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Niederwiler Reitsportzentrum
droht Zwangsversteigerung

Vor anderthalb Jahren drohte der Konkurs, jetzt fordert ein Grundpfandgläubiger die Verwertung der Anlage: Im September soll das Reitzentrum Niederwil von Jacqueline Gschwend-Pfenninger versteigert werden.
Andrea Häusler
Das Reitzentrum liegt am nördlichen Dorfrand von Niederwil. Rund 10000 Quadratmeter stehen für die Pferdehaltung und den Pferdesport zur Verfügung.

Das Reitzentrum liegt am nördlichen Dorfrand von Niederwil. Rund 10000 Quadratmeter stehen für die Pferdehaltung und den Pferdesport zur Verfügung.

Weidende Pferde auf weitläufigen Wiesen, übermütige Junghengste, die spielerisch raufend ihre Kräfte messen, niedliche Zuchtfohlen und Kurzvideos von talentierten Pferden, deren «Verkaufspreise der Qualität entsprechen». Die Einträge auf der Facebookseite des Niederwiler Reitzentrums vermitteln idyllische Beschaulichkeit und zeugen von eindrücklichen Zuchterfolgen.

Dabei sind am scheinbar postkartenblauen Himmel längst düstere Wolken aufgezogen. Der Betrieb, im November 2015 vom ehemaligen S-Springreiter René Amstutz an Jacqueline und Thomas Gschwend-Pfenninger, bzw. deren Reitzentrum Niederwil AG verkauft, befindet sich innert anderthalb Jahren bereits zum zweiten Mal in finanzieller Schieflage.

Versteigerung auf den 20. September festgesetzt

Im Januar 2017 hatte der Konkursrichter des Kreisgerichts Wil die Konkurseröffnung über die Aktiengesellschaft – in deren Verwaltungsrat einzig Jacqueline Gschwend-Pfenniger Einsitz hat – verfügt. Dagegen wurde jedoch erfolgreich Beschwerde eingelegt: Im Februar hiess das Kantonsgericht St. Gallen den Rekurs gut. Die konkursrichterlichen Verfügung wurde aufgehoben. Jetzt steht das Pferde- und Reitsportzentrum neuerlich in den Schlagzeilen, beziehungsweise im Amtsblatt des Kantons St. Gallen. Die Liegenschaft, bestehend aus gut 10000 Quadratmetern Land, Ställen, einer Führanlage und der Reithalle, soll unter den Hammer kommen.

Die Verwertung wird verlangt infolge Betreibung der Pfandgläubigerin an zweiter Pfandstelle. Sprich, die Grundpfandgläubiger – die involvierte Bank oder, wie im konkreten Fall, private Geldgeber – haben ihre Forderungen gekündigt und die Verwertung der Anlage verlangt. Die betreibungsamtliche Schätzung beträgt gut 7 Millionen Franken. Nicht vom Verwertungsbegehren betroffen sind das separat belehnte Wohnhaus sowie eine Landparzelle, die dem bäuerlichen Bodenrecht untersteht.

Die Steigerung ist auf den 20. September angesetzt und soll im Katholischen Pfarreiheim in Oberbüren stattfinden. Am 17. September kann das Objekt besichtigt werden. Zuständig ist das Betreibungsamt Oberbüren. Trotz des veröffentlichten Steigerungsdatums besteht grundsätzlich nach wie vor die Option, die Verwertung der Anlage abzuwenden. Urs Ghirlanda von der Regionalstelle Wil des kantonalen Konkursamts sagt dazu stellvertretend: «Im Gegensatz zum Konkurs ist es den Beteiligten bis unmittelbar vor der Versteigerung eines Objekts möglich, sich finanziell zu arrangieren. Mit dem Rückzug des Verwertungsbegehrens durch die Grundpfandgläubiger würde die Versteigerung hinfällig.»

Quereinsteiger mit Herzblut und Engagement

Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen, als die gebürtige Thurgauerin Jacqueline Gschwend-Pfenninger und der Rheintaler Thomas Gschwend vor drei Jahren nach Niederwil gekommen waren, um hier ihren Traum Realität werden zu lassen. Lange hätten sie, auch über die Landes- und Kontinentalgrenzen hinaus, nach einem Reitbetrieb gesucht, sagte die heute 35-jährige gelernte Floristin im Frühjahr 2016, kurz nach der Betriebsübernahme, im Gespräch mit der Fachzeitschrift «PferdeWoche». Glücklich, ein passendes Zuhause für die bisher dezentral untergebrachten Pferde gefunden zu haben, und entschlossen, das Reitzentrum trotz gut unterhaltener Infrastruktur baulich zu entwickeln. Mit der Unterstützung ihres nun 41-jährigen Ehemanns Thomas, der eigenen Aussagen zufolge ursprünglich nie viel mit Pferden am Hut gehabt, sich jedoch an der Seite seiner pferdebegeisterten Gattin zum engagierten Züchter entwickelt hatte.

Kaufinteressierte offenbar vorhanden

Nebst der Pferdezucht, dem Handel und dem Reitschulbetrieb werden im Reitzentrum Niederwil auch Boxen für Pensionspferde vermieten - ab 1010 Franken. Dafür gibt es, nebst Kost und Logis, Auslauf ins Freie und das Recht zur Nutzung der Infrastruktur, zu der nebst der Halle auch eine Führanlage gehört.

Wie die Zukunft des Betriebs aussieht, ist vorderhand und bis zum 20. September völlig unklar. Darüber täuscht auch nicht hinweg, dass derzeit noch Personal gesucht wird. Die Stelle eines Pferdepflegers oder einer Stallhilfe ist ausgeschrieben. Ausserdem wird ein Praktikumsplatz angeboten.

Thomas Gschwend ist zuversichtlich, zumindest die Zwangsverwertung der Anlage verhindern zu können. «Wir sind mit Hochdruck dabei, Lösungen zu erarbeiten», sagt er auf Anfrage. Und ergänzt: «Es bestehen Kontakte zu einem Investor sowie mehreren Kaufinteressierten. Die angekündigte Versteigerung findet zu 99 Prozent nicht statt», gibt er sich überzeugt.

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