Arbeit im Parlament und im Kantonsrat.

Die SVP ist optimistisch

Jutta Röösli, amtierende Schulpräsidentin, erreichte 3'007 Stimmen. Das fünftbeste Ergebnis würde im zweiten Wahlgang zwar reichen, der Vorsprung ist allerdings denkbar knapp.

Jutta Röösli hat auf ein besseres Ergebnis gehofft.

Jutta Röösli hat auf ein besseres Ergebnis gehofft.

Bild: PD

So war Röösli denn auch nicht vollends zufrieden mit ihrem Ergebnis.

«Es hätte besser sein können. Ich habe mir mehr erhofft.»

Nun gelte es einmal tief durchzuatmen und dann den zweiten Wahlgang in Angriff zu nehmen.

Nur wenige Stimmen hinter Jutta Röösli liegt nach dem ersten Wahlgang SVP-Kandidatin Ursula Egli. Sie erreichte 2'914 Stimmen und befindet sich somit in Schlagdistanz für den zweiten Wahlgang. Fraktionspräsident Benjamin Büsser ordnete das Resultat positiv ein:

SVP-Kandidatin Ursula Egli ist vor dem zweiten Wahlgang optimistisch.

SVP-Kandidatin Ursula Egli ist vor dem zweiten Wahlgang optimistisch.

Bild: PD
«Wir haben Freude am Ergebnis von Ursula Egli. Im zweiten Wahlkampf können wir sämtliche Kräfte für die Regierungswahl einsetzen.»

Auch Ursula Egli stimmte ihr Abschneiden im ersten Wahlgang optimistisch. Die Bürger hätten gezeigt, dass sie einen SVP-Sitz im Stadtrat als angemessen betrachteten, interpretierte sie den ersten Wahlgang.

Um diesen Sitz tatsächlich zu erreichen, muss die SVP-Kandidatin im zweiten Wahlgang einen Rückstand von rund 90 Stimmen aufholen. An der Wahlfeier der Partei zweifelte niemand, dass Egli dies gelingen würde.

Eine herbe Enttäuschung für Daniel Stutz

Der parteilose Gewerbler Andreas Breitenmoser erachtet sein Ergebnis als solide.

Der parteilose Gewerbler Andreas Breitenmoser erachtet sein Ergebnis als solide.

Bild: PD

Gewerbler Andreas Breitenmoser (parteilos) war mit seinen 2'718 Stimmen «insgesamt nicht unzufrieden». Er konnte allerdings nicht verhehlen, dass er ein etwas besseres Ergebnis erwartet hatte.

Doch für einen Quereinsteiger ohne Partei im Rücken betrachte er sein Abschneiden als solide. Ob er im zweiten Wahlgang antreten wird, wollte er sich nicht entlocken lassen. Er werde erst einmal abwarten und die Situation analysieren.

Zu den Verlierern des Wahlsonntags zählt Daniel Stutz (Grüne Prowil). Von den vier Bisherigen erzielte er mit 2'457 Stimmen das deutlich schlechteste Resultat. Seine Enttäuschung konnte er nicht verbergen:

«Es ist nicht ganz das, was ich erwartet habe.»

In Wil sei der Weg für linke Kandidaten im Vergleich mit anderen Städten wie etwa St.Gallen immer noch sehr steinig. Ans Aufgeben denkt Stutz aber nicht, auch wenn der definitive Entscheid über seine Kandidatur im zweiten Wahlgang noch aussteht.

Es brauche im Stadtrat jene Stimmen, die auch im Parlament und Volk vertreten seien. Ein einseitig besetzter Stadtrat mache es schwierig, Projekte umzusetzen.

Stutz hofft auf anderen Ausgang

Damit sprach Stutz die Möglichkeit an, dass nach dem zweiten Wahlgang mit Dario Sulzer nur noch ein linke Vertretung im Stadtrat sein könnte. Dies wäre der Fall, wenn sich an den Ergebnissen des ersten Wahlgangs nicht grundsätzlich etwas ändert.

Doch genau darauf hofft Stutz. Am 29. November könne es eine neue Konstellation geben, ausserdem rechne er nicht erneut mit einer so hohen Stimmbeteiligung.

CVP mit gemischten Gefühlen

Gemischte Gefühle gab es bei der CVP. Die Christdemokraten konnten sich zwar über das gute Abschneiden ihres Stadtpräsidiumskandidaten Hans Mäder freuen, ihr Stadtratskandidat Beat Gisler klassierte sich jedoch auf dem letzten Platz mit 1'927 Stimmen.

Beat Gisler landete auf dem zehnten und damit letzten Platz.

Beat Gisler landete auf dem zehnten und damit letzten Platz.

Bild: PD

Damit blieb er sogar über 200 Stimmen hinter dem parteilosen Oliver Baumgartner, der seine Kandidatur offiziell zurückgezogen hat, allerdings noch auf dem Wahlzettel stand. Beat Gisler sagte:

«Ich habe gehofft, dass ich besser abschneide.»

Letztlich habe es ihm wohl ein bisschen an Bekanntheit gefehlt, resümierte er. Mit Inhalten zu überzeugen helfe auch nur begrenzt, wenn die Leute einen nicht kennen.

Ob er im zweiten Wahlgang nochmals antritt, werde sich in den nächsten Tagen weisen. Der Abstand zur Konkurrenz sei allerdings schon beträchtlich, sagte Gisler und deutete damit zumindest an, dass es wohl auf einen zweiten Wahlgang ohne ihn hinausläuft.

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